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Verband erhält Engagementpreis Bundesweite Hilfe aus Papenburg für behinderte Pflegekinder gewürdigt

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Papenburg/Berlin. Der Bundesverband behinderter Pflegekinder (BBP) mit Sitz in Papenburg ist am Mittwochabend in Berlin mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet worden.

Die Schaltzentrale des Verbandes liegt ein wenig versteckt. Im Gebäude des Combi-Verbrauchermarktes an der Kirchstraße (B 70) teilt er sich Büroräume mit der Papenburger Anlaufstelle der Schwangerschaftskonfliktberatung Donum Vitae Emsland. Von hier aus vermitteln Rita Leser und Heike Nordmann Mädchen und Jungen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, die nicht in ihren Ursprungsfamilien aufwachsen können, in Pflegefamilien. Entsprechende Anfragen erreichen die beiden einzigen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des BBP über Jugendämter aus ganz Deutschland.

Bundesweit mehr als 550 Pflegefamilien registriert

„Allein in diesem Jahr waren es bislang mehr als 100“, sagt Nordmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Tendenz sei steigend. Nordmann ist seit zehn Jahren für den BBP tätig, Leser ist exakt doppelt so lange dabei. Gelernt haben sie den Beruf der Bürokauffrau beziehungsweise Verwaltungsfachangestellten.

„Was wir machen, ist reine Vermittlungshilfe“, erklärt Nordmann. Sie und ihre Kollegin bilden die Schnittstelle zwischen den Jugendämtern und den bundesweit mehr als 550 Pflegefamilien. Davon finden sich etwa 40 in der Region.

Anonymisierte Kurzporträts über Kinder

Auf der Internetseite des Verbandes veröffentlicht die Geschäftsstelle unter der Rubrik „Pflegeeltern gesucht“ laufend anonymisierte Kurzporträts über zu vermittelnde Kinder. Die Liste umfasst aktuell knapp 50 Mädchen und Jungen.

Jugendämter entscheiden

Gesucht wird beispielsweise eine Pflegefamilie für einen vierjährigen Jungen, der in seiner körperlichen, sprachlichen und emotionalen Entwicklung verzögert ist. „Er benötigt Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, muss gewickelt werden, äußert seine Wünsche in einzelnen Worten und antwortet nicht immer adäquat auf gestellte Fragen“, heißt es weiter. Für den Jungen wird eine Pflegefamilie in Niedersachsen gesucht. Voraussetzung für eine Aufnahme ist die Mitgliedschaft im BBP. Weitere Infos dazu gibt es ebenfalls auf der Internetseite des Verbandes. „Die Entscheidung trifft am Ende das jeweils zuständige Jugendamt“, sagt Rita Leser.

Fachtagungen, Fortbildungen, Familientreffen

Die Kinder, die sie und ihre Kollegin vermitteln, sind zwischen zwischen 0 und 16 Jahre alt. In seltenen Fällen gehe es sogar schon um Ungeborene. Grundsätzlich sei es eher schwieriger, ältere sowie extrem verhaltensauffällige beziehungsweise aggressive Kinder zu vermitteln. Die Geschäftsstelle organisiert überdies Fachtagungen, Fortbildungen und Treffen von Pflegefamilien. Alle zwei Monate gibt sie zudem die Mitgliederzeitschrift „Mittendrin“ (Auflage: 1500 Exemplare) heraus. Thema einer der nächsten Fachtagungen wird das sogenannte „Battered-Child-Syndrom“ sein, bei der es beispielsweise um durch Schütteln traumatisierte Kinder geht.

Mit 5000 Euro dotiert

Der Deutsche Engagementpreis würdigt den BBP nach dem Votum einer 13-köpfigen Fachjury in der Kategorie „Grenzen überwinden“. Die Auszeichnung, die anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamtes verliehen wird, belohnt freiwilliges bürgerschaftliches Engagement und ist in jeder ihrer insgesamt fünf Kategorien mit 5000 Euro dotiert. Doppelt so hoch ist das Geld für den Publikumspreis, der im Übrigen nach Ostfriesland geht, genauer gesagt an den Zona Club Leer-Ostfriesland und dessen Projekt „Moje Tieden – Altersarmut von Frauen in Ostfriesland“. Nominiert waren mehr als 550 potenzielle Preisträger aus ganz Deutschland. Der BBP war vom „Förderpreis der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes“ vorgeschlagen worden.

Lob von Bundesfamilienministerin

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) betonte am Abend vor rund geladenen 500 Gästen im Tipi beim Berliner Kanzleramt, dass freiwilliges Engagement die Gesellschaft im Kleinen wie im Großen besser mache. Die ehrenamtliche BBP-Vorsitzende Kerstin Held (Ovelgönne) erklärte: „Dieser Preis steht für jede Familie, die einem Kind mit Behinderung ein Zuhause schenkt und alles dafür tut, dass es diesem Kind wohl ergeht.“ Moderiert wurde die Verleihung von Tagesschausprecherin Pinar Atalay.

Mit Wurzeln in Nenndorf

Die Wurzeln des BBP, der 1983 in Münster gegründet wurde und der aktuell die Interessen von mehr als 1000 Pflegekindern unter 18 Jahren vertritt, liegen im Papenburger Ortsteil Nenndorf. Dort war der Mitbegründer und Gründungsvorsitzende Peter Bartnik zu Hause. Der gebürtige Gelsenkirchener hatte dort mit seiner Familie behinderte Pflegekinder aufgenommen. Die BBP-Geschäftsstelle wanderte später über Aschendorf nach Papenburg.

(Weiterlesen: Pflegemutter aus Nenndorf gibt Kindern ein Zuhause)

Weitere Info und Kontakt: Tel. 0 49 61/66 52 41, E-Mail: info@bbpflegekinder.de


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