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Aufregung am Mittelkanal Stadt Papenburg fällt Bäume: Anwohner entsetzt

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Das Abholzen beklagen Silvia Kruse, Arnold Dänekas und Sören Kruse (r.). Foto: Gerd SchadeDas Abholzen beklagen Silvia Kruse, Arnold Dänekas und Sören Kruse (r.). Foto: Gerd Schade

Papenburg. Anwohner am Mittelkanal in Papenburg laufen Sturm gegen das Fällen von Bäumen zwischen Kapitänsviertel und Flachsmeerstraße. Aus Sicht der Stadt ist jedoch alles rechtens.

Nachdem Anwohner ihrem Unmut unter anderem bei Facebook und per E-Mail an Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) Luft gemacht hatten, veröffentlichte die Stadt am Donnerstagnachmittag eine Pressemitteilung. Darin erklärt Stadtbaurat Jürgen Rautenberg, dass kein „erhaltenswerter Baumbestand“ beseitigt worden sei. Der Erklärung zufolge hat die Stadt „einen älteren Streifen von Fichtenbäumen entfernen lassen“. Zudem seien einzelne ältere Pappeln gefällt worden. Aus Sicht der Anwohner sind der Aktion aber auch Erlen zum Opfer gefallen.

Als Gewerbefläche ausgewiesen

Die Arbeiten im Bereich der Werthmannstraße sind laut Stadt am Mittwoch und Donnerstag durchgeführt worden. Wie es in der Erklärung aus dem Rathaus weiter heißt, hat die Stadt die Flächen in dem Bereich schon vor Jahren über einen Bebauungsplan als Gewerbegebietsfläche ausgewiesen. Rautenberg: „Vor einiger Zeit konnten noch fehlende Teilflächen zu Eigentum erworben werden, sodass die Gewerbegebietsflächen jetzt zusammenhängend arrondiert sind und für die spätere Entwicklung vorbereitet werden.“ Dem Stadtbaurat zufolge umfasst die Fläche 2,25 Hektar. Davon seien erste Flächen sofort verfügbar.

Anwohner beklagen "totalen Kahlschlag"

Die Arbeiten hätten bei einigen Anwohnern „für Fragen“ gesorgt, heißt es bei der Stadt. Das erscheint allerdings sehr zurückhaltend formuliert. In einem Gespräch mit unserer Redaktion äußert Anwohnerin Silvia Korte ihr Unverständnis. Sie beklagt „rücksichtsloses Abholzen unzähliger alter Bäume“ und „totalen Kahlschlag“. Sie erklärt zudem, dass sie und ihr Lebensgefährte Arnold Dänekas auf Nachfragen bei der Stadt widersprüchliche Aussagen erhalten hätten. 


Im Bereich der Werthmannstraße ließ die Stadt Papenburg Fichten fällen. Foto: Stadt Papenburg



So sei ihnen mehrfach versichert worden, dass es sich bei der betroffenen Fläche um eine Ausgleichsfläche handele und diese nicht bebaut werden dürfe. Erst in der vorigen Woche sei ihnen auf Nachfrage versichert worden, dass dort kein Baum gefällt werden dürfe. 

Rautenberg weist diese Behauptung zurück. „Der zuständige Sachbearbeiter hat solche Äußerungen in Bezug auf die Bäume nie getroffen“, erklärt er am Freitag auf Nachfrage. Wie er weiter mitteilt, war die Beschwerde von Dänekas die einzige, die im Rathaus aufgelaufen sei. Mit dem „Beschwerdeführer“ sei in dieser Woche vor Ort ein Gespräch geführt worden, „in dem die Maßnahme und der weitere Fortgang der Gebietsentwicklung erläutert wurden.“

Auch diese Pappel wurde gefällt. Foto: Gerd Schade

Korte betont indes, dass das betroffene „Stück Natur Heimat von unzähligen Tierarten wie eine stetig wachsende Fasanenpopulation, Bussarden, Spechten, vielen Fledermäusen, Eichelhähern und Rückzugsgebiet einer Rehfamilie und vieles mehr“ sei. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren bereits „einiges getan, um dieses Rückzugsgebiet zu ruinieren“. Korte und Dänekas wollen „nicht tatenlos zusehen, wie das weitergeht“. Für sie stellt sich nicht nur die Frage, wie die Stadt mit der Natur, sondern auch mit ihren Bürgern umgeht.


Stadt: Kein Zweifel an Rechtmäßigkeit

Aus Sicht der Stadtverwaltung besteht an der Rechtmäßigkeit der Fällarbeiten kein Zweifel. Die Fichtenreihe stand habe zentral in den Gewerbeflächen gestanden und sei weder über den Bebauungsplan noch über die Baumschutzsatzung geschützt gewesen. „Die entfernten Pappeln hatten das Ende ihres Lebenszyklus erreicht und unterlagen grundsätzlich ebenfalls keinem besonderen Schutzstatus“, heißt es in der Erklärung. 

Das Fällen der Bäume stößt auch bei Sören Korte auf Kritik. Foto: Gerd Schade

Demnach hätte die Beseitigung der Pappeln „aus Sicherheitsgründen“ in absehbarer Zeit ohnehin erfolgen müssen und sei im Zusammenhang mit den beauftragten Forstmaßnahmen „sinnvollerweise mit erledigt“ worden. Zwei Pappeln hätten dabei in einem Bereich gestanden, der nach dem Bebauungsplan als Grünzone festgesetzt sei. Rautenberg zufolge mussten die beiden Pappeln „aus Gründen der Verkehrssicherheit“ gefällt werden. Weitere Fällungen seien nicht vorgesehen.

"Grünzone" bleibt erhalten

Der Stadtbaurat versichert, dass die rund 2600 Quadratmeter große Grünzone Bestand haben und auch künftig als als sinnvolle und notwendige Abstandsfläche zu der Bebauung entlang des Mittelkanal links dienen werde. Notwendige Unterhaltungsarbeiten in solchen Zonen seien aber dadurch nicht ausgeschlossen, sondern förderten den Erhalt des verbleibenden Bestandes und die Neuentwicklung einer solchen Zone mit standortgerechter Vegetation. „Die Stadt Papenburg wird bei forstlichen Maßnahmen dieser Art durch den Bezirksförster der Landwirtschaftskammer beraten und unterstützt, so auch in dem hier vorliegenden Fall“, betont Rautenberg.

So sah es hinter dem Garten von Silvia Korte und Arnold Dänekas vor der Fällaktion aus. Foto: Dänekas/Korte

UWG-Ratsherr Norbert Kramer, der sich am Freitagnachmittag ein Bild von der Fällaktion machte, reagierte mit Unverständnis. Die Politik sei entgegen anderslautender Grundsatzabsprachen mit der Verwaltung nicht informiert worden. „Wir wussten von nichts. Und so schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt“, sagte Kramer.


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