Zwei Stunden Arbeit täglich Wie ein Papenburger Ehepaar mit seinen Kaninchen Europameister wurde

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Vier Kaninchen der Rasse Kleinchin aus dem Stall von Maria und Robert Hillebrand sind Europameister. Foto: Katharina PreuthVier Kaninchen der Rasse Kleinchin aus dem Stall von Maria und Robert Hillebrand sind Europameister. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Bei der Europameisterschaft der Kaninchenzüchter in Dänemark haben die Tiere von Maria und Robert Hillebrand aus Papenburg den ersten Platz belegt. Die Zuchtgruppe überzeugte bei Körperform, Gewicht, Fell, Rassemerkmale und Pflegezustand.

Sie haben aschgraues, weiches Fell, die Ohren sind aufgestellt, die schwarzen Knopfaugen blicken umher und mit der Nase auf dem Boden schnuppernd, hoppeln sie durch den Stall. Das Ehepaar Hillebrand präsentiert ihre vier Europameister. Als Zuchtgruppe haben die zur Rasse der Kleinchinchillas zählenden Kaninchen sich der Jury in Herning in Dänemark gestellt. Um zu gewinnen muss den Züchtern nicht nur ein einzelnes Tier gut gelungen sein, sondern eine ganze Gruppe. "Das ist anspruchsvoll", erklärt Maria Hillebrand. 

Sie ist sichtlich stolz auf das Gewinner-Team. Für ein möglichst vorteilhaftes Foto fasst sie eines der Kaninchen am Nacken und richtet es auf. Wenige Sekunden verharrt es in dieser Stellung. "Komm zeig dich von deiner besten Seiten, das kannst du doch", sagt sie zu dem Tier. Namen würden sie ihren Kaninchen nicht geben, obwohl die beiden Besitzer viel Zeit mit ihnen verbringen. Sie erkennen die Tiere an einer Tätowierung am Ohr wieder. 

An der Tätowierung im Ohr erkennen Züchter ihre Kaninchen. Foto: Katharina Preuth

Robert Hillebrands Tag beginnt mit dem Gang zu den 50 eigenen Kaninchen in den Stall, für den die Familie einen Teil des Gartens geopfert hat. Der Mann übernimmt die erste Fütterung des Tages, bevor er zur Arbeit in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb aufbricht. Nach der ersten Ladung frischen Heus am Morgen, schaut Maria Hillebrand tagsüber bei den Tieren vorbei. Sie säubert die Gehege und füllt Trinkwasser auf. 

Jeden Tag eine Möhre

"Zwischendurch gibt es für jeden eine Möhre", sagt sie. Insgesamt verbrauchen sie 25 Kilo Karotten pro Woche und 30 Ballen Heu im Jahr. "Kaninchen fressen bis zu 60 mal am Tag", erklärt Robert Hillebrand. Er ist abends wieder an der Reihe, sich um die Langohren zu kümmern. Dann steht mehrmals in der Woche Schautraining auf dem Programm. 

Wenn es vor die Preisrichter geht, müssen sich die Kaninchen möglichst gut präsentieren und ruhig verhalten. Außerdem kontrolliere er regelmäßig Krallen und Zähne der Tiere. Wenn die Zähne nicht in Ordnung sind, wird das Kaninchen erst gar nicht gewertet und ist direkt durchgefallen. 

Gegen 68 Konkurrenten durchgesetzt

Zwei Stunden investieren beide täglich, hinzu kommen die Schauen, zu denen sie fahren, die ganze Wochenenden einnehmen. Erst 2010 haben Hillebrands mit der Zucht von Großchinchillas begonnen und vor drei Jahren auf Kleinchinchillas erweitert.

Erfolgreiche Züchter: Maria und Robert Hillebrand kennen sich mit Kaninchen aus. Foto: Katharina Preuth

Pflege und Training haben sich ausgezahlt. Bei der Europameisterschaft konnte das Viergespann der Hillebrands sich gegen 68 Konkurrenten aus Europa durchsetzen. In einem Katalog, den der Besitzer aus einem Regal im Flur holt, sind die Kriterien festgelegt, nach denen die Kaninchen-Fachwelt beurteilt. Die Kleinchinchillas dürfen nicht mehr als 3,25 Kilogramm wiegen, und die Körperform muss einer Walze ähneln, also vorne und hinten gleich breit sein und die "Ohren sind kräftig angesetzt, sehr stabil und fest im Gewebe", so sagt es das Bewertungsschema. 

Braunes Fell gilt als Fehler

Das Fellhaar soll in einem bläulich getöntem Aschgrau erscheinen und etwa drei Zentimeter lang sein. Als schwerer Fehler gilt ein bräunlicher Einschlag in der Deckfarbe des Felles, eine marmorierte Augenfarbe oder pigmentlose Krallen.

Das Unterfell sollte dunkelbau schimmern. Foto: Katharina Preuth

Hillebrands und ihre vier tierischen Sieger bekamen insgesamt 386 von 400 möglichen Punkten. Damit waren sie gleichauf mit einem anderen Züchter aus ihrem Club Weser-Ems, mit dem sie sich den Europameistertitel teilen. 

An den Schauen nehmen nur Tiere teil, die im selben Jahr geboren wurden. Damit können die amtierenden Europameister im kommenden Jahr nicht erneut antreten. Sie bleiben entweder im Besitz der Familie und werden zur Zucht genutzt oder an andere Züchter verkauft. 

Endstation: Schlachter

Doch nicht jedes Tier schafft es auf das Siegertreppchen. Wenn es bereits mit einer falschen Krallenfarbe auf die Welt kommt, würde es bei Schauen direkt disqualifiziert und eignet sich damit auch nicht mehr für die Zucht. Diese Tiere enden beim Schlachter. Hillebrands selbst haben gerade ein Tier in der Kühltruhe. "Wir essen sehr wenig Kaninchen. Lass es drei im Jahr sein", erzählt die Ehefrau. 


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