Untersuchung steht an Frühere Walchumerin noch immer Siegerin über den Krebs

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Neu zur Familie von Bert und Anka Sijtsema gehört der Golden Retriever Blondie. Foto: Maike PlaggenborgNeu zur Familie von Bert und Anka Sijtsema gehört der Golden Retriever Blondie. Foto: Maike Plaggenborg

Midwolda. Anka Sijtsema ist seit einem Jahr krebsfrei. Dass es dazu überhaupt gekommen ist, bezeichneten Ärzte seinerzeit als „Wunder“. Nun steht der früheren Walchumerin die nächste Drei-Monats-Untersuchung bevor. Neujahr wird für sie kein entspannter Tag werden, sagt sie. Kommt der Krebs wieder, „werde ich nichts machen“.

Am Tag darauf steht ihr die Untersuchung bevor, die alle drei Monate ansteht, seit ihr die Bauchspeicheldrüse entfernt und der Krebs diagnostiziert wurde. Allein die Nacht davor verlaufe immer unruhig, sagt die 51-Jährige, die zuletzt in Walchum gelebt hat und nun im niederländischen Midwolda zuhause ist. Auch der Tag selbst ist voller Anspannung. Das letzte Untersuchungsergebnis gibt es immer am Abend per Telefon. Und auch wenn keine Untersuchung ansteht – „du hast es immer im Hinterkopf“. Manchmal, wenn es im Bauch zwickt, kommt die Erinnerung wieder hoch. Dennoch: Seit sie so schlimm krank war, versucht sie, jeden Tag wie den letzten zu leben.

Damals todkrank

Rückblick: Als Sijtsema – damals heißt sie noch Vodosek und lebt in Walchum – sich im August 2017 in unserer Redaktion meldet, berichtet sie, dass sie todkrank sei und „sehr, sehr glücklich“. Im Mai 2017 kommt zunächst die niederschmetternde Diagnose. Sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs und zwar eine aggressive Form. Nach einer Operation wird das Ausmaß erst deutlich. Die Ärzte geben ihr noch wenige Monate zu leben. Da kennt sie ihren jetzigen Ehemann Bert Sijtsema erst wenige Wochen, hat aber schon eine ausgeprägte Ahnung von der Liebe, die die beiden kurz darauf verbindet. Ende September desselben Jahres heiraten sie.

Ende September 2017 haben Anka und Bert Sijtsema geheiratet. Foto: Lea Becker/Archiv

Krebsfrei aber nicht geheilt

Bei einem neuen Besuch in Midwolda in den Niederlanden – ihrer neuen Heimat nach etwa einem Jahr in Walchum und 15 Jahren in Neubörger – sagt die inzwischen 51-Jährige, dass sie noch immer gesund ist. Krebsfrei aber nicht geheilt. Das ist sie erst nach fünf Jahren ohne Tumor, erklärt sie.

Natürlich will Sijtsema leben. Aber sie sagt auch: „Es kommt, wie es kommt“. Und die Zahlen sprechen offenbar gegen sie. Drei Prozent der Betroffenen erleben Heilung von dieser Krankheit, erzählt sie achselzuckend – und dann lachend, wie ihre Freunde ihr immer sagen: „Du gehörst zu den drei Prozent“.

Wenn was kommt, dann werde ich nichts machen.Anke Sijtsema über eine mögliche neue Erkrankung

So oder so. „Wenn was kommt, dann werde ich nichts machen“, sagt Sijtsema, die gebürtig aus der Region zwischen Dresden und Chemnitz stammt. Weder eine Chemotherapie noch eine Operation. „Da bin ich eisenhart“, sagt sie, wohlwissend, dass das ihren Tod bedeuten könnte, sollte der Krebs zurückkehren. Eine erste Chemo in 2017 hatte sie abgebrochen, weil sie sie nicht ausgehalten hat. Bei der Operation wäre sie fast verblutet. Sie dauerte neun Stunden. Danach lag sie drei Tage lang im Koma. Ihre Freunde, Verwandte, ihre vier Kinder, ihr Ehemann – alle müssen und haben diese Haltung akzeptiert. Für Sijtsema ist das Teil ihrer Selbstbestimmung. „Ich habe meinen Frieden gemacht“, sagt sie. 

Lebensqualität statt Lebensdauer

Sie setzt auf Lebensqualität statt Lebensdauer. „Ich lebe lieber intensiv und kurz, als dahinzusiechen.“ Großer Teilhaber wie auch Gestalter dieser Qualität ist Ehemann Bert. „Wir lieben die Berge“, sagt sie. Und die besuchen sie gerne in Österreich. Im jüngsten Alpen-Urlaub war ein 2224 Meter hoher Berg das Ziel. Die Zahl weiß Sijtsema noch ganz genau, weil sie so stolz war. Im nächsten Urlaub geht es gen Abgrund. Ein Tandem-Paragliding-Sprung steht auf der Liste der Dinge, die es noch zu tun gibt. Dabei existiert eine solche Liste eigentlich nur in ihrem Kopf. Weitere Ziele für die Zukunft sind ein Besuch im Disneyland-Park in Paris mit ihrer jüngsten 16-jährigen Tochter und ihr 52. Geburtstag im Oktober.

Eine Tiefkühlpizza kommt mir nicht mehr ins Haus.Anka Sijtsema

Sijtsema ist offen für Gutes im Leben. Und Besseres, denn sie hat was verändert. Wie vor einem Jahr angekündigt hat sie sich noch im Dezember 2017 einen Hund zugelegt. Blondie, der Golden Retriever, ist fester Bestandteil der Familie. Täglich geht sie mit ihm raus, etwa sechs bis sieben Kilometer lang ist die Runde. Neben der vielen Bewegung hat nun auch eine gesündere Ernährung Platz in ihrem Alltag. „Eine Tiefkühlpizza kommt mir nicht mehr ins Haus“, sagt sie. Gemüse gibt es vom Markt. Was sie will, geht sie an. 

Rückschläge als Antrieb

Und auch Rückschläge kriegt sie gehändelt. Im April stirbt ihre Freundin Conny Kappen aus Walchum. Da kennen sie sich etwa ein Dreivierteljahr. „Ich habe sie nicht oft gesehen, aber die Chemie hat halt gestimmt.“ Kappen war eine Mitstreiterin. Sie hatte Leukämie, starb aber nach einer zweiten erfolgreichen Stammzellspende an einer Lungenentzündung. Im Oktober stirbt ihr Schmerztherapeut und Freund aus Papenburg, wie Bert Sijtsema erzählt und damit kaum zum Ende kommt, weil ihn der Kloß im Hals nicht lässt. Für beide sind das schmerzhafte Erlebnisse, Anka Sijtsema aber geben sie gleichzeitig Antrieb. Noch immer. Beide, die Walchumerin und der Arzt, hätten ihr stets gesagt, sie solle kämpfen. Und dabei bleibt sie. Auf ihre Art.


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