Trotz zahlreicher Ausfälle Polizeiorchester Niedersachsen brilliert in Papenburg

Von Daniel Lösker

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Das Blechbläser-Quintett des Polizeiorchesters Niedersachsen mit Haesun Lee (Trompete), Andreas Läpke (Posaune), Udo Motzheim (Tuba), Keiji Takao (Horn) und Claus Löhr (Trompete). Foto: Daniel LöskerDas Blechbläser-Quintett des Polizeiorchesters Niedersachsen mit Haesun Lee (Trompete), Andreas Läpke (Posaune), Udo Motzheim (Tuba), Keiji Takao (Horn) und Claus Löhr (Trompete). Foto: Daniel Lösker

dloe Papenburg. Seine enormen kammermusikalischen Fähigkeiten hat das Polizeiorchester Niedersachsen während des Benefizkonzertes in der Papenburger St. Antoniuskirche zugunsten des Fördervereins der Jugendhilfeeinrichtung Johannesburg gezeigt.

Frohen Mutes einen Abend mit groß besetzter Blasmusik zu erleben, sind viele in die gut besetzte Kirche gekommen und trauten ihren Augen kaum, als gerade einmal neun Notenpulte zu sehen sind. Die Grippewelle macht auch vor den Beschützern unserer Gesellschaft nicht halt und dezimiert das Polizeiorchester Niedersachsen um mehr als 50 Prozent. Doch die Protagonisten machen aus der Not eine Tugend und beweisen mit drei verschiedenen Besetzungen ihre kammermusikalische Klasse.

Da ist zunächst das Holzbläser-Trio, bestehend aus Flöte, Klarinette und Fagott. Es spielt Werke aus der Barockzeit und eine Suite in drei Sätzen vom 1993 verstorbenen bulgarischen Komponisten Benzion Eliezer. Letzteres sei ein Wunsch des Flötisten Miroslav Michnev, der ebenfalls aus Bulgarien stammt, verrät Moderator Andreas Läpke.

Melodische Ausdruckskraft

Tänzerisch und mit den typischen ungeraden Taktarten ausgestattet, führt das kurzweilige Opus in die Heimat Eliezers und Michnevs. Fagottist David Ranner übernimmt eindrucksvoll die Rolle des perkussiven Grundgerüsts, lässt es aber dabei nicht bewenden, sondern brilliert mit wunderbarem sonoren Ton und melodischer Ausdruckskraft. Vladislav Jampolski an der Klarinette steht ihm dabei in nichts nach, glänzt mit Atemtechnik und mitunter witziger Tongebung. Michnev kostet die mal grazilen, mal emotional aufgeladenen Melodielinien berückend aus, ohne sie zu überreizen.

Auch in der größeren Quintett-Besetzung kommt Freude auf. Hinzugekommen sind Ljuba Manasieva (Oboe) und Keiji Takao (Horn). Nicht nur bei Astor Piazzollas „Milonga sin palabras“ kann man sehen und hören, dass das gemeinsame Musizieren großen Spaß macht. Die einmalige melancholische Schönheit der Musik des 1992 in Buenos Aires gestorbenen Komponisten kommt farbig zum Ausdruck.

Auch die Blechbläser überzeugen

Takao ist auch Mitglied des Blechbläserquintetts, welches ebenso überzeugen kann. Trompeterin Haesun Lee, ihr Instrumentenpartner Claus Löhr, der bereits erwähnte Posaunist Andreas Läpke und Udo Motzheim an der Tuba haben sich unter anderem Claude Debussys „Golliwogg‘s cakewalk“ aus „Children‘s Corner“ ausgesucht. Die Hannoveraner entpuppen sich als wahre Kammermusiker. Detailfreudig, mit leichtfüßiger Phrasierung und raffinierten Nuancen erkunden sie die Partitur, zerlegen den Ragtime, der ungeniert die ersten Töne aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ zitiert, in seine Einzelteile, nur um ihn dann noch gründlicher wieder zusammenzuführen. Frech und witzig lässt das Quintett den Hampelmann Golliwogg im 2/4-Takt tanzen. Die Sekundreibungen und Synkopen werden voll ausgekostet und geben dem lebensfrohen Stück jene Rohheit, die es braucht, versehen mit einem unüberhörbaren Augenzwinkern des Komponisten.

Wohlverdient findet zum Abschluss ein so nicht erwarteter Kammermusikabend seinen Lohn in minutenlangem Beifall.


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