Am Klinikum Leer operiert Papenburger Rechtsanwalt vertritt Bandscheiben-OP-Geschädigte

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Ist einer von mehreren Anwälten, die Betroffene gegen das Klinikum Leer vertreten: Der Papenburger Rechtsanwalt Burkhard Remmers. Foto: Daniel Gonzalez-TepperIst einer von mehreren Anwälten, die Betroffene gegen das Klinikum Leer vertreten: Der Papenburger Rechtsanwalt Burkhard Remmers. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg/Leer. Bundesweit wurde zuletzt über mutmaßlich fehlerhafte Bandscheiben-Prothesen berichtet, die 114 Patienten am Klinikum Leer eingesetzt worden sein sollen. Einer von mehreren Patientenanwälten ist der Papenburger Rechtsanwalt Burkhard Remmers.

Seit Herbst 2015 beschäftigt den Juristen, dessen Kanzlei sich am Hauptkanal unweit des Papenburger Kinos befindet, dieser Fall. Und ein Ende ist nicht absehbar. Den erfahrenen Rechtsanwalt bringt das nicht aus der Ruhe. Dass zivilrechtliche Streitigkeiten vier, fünf oder gar sechs Jahre dauern, sei zwar nicht die Regel, komme aber vor. 

Dennoch hat der Streit um mutmaßlich falsch ausgeführte Operationen an der Bandscheibe für Burkhard Remmers eine besondere Dimension. Es ist die Komplexität, die den Fall für den Juristen zu etwas Besonderem macht. Die Staatsanwaltschaft spricht in der Anklageschrift von 59 Fällen, in denen dem ehemaligen Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie, Dr. A., am Klinikum Leer Körperverletzung vorgeworfen wird. Das Strafverfahren am Amtsgericht Leer gegen den Mediziner sollte eigentlich noch im Dezember beginnen, wurde aber auf das Frühjahr 2019 verschoben. Insgesamt soll sogar in 114 Fällen am Klinikum Leer eine Bandscheibenprothese aus Kunststoff verwendet worden sein, die sich im Nachhinein als ungeeignet erwiesen haben. Die Opfer treten im strafrechtlichen Verfahren als Nebenkläger auf und klagen am Landgericht Aurich auf Schmerzensgeld und Schadenersatz gegen den Operateur und das Klinikum. Der Hersteller der Prothesen, der aus Großbritannien stammt, ist inzwischen insolvent. Dort Schadenersatz einzuklagen, ist demnach aussichtslos.

Jeder Fall muss einzeln aufgearbeitet werden

Der Papenburger Rechtsanwalt vertritt mehrere Betroffene in dem Verfahren. „Jeder Fall ist anders und muss juristisch einzeln aufgearbeitet werden. Deshalb gibt es auch kein Massenverfahren oder derartiges“, betont der Fachanwalt für Medizinrecht. Die meisten Betroffenen stammen aus Ostfriesland und dem nördlichen Emsland. Remmers sagt: „Mandanten haben mir berichtet, ihnen sei im Klinikum Leer gesagt worden, es werden bewährte Titan-Implantate verwendet, dann aber sei Kunststoff verwendet worden.“ Komisch sei beispielsweise einem Betroffenen bei einer Personenkontrolle am Flughafen vorgekommen, dass die Anlage nicht piepte, obwohl bei der Aushändigung des Implatat-Ausweises im Klinikum Leer ausdrücklich darauf hingewiesen wurde. 

Nachdem es immer mehr Fälle wurden, informierte Remmers die Staatsanwaltschaft, die dann die Vorermittlungen ausweitete. Unter anderem wurden Unterlagen beschlagnahmt. Der Vorwurf lautet: Körperverletzung. Nach Bekanntwerden der Fehlerhaftigkeit der Prothesen, die seit 2010 eingesetzt worden sein sollen, hatte es seit Herbst 2015 einen Warnhinweis und Revisionsoperationen von Patienten gegeben.

Prothesen nur an 29 Personen getestet?

Nach Berichten von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben jetzt europaweite Recherchen über Medizinprodukte unter anderem ergeben, dass der Hersteller die neue Prothese an lediglich 29 Patienten getestet haben soll, und diese nur rund drei Monate lang beobachtet hat, bevor die Daten bei einer Prüfstelle eingereicht wurden. Bereits bei vorangegangenen Tests an Tieren soll es zu Problemen gekommen sein, so der Rechercheverbund.

(Weiterlesen: Defekte Bandscheiben-Prothese: Bunder mehr als zehn Mal nachoperiert worden)

Die Recherchen haben ebenfalls ergeben: Kein anderes Krankenhaus hat europaweit die mutmaßlich fehlerhaften Prothesen so oft eingesetzt wie das Klinikum Leer. Zu klären gilt es nun in jedem Einzelfall, ob die ärztliche Sorgfaltspflicht missachtet oder ob Aufklärungs- oder Behandlungsfehler begangen wurde.

Auch eine persönliche Dimension

Neben der juristischen Seite haben die Fälle auch eine persönliche Dimension. „Die meisten Betroffenen schildern mir von großen Problemen im Alltag. Einige haben ihre Jobs verloren, manche sind erheblich in ihrer Mobilität eingeschränkt, können mit ihren Kindern nicht mehr toben wie früher. Es sind sogar Ehen gescheitert, weil die Belastung durch die ständigen Schmerzen für die Familie zu groß war.“


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