"Deutlich kostengünstiger" Betreiber schlägt Alternative zu Kombibad in Papenburg vor

So könnte ein neues Umkleidegebäude im Papenburger Freibad am Waldstadion aussehen. Zeichnung: Aqua Park GmbH/Repro: Gerd SchadeSo könnte ein neues Umkleidegebäude im Papenburger Freibad am Waldstadion aussehen. Zeichnung: Aqua Park GmbH/Repro: Gerd Schade

Papenburg. Der Betreiber des Hallen- und des Freibades in Papenburg, Norbert Averdung, schlägt eine Alternative zum geplanten Kombibad vor. Seinem Konzept zufolge wäre eine Umsetzung nicht nur "deutlich kostengünstiger", sondern würde auch zum Erhalt beider Bäder mit einer langen Lebensdauer führen.

Nach Averdungs Auffassung lassen sich beide Bäder auf Kosten der Stadt für insgesamt rund 5,5 Millionen Euro sanieren. Das wäre etwa nur ein Drittel der veranschlagten Kosten für ein kombiniertes Hallen- und Freibad, das nach bisherigem politischen Willen bis zum Jahr 2026 auf dem jetzigen Freibadgelände beim Waldstadion entstehen soll. In einer vorläufigen Untersuchung waren die Baukosten für ein Kombibad am Waldstadion mit mindestens 14 Millionen Euro angegeben worden. Bis dahin soll das bestehende Badangebot aufrechterhalten werden. 


Rund 68.000 Besucher strömten nach den Worten von Norbert Averdung im Rekordsommer 2018 ins Papenburger Freibad. Das seien acht- bis zehnmal so viel wie in den Vorjahren. Foto: Katharina Preuth


In einem Gespräch mit unserer Redaktion am Dienstag skizziert der Ingenieur weitere Vorteile aus seiner Sicht. Anders als bei den Kombibad-Plänen würden nach seinem Konzept beide Bäder und damit auch die bisherigen Beckengrößen und -tiefen weiter Bestand haben. "Und das kann ja auch nur im Sinne der Wassergewöhnung und der Schwimmausbildung sein", meint Averdung. Der Papenburger hat den Betrieb beider Bäder 2005 aus kommunaler Hand übernommen. Der Betreibervertrag mit der Stadt läuft laut Averdung aktuell bis zum Jahr 2030.


Für knapp 4,5 Millionen Euro ließe sich das Papenburger Freibad beim Waldstadion dauerhaft in Schuss bringen, meint Norbert Averdung. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Wie er weiter ausführt, ließe sich das Freibad nach seiner Kostenschätzung für knapp 4,5 Millionen Euro so in Schuss bringen, "dass es die nächsten 30 bis 40 Jahre sicher ist". An Betonfundament und Beckenwanne sei nichts auszusetzen. Das Umkleidegebäude hingegen müsse abgerissen und durch ein neues ersetzt werden. Erste Entwürfe in Averdungs Konzept, das unserer Redaktion vorliegt, zeigen, dass ein barrierefreier Neubau dichter an das Becken gesetzt und durch Einschwimmkanäle sowohl in den Nicht- als auch in den Schwimmerbereich direkt mit dem Wasser verbunden würde. Größter Kostenfaktor neben dem Umkleide-Neubau (knapp 1,4 Millionen Euro) wäre der Kalkulation des Badbetreibers zufolge die Auskleidung der drei Becken (Schwimmer, Nichtschwimmer, Baby) mit Edelstahl für insgesamt ebenfalls rund 1,4 Millionen Euro. "Das ist zeitlos und langlebig", betont Averdung. Dass ins Freibad umgehend weiter investiert werden müsse, verhehlt der Papenburger nicht. Beispielsweise würden sich die Fliesen im Becken lösen. Über einen Umkleide-Neubau und Einschwimmkanäle war bereits in der jüngsten Sportausschusssitzung gesprochen worden.


"Entscheidend ist doch am Ende die Qualität, die für die Bürger dabei herauskommt"Norbert Averdung, Badbetreiber



Kleiner als im Freibad würden Averdung zufolge die Kosten für eine längere Lebensdauer des Hallenbades ausfallen. "Dort fehlt ebenfalls eine vernünftige Edelstahlauskleidung", erklärt er. Hinzu müsste rund ums Becken neu gefliest und die Filteranlage ausgetauscht werden. Das Ganze wäre nach seinen Berechnungen für rund eine Million Euro zu haben. Die in einem externen Gutachten geforderten Sofortmaßnahmen seien umgesetzt.


Im Jahr 1982 ist das Freibad Averdung zufolge umfassend saniert worden. Foto: Averdung/Repro: Gerd Schade


Die in seinem Alternativvorschlag berechneten Investitionskosten müsste nach Auffassung des Badbetreibers die Stadt tragen. Er selbst hat nach eigener Darstellung seit Übernahme der Bäder rund 2,5 Millionen Euro investiert, davon 1,5 Millionen Euro als Tilgungsleistung für die Übernahme. Die Stadt gewährt der Aqua Park GmbH einen jährlichen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 500.000 Euro. Diese würden sich nach Averdungs Auffassung bei einem Kombibad verdreifacht. Er selbst könne sich vorstellen, Betreiber der Bäder zu bleiben. Im Hinblick auf eine Nachfolge hätten zudem seine Söhne entsprechendes Interesse gezeigt.


Auch das Papenburger Hallenbad lässt sich nach Averdungs Auffassung mit vergleichsweise wenig Geld auf Dauer erhalten. Foto: Christian Belling


Der Ingenieur macht überdies deutlich, dass er von den Kombibad-Plänen wenig hält, nicht nur weil es deutlich teurer wäre als die von ihm vorgeschlagene Variante, sondern auch die Becken kleiner beziehungsweise jetzige wie das Babybecken entfallen würden. Mit seinem jetzigen 50-Meter-Becken habe das Freibad ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Diese "großzügige Wasserfläche in herrlicher Waldatmosphäre" dürfe nicht leichtfertig aufgegeben werden. Seine Vorschläge ließen sich im Übrigen sofort umsetzen und nicht erst 2026. "Entscheidend ist doch am Ende die Qualität, die für die Bürger dabei herauskommt", sagt Averdung. Er bietet Politik und Schwimmvereinen an, ihnen sein Alternativkonzept vorzustellen. 



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