Initiative aus Papenburg Der Arztassistent soll es im Emsland richten

Um die medizinische Versorgung der Menschen im Emsland sollen sich in Zukunft auch Arztassistenten, so genannte Physician Assistants, kümmern. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpaUm die medizinische Versorgung der Menschen im Emsland sollen sich in Zukunft auch Arztassistenten, so genannte Physician Assistants, kümmern. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Papenburg. Mit Arztassistenten, sogenannte Physician Assistants, soll die medizinische Versorgung im Emsland flächendeckend gesichert werden.

Der Standort für einen berufsbegleitenden Studiengang mit sechs Semestern Regelstudienzeit soll in Meppen etabliert werden, es wäre der erste in Niedersachsen. Die Initiative für das Projekt kommt aus Papenburg. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) unterstützt das Vorhaben.

Mit deutlich weniger Ärzten im Emsland trotzdem alle Patienten versorgen: Was auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises erscheint, soll mit dem in Deutschland noch jungen Berufsbild Physician Assistant (PA) gelingen. „Andernfalls ist die Versorgung nicht mehr lösbar“, erklärt Dr. Volker Eissing, Allgemeinmediziner aus Papenburg. Seine Initiative sei denn auch „aus der Not heraus“ entstanden. Sie sei zugleich aber auch eine Chance für qualifizierte Kranken- und Altenpflegekräfte, Arzthelferinnen und Physiotherapeuten.

Düstere Prognose

67, 67, Ende 60, Anfang 70, 70, 70... – im Stakkato kann Eissing das Alter vieler Hausarztkollegen von Neubörger über Surwold bis Papenburg aufzählen. Damit skizziert der 58-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion die Perspektive in der medizinischen Versorgungssituation. „Wenn allein diese Kollegen aufhören und es keine Nachfolger für sie gibt, sind 5000 Menschen ohne Hausarzt. Das zeigt, wo wir angekommen sind.“ Und die Prognose der KVN für das Jahr 2020 sieht düster aus. Demnach mangelt es im Emsland nicht nur dramatisch (Versorgungsgrad bis 50 Prozent) an Hausärzten, sondern auch an Augenärzten, Chirurgen, Frauen-, HNO-, Kinder- und Nervenärzten, Orthopäden, Psychotherapeuten, Radiologen und Urologen.

Seit Jahren kämpfen Kommunen im Emsland um den Erhalt der medizinischen Versorgung auf dem Land – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. „Wir haben keine Ärzte, und wenn doch, sprechen sie vielfach kein oder nur schlecht Deutsch“, betont Eissing.

Was der PA darf und was nicht

Was der PA darf und was nicht, hat derweil die Bundesärztekammer klar definiert. Demnach verbleibt die medizinische Gesamtverantwortung immer beim behandelnden Arzt. So darf ein PA keine Erstdiagnose stellen und auch keine primäre Therapie einleiten. Der Arzt delegiert die weiteren Aufgaben an den Assistenten.

Der berufsbegleitende Studiengang, in dem Lehrinhalte der Medizin vermittelt werden, dauert in der Regel sechs Semester. Abitur ist keine Voraussetzung. Hingegen müssen die Bewerber einen medizinischen Beruf erlernt und mindestens zwei Jahre in demselben gearbeitet haben. Die Alternative: Abitur plus Berufsausbildung. Die Studiengebühren, 500 Euro im Monat, soll Eissing zufolge die öffentliche Hand tragen.

Die Initiative des Papenburgers sieht eine Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule in Berlin und mit dem Ludmillenstift in Meppen vor. In dem Krankenhaus der Kreisstadt soll eine Außenstelle der Hochschule entstehen und etabliert werden.

Am Patienten bleiben

Für Eissing hat das Modell für berufserfahrene Interessenten mehrere Vorteile. „Die Kandidaten haben ihre Lebensentscheidung schon getroffen. Das heißt, sie leben und arbeiten im Emsland und wollen auch nicht mehr weg.“

Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Bei der Ausbildung zum PA erfolge eine Akademisierung mit der Prämisse, am Ende nicht in der Verwaltung zu landen, sondern am Patienten zu bleiben.

Im Oktober 2019 soll es losgehen 

Nach Eissings Planungen soll es in Meppen im Oktober kommenden Jahres losgehen. Pro Studienjahr sollen maximal 25 Kandidaten ausgebildet werden. „Der erste Kurs ist schon voll“, sagt Eissing, der im Januar zudem eine Informationsveranstaltung in Papenburg plant. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Für Eissing ist das Ganze eine Riesenchance: „Wir haben die Option auf eine medizinische Fakultät im Emsland, die es in ganz Niedersachsen noch nicht gibt. Wir schaffen mehr Freiraum für Ärzte, und die Versorgung wird dennoch sichergestellt. Und am Ende profitieren die Patienten.“

Bei Dieter Krott, KVN-Geschäftsführer der Bezirksstelle Aurich, kommt die Initiative gut an. „Das Projekt hat aus unserer Sicht eine hohe Bedeutung für die ärztliche Versorgung“, erklärt Krott auf Anfrage unserer Redaktion. Vorrangig solle natürlich eine Versorgung durch Ärzte gewährleistet werden, ein PA könne dabei den Arzt sehr gut unterstützen. „Delegationsfähige Leistungen müssen dafür noch definiert werden, wobei sich der Patient auch auf Veränderungen einstellen muss“, so Krott. Aufgabe der KVN werde es sein, abrechnungsfähige Leistungen für den PA mit den Krankenkassen zu verhandeln.


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