Handel mit Marihuana Angeklagter in Papenburg entgeht knapp Freiheitsstrafe

Von Katharina Preuth

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Vor dem Amtsgericht ein Angeklagter wegen des Handels mit Marihuana verurteilt worden. Foto: Maike PlaggenborgVor dem Amtsgericht ein Angeklagter wegen des Handels mit Marihuana verurteilt worden. Foto: Maike Plaggenborg

Papenburg. Für den gewerbsmäßigen Handel mit Marihuana in nicht geringer Menge ist ein Angeklagter vor dem Amtsgericht Papenburg zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Überführen konnte den Drogenhändler vor allem die Telefonüberwachung des Zentralen Kriminaldienstes Leer. Zwei Mitarbeiter spielten vor Gericht Gespräche ab, in denen der Angeklagte sich zu konkreten illegalen Geschäften äußerte. Die Tonaufnahmen waren jedoch zum einen durch die undeutliche Sprechweise der Protagonisten schwer verständlich. Außerdem gebrauchten sie verschiedene Ausdrücke für Marihuana, wie der als Zeuge geladene Polizist ausführte. In den abgehörten Gesprächen sei von Pepe, Grün, Hatze, Gras, Dope, Gutem oder gutem Grün die Rede. Hinzu kommt, dass Teile der Unterhaltungen auf Russisch geführt wurden, sodass eine Übersetzerin aushelfen musste.

Aus der Masse an gesammeltem Material hat die Staatsanwaltschaft acht konkrete Fälle zur Anklage gebracht. Bei einer Zusammenrechnung der Delikte ergibt sich der Handel mit 1294 Gramm, das nach Angaben des Polizeibeamten einen Straßenwert von 7764 Euro habe. Ein Gramm kostet demnach sechs Euro.

Kein Geständnis

Bevor sich das Gericht jedoch die Aufnahmen anhörte und damit die Beweisaufnahme begann, wies der Vorsitzende den Anfang 20-jährigen Angeklagten auf die möglichen Folgen einer Verurteilung hin. Aufgrund von Vorstrafen und der Tatsache, dass er zur Tatzeit eine Bewährungsstrafe verbüßte, könne diese Verhandlung mit einer Freiheitsstrafe enden, die er tatsächlich im Gefängnis absitzen müsse. Ein Geständnis könne indes strafmildernd wirken, so der Vorsitzende. Diese Möglichkeit lehnte der Angeklagte nach einer 40-minütigen Beratungszeit mit seinem Anwalt jedoch ab.

Die Staatsanwaltschaft forderte nach der Sichtung der Beweise dann auch eine dreijährige Jugendstrafe ohne Bewährung, da sie eindeutig „schädliche Neigungen“ erkennen könne, die zu weiteren Straftaten führen können. Der Verteidiger plädierte hingegen auf Freispruch, da die Telefonüberwachung keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Verkauf illegaler Substanzen gebe. Außerdem wies er auf den positiven Lebenswandel des Angeklagten hin. Dieser ist aus dem nördlichen Emsland nach Köln gezogen und besucht dort zur Zeit eine Abendrealschule um seinen Abschluss nachzuholen.

Urteil mit Bauchweh

Letztendlich habe der Angeklagte großes Glück mit der Bewährungsstrafe gehabt, da sind sich Verteidiger und Staatsanwaltschaft einig. Diese habe der Vorsitzende jedoch „nur mit Bauchweh und unter Zweifel“ verhängt. Einzig sein aktuelles Verhalten in Köln habe den Ausschlag gegeben, den Angeklagten nicht zu einem Gefängnisaufenthalt zu verurteilen. Dies sei „eine echte Chance“, so der Vorsitzende.


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