Diskussion mit vier Teilnehmern Klimawandel: Grüne fordern in Aschendorf zum Handeln auf

Von Insa Pölking

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Über Klimaschutz diskutierten (von links) Peter Meiwald, Martin Heinze, Tammo Lenger, Dr. Ingo Harms und Christian Meyer. Foto: Insa PölkingÜber Klimaschutz diskutierten (von links) Peter Meiwald, Martin Heinze, Tammo Lenger, Dr. Ingo Harms und Christian Meyer. Foto: Insa Pölking

isp Aschendorf. Wie schwierig es aus ihrer Sicht ist, im Klimaschutz Entscheidendes zu bewegen, haben Diskussionsteilnehmer bei einer Info-Veranstaltung der Grünen in Aschendorf deutlich gemacht. Sie forderten eindringlich zum Handeln auf.

„Ich möchte etwas im Klimaschutz bewegen, aber ich kann Ihnen sagen, das ist ein hartes Stück Brot – härter, als Sie denken“, sagte Martin Heinze vom Naturschutzbund (Nabu) Oldenburg. Heinze hätte nach eigenem Bekunden angenommen, dass gerade für Küstenbewohner der Klimaschutz ein Automatismus sein müsste. „Aber das ist nicht der Fall“, sagte er und meinte: „Wir sind Teil des Problems, wir müssen auch Teil der Lösung sein.“

Außer Heinze hatten im Gasthof Tepe die Grünen-Politiker Peter Meiwald (Ex-Bundestagsabgeordneter), Christian Meyer (Landtagsabgeordneter und früherer Landwirtschaftsminister) sowie Dr. Ingo Harms vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Uni Hamburg auf dem Podium Platz genommen. Moderiert wurde die von dem Grünen-Verband Emsland-Nord organisierte Veranstaltung von Tammo Lenger.

Klimawandel durch Kohlenstoffdioxid?

Harms zufolge wagt die Menschheit im Moment ein massives Projekt mit der Erde. „Ob der Klimawandel durch die starke Zuführung von Kohlenstoffdioxid bedingt ist, können wir so gar nicht sicher sagen. Um das herauszufinden, müssten wir den CO2-Ausstoß komplett stoppen, untersuchen ob der Klimawandel stagniert oder sogar zurückgeht und dann noch einmal CO2 hinzufügen und schauen, ob er wieder ansteigt“, erklärte Harms. Dies sei jedoch nicht möglich, weshalb nun nach dem Vorsorgeprinzip gehandelt werden müsse. „Denn wir haben auch ohne diesen Versuch massive Hinweise dafür.“ Meyer forderte: „Wir müssen eigentlich 2040 und spätestens 2050 in Deutschland und weltweit auf eine Nullemission kommen.“ Energie müsse teurer werden und Preise müssten „die Wahrheit“ sagen. „Wir sind die Generation, die noch etwas machen kann.“

Ärmere als erste Opfer

Meiwald, der für das katholische Hilfswerk Misereor tätig ist, meinte, dass die Verantwortung nur noch hin und her geschoben würde, „von der Wirtschaft zur Politik und wieder zurück. Aber wir müssen uns nicht gegenseitig ausspielen, wir müssen etwas ändern“, so Meiwald. Die ärmeren Menschen seien die ersten Opfer der Klimakatastrophe. „Sie haben keine Versicherung oder ein Haus was sie verpfänden können, wenn die Ernte einmal ausfällt“, sagte er.

Von Zuschauern wurden derweil fehlende Geschwindigkeitsbegrenzungen auf deutschen Autobahnen und der Flugverkehr als „größter Verschmutzer“ kritisiert. „Deutschland liegt da wirklich ganz weit hinten“, fügte Meyer hinzu. „Wir können für 10 Euro nach Mallorca fliegen und abends wieder zurück. Das ist verwerflich.“ Es sei in Ordnung, den Flugverkehr zu nutzen, doch es müsse kompensiert werden.

Scharfe Kritik an der Bundeswehr gab es im Zusammenhang mit dem Moorbrand auf dem Schießgelände bei Meppen vor einigen Wochen.„Die Bundeswehr zündet nach so einem Sommer auf dem Gelände eine Bombe und hat nicht einmal die Mittel zu löschen, falls etwas passiert“, erklärte ein Teilnehmer. „Wenn ich das als normaler Bürger nach so einem Sommer getan hätte, würde das nicht nur als fahrlässig, sondern als vorsätzlich gelten.“

Verbot für Schießübungen gefordert

Meyer forderte im Namen seiner Partei ein Verbot für weitere Übungen auf dem Gelände, bis die Angelegenheit geklärt ist. „Das darf so nicht hingenommen werden.“ Zudem müsse es persönliche Schuldige geben.“

Ein Problem sei auch, dass es zum Thema Klimaschutz häufig nur kurze Reaktionen gebe. „Die Menschheit hört von der Plastik-Problematik und ist geschockt und verpackt plötzlich nichts mehr in Plastik“, erklärte Harms. „Doch dann sehen sie irgendwann, dass es doch noch Menschen gibt, die Plastik weiterhin benutzen und schließen sich ihnen wieder an. Also bleibt nur noch ein kleiner Teil über und das reicht nicht.“ Harms forderte Regeln von der Politik, an die sich jeder halten muss. Mit höflichen Bitten würde man nicht weiterkommen.

Den Diskussionsteilnehmern zufolge hat Deutschland seine Vorreiterrolle als Klimaschützer schon lange abgegeben, doch der Klimawandel würde sich weiterhin immer deutlicher bemerkbar machen. „Hitze und Stürme hat es alles damals schon gegeben, aber nicht in dieser Radikalität“, sagte Meiwald.


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