Für neue Ideen aus „Denkfabrik“ Meyer Werft eröffnet Büro an Uni Groningen

Die Zusammenarbeit der Papenburger Meyer Werft mit der Universität Groningen gewinnt weiter an Konturen. Foto: Gerd SchadeDie Zusammenarbeit der Papenburger Meyer Werft mit der Universität Groningen gewinnt weiter an Konturen. Foto: Gerd Schade

Papenburg/Groningen. Die Kooperation der Papenburger Meyer Werft mit der Universität Groningen gewinnt weiter an Konturen. Die Schiffbauer werden ein Büro an der renommierten niederländischen Hochschule einrichten, genauer gesagt in deren „Start-up City“.

„Wir wollen und werden sichtbarer werden“, sagte Paul Bloem, Mitglied der Geschäftsleitung der Werft, am Rande eines Besuches der niedersächsischen Europaministerin Birgit Honé (SPD) in Papenburg. Im Juli hatten sich Werft und Uni auf eine langfristige Zusammenarbeit verständigt und unter dem Motto „Innovation Lab Papenburg – Groningen 2018-2050“ eine entsprechende Vereinbarung geschlossen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, das Zusammenspiel von Wissenschaft und Industrie in der Region auszuweiten.

Konkrete Projekte im Blick

Ziel sind konkrete Projekte zwischen Uni und Werft zur Entwicklung nachhaltiger und wettbewerbsfähiger Lösungen. Beackert werden sollen unter anderem die Themenfelder IT, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. „Dabei geht es um Querdenken“, erklärt Bloem. Die Kooperation skizziert deshalb auch Modelle einer Denkfabrik („Thinktank“) in Bezug auf die Digitalisierung des Kreuzfahrtschiffbaus sowie Nachhaltigkeit und Management. Ein weiterer Bereich ist mit „Zukunftsräume“ umschrieben. Dabei geht es um künftige Materialien für den Schiffbau (Alternativen zu Stahl), alternative Antriebsmöglichkeiten und das Aussehen der „Kabine der Zukunft“. Ein dritter Themenkomplex befasst sich mit Gesundheit, Wohlbefinden und körperlicher Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Letzteres befasst sich unter anderem mit Möglichkeiten, ältere Beschäftigte bei körperlich schwereren Tätigkeiten durch Formen einer Art Exoskelett zu unterstützen. „Auch unsere Belegschaft wird im Durchschnitt älter und wird länger arbeiten müssen. Wir müssen also versuchen, die demografische Frage auch technologisch zu beantworten“, erklärt Bloem. Im Hinblick auf die Digitlaisierung in Logistik und Produktion sollen Lösungen entwickelt werden, die den Beschäftigten einzelne Arbeitsschritte auf dem Handy oder Tablet anzeigen.

„Riesiges“ Potenzial

Das Potenzial der international ausgerichteten Hochschule für die Schiffbauer beschreibt Bloem als „riesig“. An der Uni tummelten sich 31.000 „hochinteressante Leute, die hungrig sind. Und wir fischen dort, wo die besten Ideen sind“, sagte Bloem. Das bedeute aber nicht, dass die Zusammenarbeit mit anderen (Fach-)Hochschulen in der Region wie Emden, Oldenburg oder Osnabrück vernachlässigt werde.

Ein Leuchtturmprojekt

Für den neuen Präsidenten des Verwaltungsrates der Universität Groningen, Prof. Dr. Jouke de Vries, ist die Zusammenarbeit mit der Werft „ein Leuchtturmprojekt“, auf das er besonders stolz sei. Er sprach von einem großen gegenseitigen Interesse und hoher Motivation. „Erste Projekte sind auf dem Weg“, sagte de Vries.

Der Präsident hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung der 2017 in Papenburg offiziell eröffneten Niederlassung der Uni Groningen hervor. Die Zweigstelle sei ein Ausdruck der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem Ziel, Fragen aus der Region aufzunehmen, um mithilfe des vielfältigen Wissens der Hochschullehrstühle Antworten zu entwickeln.

Nach den Worten von Zweigstellen-Direktor Harald Orfgen hat die University of Groningen North West Germany (UGNWG), wie die Papenburger Niederlassung offiziell heißt, Kontakte zu rund 100 Unternehmen geknüpft, um die Hochschule für die Region zugänglicher zu machen.


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