Gegen jede Form von Ausgrenzung Gedenken an Reichspogrom in Papenburg mit klaren Appellen

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Papenburg. Verantwortung übernehmen, kritisch sein, Zeichen setzen: Mit eindringlichen Appellen haben Zehntklässler der Papenburger Heinrich-von-Kleist-Oberschule am Freitagabend die Gedenkfeier anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht in der Fehnstadt geprägt.

Schätzungsweise rund 250 Besucher finden sich gegen 18 Uhr vor der Untenender Geschäftsstelle der Sparkasse Emsland ein. Hier stand einst die Synagoge, die samt der jüdischen Schule in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers 1938 auf Geheiß des NS-Regimes in Schutt und Asche gelegt wurde. Daran sowie an die jüdischen Opfer der Nationalsozialisten erinnert ein Gedenkstein.

Auftakt zur systematischen Judenverfolgung

Schulleiterin Marita Niehoff bezeichnet die Reichspogromnacht als eine der schlimmsten und beschämendsten Nächte der deutschen Geschichte. Die Pogrome bildeten den Auftakt zur systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden im Dritten Reich.

Musikalisch umrahmt wird die Feier wie in den vergangenen Jahren vom Klezmer-Ensemble des Gymnasiums Papenburg unter der Leitung von Hagen Stach sowie vom Musikverein von 1996 unter der Leitung von Sven Koop. Maßgeblich gestaltet wird die Gedenkveranstaltung im jährlichen Wechsel von einer Papenburger Schule.

Kein Platz für Hass

Die Zehntklässler, die die Feier diesmal vorbereitet haben, nehmen das Gedenken zum Anlass, Mut und Verantwortung in der Gegenwart zu zeigen und zu übernehmen. Nicht nur Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit sollten sich in Deutschland willkommen fühlen. Eindringlich fordern die Schüler, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit den Gräueltaten des Hitler-Regimes auseinandergesetzt haben, zum Wachwerden auf. Für Hass gegen andere Bevölkerungsgruppen dürfe es keinen Platz geben. Manchen Politikern oder sogenannten „besorgten Bürgern“ werfen die Oberschüler vor, wissentlich oder unbewusst mit dem Feuer zu spielen, indem sie Flüchtlinge oder religiöse Minderheiten zu Sündenböcken machten. Auf diese Wesie würde Misstrauen geschürt. Dabei dürften die Opfer von damals nicht ein weiteres Mal verunglimpft werden – so wie es geschehe, wenn Denkmäler als „Schande“ bezeichnet würden.

Namen verlesen

Mit klaren Botschaften, die sie auf Tafeln gepinselt haben, fordern die Jugendlichen zu aktivem Widerspruch gegen jede Art von Ausgrenzung auf. „Engagiere dich!, Übernimm Verantwortung!, Frage nach, sei kritisch!, Achte auf gefährliche Wörter!, Setze ein Zeichen!“, heißen die Botschaften.

Ähnlich äußert sich Papenburgs erster stellvertretender Bürgermeister Heiner Butke (CDU). Nachdem zwei Schülerinnen die Namen der mehr als 30 jüdischen NS-Opfer aus Papenburg von Aron Engers bis Nathan Zilversmit verlesen, verneigt sich Butke am Gedenkstein stellvertretend für alle Anwesenden vor den Opfern. „Die hier verewigten Mitbürger jüdischen Glaubens geraten nicht in Vergessenheit“, versichert Butke. Das Andenken zu bewahren und an die junge Generation weiterzugeben, sei der erste Schritt in die richtige Richtung.

Definieren, was Anfänge sind

Ohne Namen zu nennen, erklärt Butke, dass es in der Gesellschaft leider Menschen, Gruppierungen und Parteien gebe, „die eine Erinnerungskultur abschaffen oder zumindest einschränken möchten“. Das sei abstoßend. Die Aufforderung „Wehret den Anfängen!“ müsse mehr denn je uneingeschränkt Gültigkeit haben, betont Butke. „Dazu gehört aber auch, klar und deutlich zu definieren und zu benennen, welches Tun und Verhalten die Anfänge sind.“ Die entscheidende Frage aus seiner Sicht laute: „Wie gehe ich persönlich mit dem um, was mir fremd ist?“ Allen Menschen mit Respekt und Würde zu begegnen, sei Mahnung und Auftrag zugleich. Den Feinden der Freiheit müsse klar gesagt werden: „Mit uns nicht!“


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