Ein Musterbeispiel aus Papenburg Flüchtlinge in Ausbildung: So kann es gehen

Den Dreh raus hat Ibrahim Diallo. Unser Foto zeigt den Auszubildenden an einem Heizkreisverteiler bei der Firma Kuhr. Foto: Gerd SchadeDen Dreh raus hat Ibrahim Diallo. Unser Foto zeigt den Auszubildenden an einem Heizkreisverteiler bei der Firma Kuhr. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Ibrahim Diallo packt an. Nach seiner Flucht aus Guinea absolviert der 20-jährige Schwarzafrikaner derzeit sein erstes Ausbildungsjahr als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bei der Firma Kuhr in Papenburg.

Hilfestellung gibt es durch ein mit Landesmitteln gefördertes Projekt. Es bietet sowohl Betrieben als auch motivierten jungen Menschen mit Fluchterfahrung und Bleibeperspektive Beratungs- und Unterstützungsangebote bei der Integration in den Ausbildungsmarkt. An dem seit 2017 bestehenden Vernetzungsprojekt namens „Überbetriebliche/r Integrationsmoderator/-in“ in Papenburg konkret beteiligt sind die Historisch-Ökologische Bildungsstätte (HÖB), die Berufsbildenden Schulen (BBS), das Jobcenter des Landkreises Emsland, das Zentrum für Arbeit in Leer und die Agentur für Arbeit.

Nicht immer einfach

Weg und Werdegang von Diallo soll aus Sicht der Beteiligten weitere Unternehmen ermuntern, Flüchtlinge auszubilden, um sich auf diese Weise künftige Fachkräfte zu sichern. Dass dies nicht immer einfach sei, daraus machten die Projektpartner bei einem Besuch des Landtagsvizepräsidenten Bernd Busemann (CDU) in der Firma Kuhr keinen Hehl. „Hier gemeinsam einen Weg zu finden erfordert Mut und Geduld“, sagte HÖB-Leiter Thomas Südbeck und warb dafür, Hemmschwellen abzubauen. Er erinnerte daran, dass das Emsland von Zuwanderung profitiert habe, so wie beispielsweise beim Zuzug von Spätaussiedlern in den 90er-Jahren.

Rund 90 Mitarbeiter

Stefanie Book, HÖB-Integrationsmoderatorin und -Bildungsreferentin, machte ebenfalls kein Geheimnis daraus, dass das Zusammenspiel zwischen Ibrahim Diallo und der Firma Kuhr, die rund 90 Mitarbeiter beschäftigt, ein Musterbeispiel sei. „Das ist nicht selbstverständlich“, betonte Book, die ihre Moderatorinnenrolle als Schnittstelle zwischen den Netzwerkpartnern versteht. Das Unternehmen habe sich von Anfang an sehr offen und der 20-Jährige durchweg aufgeschlossen und lernbegierig gezeigt. Das offenbare sich beispielsweise an Diallos bereits guten Deutschkenntnissen. „Außerdem nimmt er jede Möglichkeit für eine weitere Förderung sofort wahr“, lobte BBS-Schulsozialpädagogin Katharina Sandmann.

Um Chance gekämpft

„Die Sprache ist das Allerwichtigste, gerade auch im Arbeitsalltag“, fügte Firmenchef Michael Kuhr hinzu. Überdies sei es für Unternehmen von Bedeutung, beim Einstellen von jungen Menschen mit Fluchterfahrung möglichst wenig zusätzliche bürokratische Lauferei zu haben. Genau an dieser Stelle kämen die Projektpartner ins Spiel, sagte Südbeck.

Wie Diallo berichtete, hat er seiner westafrikanische Heimat wegen Perspektivlosigkeit 2017 den Rücken gekehrt. Über Marokko (per Flugzeug), Spanien (Boot) und Frankreich (Bus) landete er in Deutschland (ebenfalls per Bus). Kurzzeitig lebte er bei einem Onkel in Hamburg, bevor er über die Flüchtlingsaufnahmeeinrichtungen in Stade und Bramsche in Papenburg landete, genauer gesagt in Tunxdorf. Sechs Monate dauerte die Odyssee des jungen Mannes. „Hier hat er von Anfang an um seine Chance gekämpft. Das war nicht einfach für ihn“, sagte Book. Er habe immer sein berufliches Ziel einer Ausbildung vor Augen gehabt, fügte Diallo hinzu.

Zunächst ein Praktikum

Bei Kuhr hat der 20-Jährige zuvor ein Praktikum absolviert. Sein Chef bescheinigt ihm gute Lernbereitschaft und Einsatzwillen. Kuhr zufolge arbeitet Diallo selbstständig und eigenverantwortlich in einem Team zur Installation von Heizungs- und Lüftungsanlagen beispielsweise in Krankenhäusern und Gewerbegebäuden.

Im Hinblick auf den Fachkräftemangel hob Book hervor, dass die Betriebe „auf jeden Mann und jede Frau angewiesen sind, die engagiert und motiviert sind“. Die Gewinnung von Fachkräften sei von höchstem Interesse, fügte Busemann hinzu.

Projekt läuft noch bis Mai 2019

Nach seinen Worten ist der Auftrag bei der Integration von Flüchtlingen noch lange nicht erfüllt. Deshalb wäre es aus seiner Sicht auch zu früh, Geldhähne für Förderungen zuzudrehen.

Book ist eine von landesweit 24 Integrationsmoderatoren. Das Projekt läuft noch bis Mai 2019. Die Beteiligten hoffen auf eine Fortsetzung.

Weitere Infos und Kontakt: Stefanie Book, Telefon 0 49 61/97 88 36, E-Mail: stefanie.book@hoeb.de


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