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Verein „Alte Kesselschmiede“ holt Ludwig Güttler und „Virtuosi Saxoniae“ ins Forum Festkonzert mit Startrompeter zwischen Gold und Bronze

Von Matthias Hockmann

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Danke schön: Hermann Nehe, Vorsitzender des Vereins alte Kesselschmiede, bedankt sich bei dem Dirigenten der Virtuosi Saxoniae, Ludwig Güttler (rechts), für einen gelungenen Konzertabend.Foto: Holger HartwigDanke schön: Hermann Nehe, Vorsitzender des Vereins alte Kesselschmiede, bedankt sich bei dem Dirigenten der Virtuosi Saxoniae, Ludwig Güttler (rechts), für einen gelungenen Konzertabend.Foto: Holger Hartwig

Papenburg. Das RAL-Farbsystem interpretiert Farben aus Praktikabilitätsgründen als vierstellige Ziffernfolgen. Jeder Farbe wird demnach eine bestimmte Farbnummer zugeordnet. Gold etwa (eigentlich: Goldgelb) entspricht RAL 1004 und Bronze (eigentlich: Bronzegrün) RAL 6031. Wenn nun Gold auf Bronze trifft, hat man dann RAL 7035 (also wohl Goldgelbbronzegrün)? Vielleicht. In der Papenburger Stadthalle ergab sich aus dieser Kreuzung jedenfalls farbenprächtige Kunst vollkommen akustischer Natur.

Mit dem Programm „Gold trifft Bronze“ adelten Startrompeter Ludwig Güttler und sein Kammerorchester „Virtuosi Saxoniae“ die städtische Kulturszene. Das Motto bezog sich dabei auf zwei Auszeichnungen der Konrad-Adenauer-Stiftungen im Jahre 1992; eine in Gold für Ludwig Güttler und sein Verdienst um den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, die andere in Bronze für das Bürgerengagement des Vereins „Alte Kesselschmiede“.

Der erlesene Aufhänger mit den Preisplakettenumhängern war schick, der Programmdruck farblich darauf abgepasst, und Hörner wie Trompeten funkelten frisch poliert in strahlendem Goldgelb. Bevor nun Güttler das Kesselmundstück seines Corno da caccia zu Johann Sebastian Bach (Brandenburgisches Konzert Nr. 1, F-Dur BWV 1046) an die Lippen hob, wurde der Hansdampf in den Gassen Dirigat, Forschung, Veranstaltung und Förderung vom Vereinsvorsitzenden Hermann Nehe feierlich anmoderiert.

Güttlers „Virtuosi Saxoniae“ bestehen seit 1985 und setzen sich überwiegend aus Musikern der Sächsischen Staatskapelle zusammen. Der virtuose Trompeter leitet sein Kammerorchester stets mit starker Hand, verschreibt sich jedoch kategorisch dem ausgeformten Ganzen und bleibt damit letztlich so gut wie unsichtbar. Im Zentrum stehen die „Virtuosi Saxoniae“ als 25-köpfiger Resonanzkörper für Bach, Händel und Telemann, der seine Wirkung wegen eines sehr schlanken Interpretationsstils auch in der Papenburger Stadthalle nicht verfehlte. Neben einer bestechenden Holzbläsersektion zeichnete sich vor allem das präzise und stützende Spiel des Cembalisten, Friedrich Kircheis, aus (dessen Instrument übrigens schon dem Nachstimmer einiges abverlangt hatte). Güttlers Kammerorchester glänzte zweifellos als reifes Vorbild für den musikalischen Nachwuchs, dem vom Verein „Alte Kesselschmiede“ 20 Freikarten zur Verfügung gestellt worden waren – ganz im Interesse der Kunst und ihrer Pflege.

Das Epochenpendel schlug im Endspurt vom Barock auf die Klassik um und gab dem Festkonzert mit Mozarts Sinfonie Nr. 38 D-Dur „Prager Sinfonie“ KV 504 eine hübsche Portion Pfeffer. Wegen ihrer Quirligkeit und Frische empfahlen sich das „Allegro“ sowie das „Finale. Presto“ hier als die gefühlten Referenzsätze des Programms. Nach einer knackigen Zugabe von etwa 20 Sekunden Dauer blieb schließlich großer Genuss auf solidem Niveau. Man könnte auch sagen, aus Gold und Bronze wurde Silber – RAL 7001 (eigentlich: Silbergrau).


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