15-jähriges Mädchen geschlagen? Streit um Pferd im nördlichen Emsland landet vor Gericht

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Im nördlichen Emsland ist ein Streit um die Besitzverhältnisse eines Pferdes entbrannt. Das Amtsgericht Papenburg befasste sich mit diesem Fall. Symbolfoto: Henning Kaiser/dpaIm nördlichen Emsland ist ein Streit um die Besitzverhältnisse eines Pferdes entbrannt. Das Amtsgericht Papenburg befasste sich mit diesem Fall. Symbolfoto: Henning Kaiser/dpa

Papenburg. Für 400 Euro sollte Brandy Anfang des Jahres den Besitzer wechseln. Doch von der Summe für das Pferd hat die Eigentümerin bislang nichts gesehen. Aus diesem Grund soll die 48-Jährige ein 15-jähriges Mädchen in einer Reithalle im nördlichen Emsland geschlagen, getreten und gewürgt haben. Bei der Verhandlung am Amtsgericht Papenburg kam es jedoch zu sich widersprechenden Aussagen.

Körperverletzung und Nötigung wurden der Frau in der Anklage zur Last gelegt. Im Februar soll es zu der Auseinandersetzung in der Reithalle gekommen sein. Ein vom Marien-Hospital Papenburg-Aschendorf direkt im Anschluss ausgestelltes ärztliches Attest bescheinigte der 15-Jährigen Prellungen an Hals und Oberschenkel. Die Angeklagte wies die Vorwürfe dennoch zurück und schilderte eine andere Version.

Mündliche Vereinbarung

Anfang Januar habe sie mit den Eltern des Mädchens einen mündlichen Kaufvertrag über den Verkauf des aufgrund einer Fehlstellung am Huf nicht turniertauglichen Pferdes abgeschlossen. Der Equidenpass, ein Identitätsdokument für Pferde, sei zu diesem Zeitpunkt an die Käufer übergegangen, obwohl der vereinbarte Kaufpreis noch nicht bezahlt wurde. Rund sechs Wochen später stellte die 48-Jährige die Jugendliche in einer Reithalle zur Rede. „Ich wollte den Pass zurückhaben, weil das Pferd nicht bezahlt wurde und mir gehört“, teilte die Angeklagte mit. Mehrfach habe sie die 15-Jährige in einer Pferdebox nach dem Pass gefragt und ihr den Ausgang aus der Box verwehrt. „Auf einmal fing sie dann an zu schreien und mich zu treten. Ich habe diese Tritte lediglich abgewehrt“, so die 48-Jährige.

Betreiberin der Pferdepension stützt Aussage der Angeklagtin

Die als Zeugin geladene Betreiberin der Pferdepension stützte diese Aussagen. „Ich habe nicht gesehen, dass die Angeklagte geschlagen oder gewürgt hat.“ Aufgrund der immer lauter werdenden Diskussion zwischen den beiden habe sie an diesem Tag ihren Reitunterricht unterbrochen, um zu sehen was da los ist. „Ich habe mitbekommen, dass das Mädchen aus der Box wollte, die Angeklagte sie aber nicht rausließ und den Weg versperrte.“

„Habe Fragen ignoriert“

Die als Nebenklägerin auftretende mittlerweile 16-Jährige schilderte den Ablauf ganz anders. „Ich habe die Fragen nach dem Pass einfach ignoriert und gesagt, dass sie mit meinen Eltern darüber reden soll.“ Als sie die Pferdebox verlassen wollte, habe die 48-Jährige diese zugezogen und dabei die Jugendliche eingeklemmt. Als sie daraufhin anfing zu schreien, sei sie getreten und mit ihrem Schal gewürgt worden. In Panik habe sie dann versucht, mit ihrem Handy die Polizei und ihren Vater anzurufen. „Die Polizei hat aber die Adresse nicht gefunden, so dass ich mit meinem Vater dann selbst zur Polizei und anschließend zum Krankenhaus fuhr.“

Die Aussagen der Angeklagten wies die 16-Jährige zurück. „Ich würde mich nie trauen, diese Frau anzugreifen, weil bekannt ist, dass sie immer ein Messer im Stiefel hat.“ Zudem habe die 48-Jährige gewusst, dass sie den Pass für das Pferd nicht mit dabei habe. „Ich habe panische Angst gehabt und traue mich auch heute noch kaum rauszugehen.“

Einige Fragen nicht zu klären

Aufgrund der sich widersprechenden Aussagen der Angeklagten, der Geschädigten sowie der Betreiberin der Pferdepension teilte der Staatsanwalt nach der Beweisaufnahme mit, dass es einige Fragen gebe, die nicht zu klären seien. Eindeutig sei jedoch, dass eine Nötigung vorlag, weil die 48-Jährige das Mädchen nicht aus der Pferdebox ließ. Er schlug vor, dass Verfahren einzustellen und die Angeklagte mit einer Geldauflage in Höhe von 800 Euro zu belegen, wovon jeweils die Hälfte an die Eltern der 16-Jährigen sowie an die Landeskasse gehen. Nach einer kurzen Rücksprache mit ihrem Verteidiger stimmte die Angeklagte diesem Vorgehen zu.

Wo ist das Pferd aktuell?

Offen bleibt allerdings, an welchem Ort sich das Pferd aktuell befindet. Die Angeklagte habe das Tier aus der Reithalle geholt und nach Mitteilung der Mutter des Mädchens an einen unbekannten Ort gebracht. Der Equidenpass ist hingegen nach wie vor bei den Eltern. Das Geld ist nach Angaben der Mutter noch immer nicht bezahlt worden. In einem zivilrechtlichen Verfahren geht der Streit um die Eigentumsverhältnisse weiter.


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