"Ökologisches Rückzugsgebiet abgeholzt" Naturschützer kritisieren Baumfällaktion in Papenburg

"Kein erhaltenswerter Baumbestand" ist nach Auffassung der Stadt Papenburg entfernt worden. Die Naturschutzverbände sehen das ganz anders. Foto: Gerd Schade"Kein erhaltenswerter Baumbestand" ist nach Auffassung der Stadt Papenburg entfernt worden. Die Naturschutzverbände sehen das ganz anders. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Mit deutlicher Kritik reagieren die Naturschutzverbände Emsland-Nord und Ostfriesland-Süd (BSH, Nabu, Bund) auf die Baumfällaktion der Stadt Papenburg im Bereich des Gewerbegebietes an der Flachsmeerstraße.

"Welcher Schock die Anlieger hier am Mittelkanal getroffen hat, als plötzlich hinter ihren Grundstücken Großmaschinen dabei sind, ,ihre' Bäume, die seit Jahrzehnten in Sichtweite gewachsen sind, zerstört wurden, kann sich jeder vorstellen", erklären die Verbände in einer Pressemitteilung. Die Anwohner Silvia Korte und Arnold Dänekas hatten sich massiv über das Vorgehen der Stadt beschwert, die jedoch auf die Rechtmäßigkeit angesichts der geplanten Erweiterung des Gewerbegebietes verwies.  

Bestandsaufnahmen gemacht?

Aus Sicht der Naturschützer hatte sich hinter den Grundstücken der Anlieger "ein ökologisches Rückzugsgebiet entwickelt, wo Tiere und Pflanzen fast ungestört waren. Die Rehe mit ihren Kitzen, die rufenden Fasanenhähne, eigene Bienen mit Waldhonig im Sommer oder Hornissen beim Wespenfangen. Alles konnte beobachtet werden." Dazu zählen die Verbände vor allem auch seltene Fledermäuse, die fast alle auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen würden. "Hat die Stadt eigentlich vor der Abholzung Bestandsaufnahmen gemacht?", fragen die Naturfreunde.

"Widersprüchlich informiert"

Sie werfen der Verwaltung zudem vor, nicht nur nicht richtig, sondern – was noch schlimmer sei –  widersprüchlich informiert zu haben. (Die Verwaltung hatte das auf Nachfrage unserer Redaktion zurückgewiesen). Die Naturschutzverbände halten die Informationspolitik dennoch für nicht in Ordnung und mutmaßen einen "Rückfall in alte Zeiten" mit fehlender Transparenz.

Weniger Vögel, Insekten und Fledermäuse 

"Wir wissen, dass die Zahl der Vogelbrutpaare, wie Amsel, Drossel, Fink und Star unter anderem in zehn Jahren um 15 Prozent gesunken sind", erklären die Naturschützer mit Verweis auf einen entsprechenden Bericht der Bundesregierung an die EU 2013. Der Bestand der Insekten habe sogar um 75 Prozent abgenommen, Fledermäuse stünden teilweise vor dem Aussterben und Wiesenvögel wie Kiebitz, Brachvogel oder Uferschnepfe seien nur noch in wenigen Gebieten im nördlichen Emsland beziehungsweise südlichen Ostfriesland zu finden. Das belegten Zählungen der Verbände seit 1980. 

Verbände fordern Zeitenwende

"Jeder Naturraum ist wichtig", betonen die Verbände und fordern eine Zeitenwende. "Unsere Tier- und Pflanzenwelt hat immer mehr Probleme. Das müssen wir endlich alle begreifen! Jede Fläche ist wichtig, auch wenn es ,nur' sogenannte Allerweltspflanzen sind. Wenn die Lebensgrundlage entzogen wird, bedeutet es für die meisten Tiere einfach den Tod."

Lebensgrundlagen langfristig sichern

Die Gewerbegebietserweiterung sei  wahrscheinlich unverzichtbar. "Aber, wir alle müssen umdenken! Wenn etwas geplant, verändert, Ideen umgesetzt werden, ist zunächst darüber nachzudenken, ob es nachhaltig ist Unsere Lebensgrundlagen müssen langfristig gesichert sein. Hier sollte die Stadt Papenburg ein gutes Beispiel geben."


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