40 Besucher in Naschkes Garten Papenburg: Experte rät, Stauden nicht im Herbst zu schneiden

Von Michael Sterk

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In Naschkes Garten haben sich mehr als 40 Gäste versammelt, um vom Experten Gerhard Mühring (Zehnter von links) mehr über Insektenstauden zu erfahren. Foto: Michael SterkIn Naschkes Garten haben sich mehr als 40 Gäste versammelt, um vom Experten Gerhard Mühring (Zehnter von links) mehr über Insektenstauden zu erfahren. Foto: Michael Sterk

stmi Papenburg. In Ernst Naschkes Garten in Papenburg haben mehr als 40 Gäste dem Vortrag des Pflanzenexperten Gerhard Mühring über Insektenstauden teilgenommen. Unter anderem riet er, Stauden nicht im Herbst zurückzuschneiden und bei Rasenflächen zugunsten von Insekten auf „Weniger ist mehr“ zu setzen.

Insektensterben ist ein weitverbreitetes Thema. Jedoch wüssten nur wenige Gartenbesitzer, wie den Tieren zu helfen sei. Das ging aus dem Vortrag hervor. Um darüber aufzuklären, hat Gerhard Mühring von der Staudengärtnerei Mühring einige Dutzend Pflanzen vorgestellt. „Man kann in jedem Garten, auch wenn er noch so klein ist, etwas tun“, sagte er. Er beschrieb, welche Insekten die verschiedenen Stauden für die Futtersuche ansteuern, unter welchen Bedingungen sie am besten wachsen und wie ein Garten gepflegt werden muss. In Glockenblumen etwa krabbeln Hummeln gerne hinein, die Schafgarbe werde von Bienen und Schmetterlingen bevorzugt, ebenso der Berg-Eisenhut, der abgesehen von den Pollen eine rundum giftige Pflanze sei. Tiere mit einem Saugrüssel mögen Blumen wie die Färberkamille, deren Zentren aus vielen kleinen Rohren bestehen, aus denen Pollen gesogen werden. Laut Mühring entwickelten Pflanzen Systeme wie dieses, um Insekten möglichst lange auf ihnen zu behalten. Mühring klärte zudem den Irrglauben auf, ausländische Pflanzen seien im Kampf gegen das Insektensterben nicht hilfreich. Eine fremde Staude müsse Ähnlichkeit mit einer vertrauten haben. Dann wählten Insekten diese auch als Ziel für ihre Pollenjagd, versicherte Mühring.

Gartenexperte empfiehlt weniger Rasenfläche

Besonders wichtig sei es, auf Vielfalt beim Gestalten eines Gartens zu achten, um möglichst viele Insektenarten anzulocken. Mühring zufolge sei der „Ovalkreisel“ im Papenburger Untenende mit diesem Ziel bepflanzt worden. Außerdem sei es auch schöner anzuschauen, fügte er hinzu.

Der Gartenexperte gab den Besuchern auch Warnungen mit auf den Weg. Demnach ist es nicht ratsam, Stauden schon im Herbst zurückzuschneiden, da viele von ihnen auch zu dieser Zeit noch blühten. Solange die Pflanzen nicht abbrechen, empfiehlt er, das Zurückschneiden ins Frühjahr zu verschieben. Außerdem zerstöre es den Boden und die Wurzeln der Pflanzen, wenn zu oft gehakt werde. Auch hier empfiehlt Mühring Mäßigung. „Weniger ist mehr“ gelte auch bei Rasenflächen, da diese den Insekten nicht weiterhelfen. Der Experte warnte die Gäste auch vor „invasiven Pflanzen“, die sich schnell ausbreiten und so andere Stauden verdrängen. Ein Beispiel sei das „Franzosenkraut“, das ein französischer Apotheker aus Amerika importiert habe. Innerhalb kürzester Zeit sei es in seiner gesamten Nachbarschaft aufgetaucht.

Gartenliebhaber Naschke öffnet seine Tore weiterhin

Ernst Naschke stellt seinen Garten für viele Veranstaltungen wie diese zur Verfügung. „Es kommt auch eine Generation nach uns und ich möchte dafür sorgen, dass auch sie noch eine schöne Natur zum Begutachten hat“, verkündete der 90-jährige Gartenliebhaber. Seine Tore stehen für Interessenten offen, lud Naschke ein.

Laut dem Sprecher der Naturschutzverbände Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems, Naturschutzbund Deutschland und dem Bund für Umwelt und Nachturschutz Deutschland, Karl-Heinz Augustin, beschäftigen sich die Vereine ebenfalls mit dem Rückgang der Insekten. Dies beeinflusse auch das Vogelvorkommen. Besonders Wiesen-, Wald- und Gartenvögel seien im Emsland deutlich weniger vertreten als noch vor einigen Jahren. Aufgrund des großen Aufgabenfeldes der Naturschutzverbände sei jede Hilfe willkommen, teilte Augustin mit.


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