Konzert im Alten Güterbahnhof Akkordeonorchester des Landes zeigt Können in Papenburg

Von Daniel Lösker

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Starke Interpretationen moderner Klassik boten Dirigent Ralf Schwarzien und das Akkordeonorchester „Accollage“ im Alten Güterbahnhof in Papenburg. Foto: Daniel LöskerStarke Interpretationen moderner Klassik boten Dirigent Ralf Schwarzien und das Akkordeonorchester „Accollage“ im Alten Güterbahnhof in Papenburg. Foto: Daniel Lösker

dloe Papenburg. Seine große musikalische Bandbreite hat das Akkordeonorchester des Landes Niedersachsen „Accollage“ bei seinem Auftritt im Alten Güterbahnhof in Papenburg gezeigt.

Bei einem Akkordeonorchester denkt der geneigte Zuhörer sicher an unterhaltsame Musik, im besten Falle professionell und mitreißend interpretiert. Genau dies bietet Accollage im zweiten Teil seines gut zweistündigen Konzertes. Doch was die ausgezeichnet agierenden Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten Ralf Schwarzien zu Beginn aufzeigen, ist für das ein oder andere Ohr höchst anspruchsvoll und ungewohnt. Klassische, oder wie es Schwarzien nennt, sinfonische Musik des 20. Jahrhunderts mit all ihren tonalen und atonalen und rhythmischen Besonderheiten ist zu hören.

Beeindruckende Interpretationen

Waldram Hollfelders „Klangbilder“ erinnern mit ihren ungeraden Betonungen an Igor Strawinsky oder Bela Bartok. Melodiös grüßt mitunter Claude Debussy vom Horizont. Doch ist die Orientierung an den großen Vorbildern aus der Frühzeit der Moderne kein Makel. Das Auswahlorchester des Landes meistert die Klippen der Partitur souverän, kann sich auf das klare Dirigat Schwarziens verlassen. Beeindruckend werden die clusterähnlichen Triolen im dritten von vier kurzen Teilen punktgenau interpretiert. Das substanziell eingesetzte Schlagwerk hat alle Hände voll zu tun, ist stets Herr der Lage und drückt dem Werk seinen Stempel auf.

Bildhafte Details

Die „Symphonie marine“ des französischen Komponisten Jaques Ibert hat Schwarzien für das Akkordeonensemble eingerichtet. Iberts Darstellung einer wilden Schiffsfahrt, die glücklich endet, benutzt spätromantische sowie impressionistische Mittel. Auch hier beweisen sich die Protagonisten als wahre Könner ihres Fachs, arbeiten die bildhaften Details des viertelstündigen Werkes mustergültig aus, wenn auch der typische Klang der Zuginstrumente etwas zu inflationär durch die Hilfe eines Synthesizers unterstützt werden muss.

Nach der Pause kommen zum Orchester die zwei Sängerinnen Marita Kröger und Swaantje Schwarzien sowie der brillant aufgelegte Tenor Markus Rössle hinzu. „Street Life“, bekannt in der Version mit Randy Crawford, gelingt wunderbar soulig, was nicht zuletzt an der hervorragend singenden Kröger liegt.

Begeisternde Swing- und Pop-Nummern

Dirigent Schwarzien, jetzt im legeren Look, animiert seine Instrumentalisten zu begeisternden Swing- und Pop-Nummern, die mitreißen. Hervorzuheben ist das überaus gelungene „Hard to say I’m sorry“ der amerikanischen Jazz-Rock-Götter Chicago oder „It’s oh so quiet“, einem ursprünglich deutschsprachigen Lied aus den 1940er Jahren, dass durch die Coverversion von Björk berühmt geworden ist. Eingeforderte Zugaben finden ihren Höhepunkt mit dem Klaus Lage Hit „1000 und eine Nacht“.


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