Emsland ohne weitergehende Einschränkung Kein Extra-Böllerverbot in Papenburg

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Der Müll am Morgen danach: So wie hier am 1. Januar 2015 an der Friederikenstraße in Papenburg dürfte es auch am Neujahrstag 2019 vielerorts im Stadtgebiet aussehen. Foto: Gerd SchadeDer Müll am Morgen danach: So wie hier am 1. Januar 2015 an der Friederikenstraße in Papenburg dürfte es auch am Neujahrstag 2019 vielerorts im Stadtgebiet aussehen. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Erweitertes Böllerverbot, Müll- und Feinstaubdebatte: Seit Jahren war die Diskussion um das Silvesterfeuerwerk nicht mehr so intensiv wie vor dem Jahreswechsel 2018/19. Anders als in anderen Städten gibt es in Papenburg aber kein weitergehendes Knallverbot, so wie offenbar bei keiner der insgesamt 19 Kommunen im Emsland.

„Einschränkungen zum Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen ergeben sich im Wesentlichen aus Paragraf 23 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz“, erklärt Papenburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Heyen auf Anfrage unserer Redaktion. Weitergehende Verbote gebe es im Bereich der Stadt nicht.

Das deckt sich mit der Einschätzung des Landkreises Emsland. Wie dessen Sprecher Udo Mäsker erläutert, wäre eine allgemeine Anordnung, dass pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2 (klassisches Silvester-Kleinfeuerwerk) auch an Silvester oder Neujahr nicht abgebrannt werden dürfen, von der zuständigen Gemeinde zu erlassen und öffentlich bekannt zu geben. „Dem Landkreis ist nicht bekannt, dass eine kreiszugehörige Kommune bisher ein solches Verbot ausgesprochen hat oder plant“, so Mäsker. Demnach dürfen im Landkreis am 31. Dezember und 1. Januar Raketen, Batterien und Knallkörper gezündet und abgebrannt werden – allerdings nicht ohne Einschränkung.

Nicht unter 18 "böllern"

Dazu verweist auch Mäsker auf Paragraf 23 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz, wonach das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen grundsätzlich verboten ist. Wer dieses Verbot missachte, oder unter 18 Jahren „böllert“, handelt Mäsker zufolge ordnungswidrig.

Mediziner warnt

Während außerhalb des Emslandes in immer mehr Städten das Silvesterfeuerwerkverbot ausgeweitet wird, fordern immer mehr Menschen ein komplettes Ende der Böllerei – in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen. Dafür müsste jedoch das Sprengstoffgesetz geändert werden.

Schon vor einem Jahr hatte der Mediziner und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Feinstaub aus Böllern und Feuerwerkskörpern als „ein echtes Gesundheitsrisiko“ bezeichnet. Kleinste Feinstaubpartikel könnten sich im Gehirn ablagern und dort zu chronischen Entzündungen führen, am Ende sogar Demenz auslösen, und auch das Herzinfarkt-Risiko steige dadurch, so Lauterbach.

4500 Tonnen Feinstaub

Nach Berechnungen des Bundesumweltamtes werden in Deutschland zum Jahreswechsel rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspreche etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt indes vor einer Bevormundung der Bürger durch Verbote. Die Behörden mahnen zu einem maßvollen Umgang mit Feuerwerk. Organisationen wie Brot für die Welt („Brot statt Böller“) und die umstrittene Tierrechtsorganisation Peta rufen schon lange zum Böllerverzicht auf.

In der Region setzte mit dem offiziellen Start des Feuerwerksverkaufs am vergangenen Freitag ein regelrechter Ansturm auf die Geschäfte ein. Ins Getümmel werfen sich in der Grenzregion vom Rheiderland über das Emsland bis in die Grafschaft Bentheim alle Jahre wieder auch zahlreiche Menschen aus den benachbarten Niederlanden. In Deutschland ist das Feuerwerk günstiger. Im Trend liegen Systemfeuerwerke (Batterien).

Unterdessen warnt die Polizei vor den Gefahren durch die Silvesterknaller, vor allem selbst gebastelten. „Mit nicht zugelassenen oder selbst gebastelten Böllern ist nicht zu spaßen. Sie sind lebensgefährlich und können großen Schaden anrichten. Außerdem sind Besitz, Weitergabe, Herstellung und das Abbrennen solcher Silvesterknaller strafbar“, betont Pressesprecher Marco Ellermann in einer Pressemitteilung der Polizeidirektion Osnabrück. Für Feuerwehren, Rettungsdienste und Polizei sei die Silvesternacht eine der einsatzreichsten Nächte im Jahr.


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