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Emsland, Grafschaft, Ostfriesland Atommüll-Endlager: Acht Orte in Region auf „Ausgestrahlt“-Liste

Von Daniel Gonzalez-Tepper, Tim Boelmann und Michael Hoegen

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Bis zum Jahr 2031 soll ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll gefunden sein. In der Region gebe es acht potenziell mögliche Orte dafür, sagt die Initiative „.ausgestrahlt“. Symbolfoto: Sophia Kembowski/dpaBis zum Jahr 2031 soll ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll gefunden sein. In der Region gebe es acht potenziell mögliche Orte dafür, sagt die Initiative „.ausgestrahlt“. Symbolfoto: Sophia Kembowski/dpa

Papenburg/Meppen. Die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ hat eine Deutschlandkarte veröffentlicht, in der 129 Orte eingezeichnet sind, die wegen ihrer Bodenbeschaffenheit für ein Atommüll-Endlager in Frage kommen könnten. Das Emsland taucht fünf Mal auf der Liste auf, der Landkreis Leer, die Grafschaft Bentheim und die Samtgemeinde Fürstenau jeweils ein Mal.

„.ausgestrahlt“ ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg, den es seit 2008 gibt und sich gegen Atomkraft sowie für einen schnellen Ausstieg aus dieser Form der Stromproduktion einsetzt. Auf Grundlage von vorhandener Studien, zum Beispiel der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, hat die Initiative nun die Orte identifiziert, „die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen können, in die Standort-Suche einbezogen zu werden“, teilte der Sprecher von „.ausgestrahlt“, Jochen Stay, auf Anfrage mit. „Die in der Karte eingezeichneten Gebiete sind noch nicht von offizieller Seite ausgewählt, kommen jedoch aufgrund ihrer geologischen Voraussetzungen potenziell für das Standortauswahlverfahren infrage“, betont Stay. Die Gutachten, auf die sich die Initiative bei der Auflistung beruft, sind vielfach Jahre, einige sogar Jahrzehnte alt und müssten bei möglichen weiteren Verfahrensschritten aktualisiert werden.

Das vom Bundestag beschlossene Standortauswahlverfahren gebe den Menschen in den betroffenen Regionen keine Mitbestimmungsrechte, was der Verein ändern möchte. „Wir fordern: Die Menschen, die am Ende mit dem Risiko leben müssen, dürfen nicht übergangen werden“, so der Sprecher, der auf ein Team von 16 Mitarbeitern, davon 12 fest angestellt im Hamburger Büro, setzen kann. 

Atommüll-Endlager: Diese Bereiche könnten von Standortsuche betroffen sein. Quelle: .ausgestrahlt.de • Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Wer die Karte auf der Internetseite der Initiative aufruft, erkennt im Nordwesten Niedersachsens sechs mögliche Standorte, die allesamt Salzstöcke sind. Davon liegen fünf im Landkreis Emsland: Neusustrum, Oberlangener Tenge, Wahn (alle Samtgemeinde Lathen), Lingen-Baccum und Herzlake. Genannt werden ebenso Wietmarschen-Lohne (Grafschaft Bentheim), Bunde (Landkreis Leer) und Bippen (Samtgemeinde Fürstenau), das an die Samtgemeinde Lengerich angrenzt.

Landkreis strikt gegen Endlager im Emsland

Die Sprecherin des Landkreis Emsland, Anja Rohde, betonte auf Anfrage: „Bodenerkundungen an den genannten Standorten im Landkreis sind nicht angekündigt und uns daher nicht bekannt.“ Für die Suche wurde 2014 eigens das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BFE) gegründet, nachdem im Juli 2013 das Endlagersuchgesetz vom Bund beschlossen wurde. Die Endlagersuche soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Sollte das Bundesamt tatsächlich einen oder mehrere Standorte im Emsland für die nähere Endlagersuche auswählen, wird sich der Landkreis vehement dagegen wehren, bekräftigte die Sprecherin, die wörtlich sagte: „Sollte der Salzstock Wahn oder ein weiterer Ort im Landkreis Emsland im Lauf dieses Prozesses als mögliche Lagerstätte konkret zur Diskussion gestellt werden, wird der Landkreis Emsland sich wie auch in der Vergangenheit gegen eine Nutzung als Endlagerstandort für hochradioaktiven Atommüll aussprechen.“ Die Position des Landkreises Emsland sei hier „seit Jahren eindeutig“. Sie sei in öffentlichen Erklärungen, in Briefen an die jeweiligen Ministerpräsidenten und in Kreistagssitzungen wiederholt vertreten worden. „Und diese Position werden wir auch künftig öffentlich verfechten“, bekräftigte Rohde.

Bürgermeister von Bunde will sich wehren

Auch aus Ostfriesland gibt es ähnliche Stimmen. Gerald Sap, Bürgermeister der Gemeinde Bunde, sagte auf Anfrage: „Wir werden uns mit Händen und Füßen wehren. Es kann nicht sein, dass wir mit dem Atommüll sitzen bleiben.“ Die Gemeinde werde die weitere Entwicklung „sorgsam beobachten und uns erkundigen, wie man zu solchen Aussagen kommt“. Der Salzstock bei Bunde zieht sich von Jemgum über Bunderhee und Bunderneuland in Richtung Ödenfeld auf Weeneraner Hoheitsgebiet.


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