Menschenkette am Kanal 700 Schüler in Papenburg setzen Zeichen für Toleranz

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Papenburg. Mit einer Menschenkette am Splittingkanal haben am Freitag rund 700 Oberschüler und Lehrer der Michaelschule Papenburg ein Zeichen für Achtung, Toleranz und Miteinander gesetzt. Schulleiter Thomas Springub machte zudem deutlich, was er und seine Kollegen von der AfD-Meldeplattform halten.

„Mauern einreißen – Vorurteile abbauen“: Unter diesem Motto steht die von Schülern initiierte Aktion, für die die Schule ein in Deutschland geschichtsträchtiges Datum gewählt haben. Es ist der 9. November. An diesem Tag vor genau 100 Jahren wird mit dem Ende des Ersten Weltkrieges die Republik ausgerufen, 1938 beginnt mit der Reichspogromnacht die systematische Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten und 1989 fällt die Mauer.

Mehrere hundert Meter lang

Entlang des Splittingkanals zu beiden Seiten der Schule entsteht auf einer Länge von mehreren hundert Metern ein eindrucksvolles Bild. Klasse für Klasse reiht sich auf. Viele habenbunte Bilder mit Tauben oder anderen Friedensbotschaften, Friedenszeichen oder Buchstaben dabei. Auf der gegenüberliegenden Kanalseite finden sich einige Schaulustige ein.

Direkt vor der Schule türmt sich eine symbolische Mauer aus Schuhkartons auf. Auf ihnen prangen Schriftzüge wie „Ausländer raus!“, Faschist, Ausgrenzung, Vorurteile, Diktatur, Chaos und Tod. Die Mauer versperrt den Blick auf eine bunte Karte, die das Emsland zeigt.

Bunt und tolerant

„Wir wollen zeigen, wie bunt und tolerant unsere Schulgemeinschaft ist“, erklärt Thomas Springub. Nach den Worten des Schulleiters drücken knapp 150 Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund die Schulbank in der Michaelschule. Sie würden in ihrer Andersartigkeit toleriert und geschätzt. Das zeige sich im Übrigen nicht zuletzt darin, dass die Schule Teil des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist.

Von Schülern vorbereitet

Vorbereitet und gestaltet haben die Aktion, die nicht viel länger als eine gute halbe Stunde dauert, Schüler der Wahlpflichtkurse „Soziales Seminar“ und „Geschichte, Erinnerung und Zukunft“. Anlass sind wiederholte Ausschreitungen gegen Ausländer und Andersgläubige. „Wir wollen das nicht hinnehmen und einfach weiter nur zuschauen“, betont Springub. Erst am Montag hatten vor der St.-Antonius-Kirche Veranstalterangaben zufolge schätzungsweise rund 1000 Menschen bei der Kundgebung „Papenburg leuchtet – #wirsindmehr“ ein Zeichen gegen Rechtspopulismus und für Demokratie, Vielfalt, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit gesetzt.

Gegen eine neue Mauer in den Köpfen

Nun zeigt sich Schulleiter Springub mit Blick auf die in einer langen Kette aufgereihte Schülerschaft stolz, dass so viele junge Menschen zeigen würden, dass sie keine neue Mauer aus Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in den Köpfen wollten.

Mit Musik von Udo Lindenberg

Untermalt von den Klängen des Udo-Lindenberg-Songs „Wir ziehen in den Frieden“ verlesen die beiden Fünftklässler Julia Kruse und Noah Sander Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes, in denen die unantastbare Würde sowie die Gleichheit des Menschen vor dem Gesetz verankert ist.

Mauer demonstrativ eingerissen

„Jeder hat ein Recht darauf, so angenommen zu werden, wie er ist“, sagt Lea Henzen. Zusammen mit ihrer Mitschülerin Charlotte Polajnar fordert die 14-Jährige weitere Schüler dazu auf, die Mauer aus Schuhkartons demonstrativ einzureißen. Auf der Emslandkarte, die dahinter zum Vorschein kommt, hinterlassen Fünftklässler bunte Fingerabdrücke als ein weiteres Zeichen für Vielfalt. „Dafür steht die Michaelschule“, betont Polaijnar.

Bevor die Schüler zurück in die Klassenräume strömen, erinnert Thomas Springub an den Lehrauftrag der Schule im Sinne einer christlichen, humanistischen und demokratischen Bildung. Das sei Position und Verpflichtung zugleich. „Daran hindert uns auch kein Meldeportal der AfD“, betont der Schulleiter. Die AfD will mit der umstrittenen Plattform angebliche Neutralitätsverstöße von Lehrern digital sammeln und ahnden lassen.

Springub zeigt sich von dem Erfolg der Aktion beeindruckt und fordert die Schüler auf: „Erzählt allen, was hier heute passiert ist!“


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