Diskussion nach Filmvorführung Doku „Elternschule“ stößt auch in Papenburg auf Kritik

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Papenburg. Was ist der richtige Weg zur Erziehung der Kinder? Der umstrittene Dokumentarfilm „Elternschule“ polarisierte auch die rund 250 Besucher einer Podiumsdiskussion im Papenburger Kino, wobei kritische Stimmen überwogen.

Eingeladen zu der Veranstaltung am Dienstagabend hatte die Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie (KJPP) des Marien-Hospitals Papenburg-Aschendorf in Zusammenarbeit mit den Kinobetrieben Muckli. Im Anschluss an die Filmvorführung hatten die Kinobesucher die Möglichkeit, unter Moderation von EZ-Redaktionsleiter Gerd Schade mit Experten über die Dokumentation zu diskutieren. Auf dem Podium vertreten waren KJPP-Chefarzt Dr. Filip Caby, Ute Lauterbach, Leitende Psychologin der KJPP-Ambulanzen, Marlies Uchtmann vom Kinderschutzbund Papenburg-Aschendorf, Schwester Regina Maria, Leiterin der Kindertagesstätte St. Michael in Heede, sowie Nora Stieger, Kinderärztin im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Marien-Hospitals.

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Mit deutlichen Worten kritisierte Caby die im Schlussteil des knapp zweistündigen Streifens geschilderte „Erfolgsbilanz“ zur Therapie der im Film gezeigten Mädchen und Jungen. „Da wurden Kinder gebrochen“, befand der Arzt und Psychiater. Die Mädchen und Jungen hätten am Ende alle einen „apathischen Eindruck“ gemacht. „Wo ist da der therapeutische Erfolg?“, fragte Caby.


In ähnliche Richtung stießen Uchtmann und Schwester Regina Maria. Sie zeigten sich „erschüttert“ über die gezeigten Bilder. Der Film werfe viele Fragezeichen auf, befand die Ordensfrau. Uchtmann hielt weniger hinter dem Berg und meinte, „die Therapie erinnert an einen Knast“. Kinder dürften auf keinen Fall der in der Dokumentation dargestellten Form „psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sein“. Der Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes habe vor diesem Hintergrund auch empfohlen, den Kinofilm nicht zu besuchen.

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Moderater gaben sich Stieger und Lauterbach. „Kinder brauchen Grenzen, aber auch eine Bestärkung“, sagte Psychologin Lauterbach. In dem Film sei ihr die „positive Bindung der Kinder an die Eltern zu kurz gekommen“. Stieger hob darauf ab, dass trotz eines offensichtlich „wahren Kerns in vielen Dingen“ ein erläuternder Kommentar gefehlt habe. Das bezog sie unter anderem auf ärztliche Untersuchungssituationen und auf den „emotionslosen Eindruck“, den Krankenschwestern und Erzieher der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik in der Dokumentation hinterlassen hätten.

Eine Einschätzung, die Frauen und Männer aus dem Publikum teilten. Aus Warte der Kinobesucher fehle dem Film im Wesentlichen eine Einordnung der stationären Verhaltenstherapie in der Gelsenkirchener Klinik in das bundesweit niederschwellige Spektrum des Beratungs- und Hilfeangebots für Eltern. Die Dokumentation, so hieß es, zeige lediglich Beispiele aus „schwer belasteten Familien“, in denen neben den Kindern gleichfalls Mütter und Väter auf therapeutische Begleitung angewiesen seien.

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In der Region Emsland/Ostfriesland behandelt die KJPP des Marien-Hospitals nach Darstellung von Chefarzt Caby derzeit rund 3000 ambulante Fälle, Tendenz steigend. Wachsende Frequenz verzeichnen ebenfalls das Sozialpädiatrische Zentrum im Marien-Hospital und das Elterntelefon des Kinderschutzbundes. Die Ursachen sind vielfältig, beispielsweise Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, finanzielle Probleme, persönliche Ansprüche und Erwartungshaltungen oder unterschiedliche Ansichten zur gemeinsamen Zukunftsperspektive. So stellte Caby denn auch fest, „wenn Kinder aufdrehen, läuft in der Familie etwas schief.“


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