Gespräch in der VHS Muslimische Lebenswelten beeindrucken in Papenburg

Von Michael Sterk

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An der VHS Papenburg haben (von links) Eva-Maria Samsen und Anne Sonntag da Cruz ein Podiumsgespräch mit Emel Zeynelabidin, Dina El Omari und Necla Kelek organisiert. Moderiert wurde der Abend von Holger Hartwig. Foto: Michael SterkAn der VHS Papenburg haben (von links) Eva-Maria Samsen und Anne Sonntag da Cruz ein Podiumsgespräch mit Emel Zeynelabidin, Dina El Omari und Necla Kelek organisiert. Moderiert wurde der Abend von Holger Hartwig. Foto: Michael Sterk

stmi Papenburg. Die drei Frauen Necla Kelek, Emel Zeynelabidin und Dina El Omari haben in der Volkshochschule (VHS) Papenburg über den Islam gesprochen – und sind dabei auch mit den Zuhörern ins Gespräch gekommen.

Die Frauen sind, so teilten sie es mit, unter verschiedenen Umständen ausgewachsen. Kommunikationsmanagerin und Autorin Zeynelabidin berichtete, dass sie traditionell muslimisch erzogen wurde, heiratete und sechsfache Mutter wurde, bis sie sich verliebte und so ihren „Schlüssel zur Freiheit“ entdeckte. Seither betrachte sie ihre Religion mit einem kritischen Auge.

Glückliche Kindheit

Soziologin, Autorin und Islamkritikerin Kelek beschrieb ihre Kindheit in der Türkei als glücklich, da sie zu einer Zeit aufwuchs, als der Staat und die Religion getrennt voneinander existierten. Erst nachdem sie als Jugendliche in Deutschland ankam, wandte sich ihr Vater der Religion zu, wodurch ihr viele Freiheiten wie die Teilnahme am Sportunterricht genommen worden seien. El Omari, die im Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster tätig ist, habe nie Schwierigkeiten wegen dem Glauben ihrer Familie gehabt. Sie erklärte, dass Religion ihr und ihren Eltern immer wichtig war, das Menschsein jedoch eine wichtigere Rolle spielte.

Religion hinterfragen

Trotz ihrer unterschiedlichen Erziehungen zeigten sich die drei Frauen davon überzeugt, dass Religion hinterfragt werden müsse. Blind den Regeln eines Glaubens zu folgen, schränke die Freiheit eines Menschen ein. „Meine Grenzen gehören mir. Ich erweitere sie, in dem ich mich traue zu tun, was mich interessiert“, erläuterte Zeynelabidin. Kelek betonte außerdem, dass sie einen Unterschied zwischen einem Glauben und einer Religion als Institution sehe. El Omari pflichtete dem bei und fügte hinzu, dass eine Religion nicht die Wahrheit kenne und ein Gläubiger seine eigenen Grenzen finden müsse. „Glaube ist nicht wissen, ich will aber wissen.“ Mit diesen Worten beschrieb Kelek ihre Vorstellung einer Religion.

Religionsfreie Räume schaffen

Ein viel diskutiertes Thema war auch die „positive Diskriminierung“. Kelek beschrieb, dass muslimischen Schülern erlaubt werde, nicht am Sportunterricht teilzunehmen oder ein Kopftuch im Unterricht zu tragen, weil die Religion es ihnen vorschreibe. Bildungsstätten sollen ein religionsfreier Raum sein, plädierte Kelek. „Jeder soll das Recht haben, Kind zu sein.“ Zeynelabidin befürwortete dies, da es die Entwicklung eines Heranwachsenden einschränken würde. „Theologie ist ein Menschenkonstrukt“, erinnerte sie.

Sehr unterschiedliche Meinungen hatten die Frauen zum Thema Koran. El Omari war der Meinung, im Koran stünden „Gottes Worte in menschlicher Sprache“. Sie beschrieb den Text als „Erinnerungen an Gott.“ Zeynelabidin zweifelte an, ob der Koran verstanden werden soll. „Um Gott zu verstehen, muss man Gottes Position einnehmen können“, erklärte sie. Die beiden waren sich aber einig, dass es ein sehr emotionales Werk sei. Kelek sagte, sie könne den Koran nicht als heiliges Buch ansehen, da er viele gewalttätige Passagen habe.

Besucher stellen Fragen

Das Publikum zeigte sich beeindruckt vom Podiumsgespräch. Oft wurden Kommentare der Frauen mit Beifall honoriert und im Anschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, den Rednerinnen Fragen zu stellen. „Das Thema bewegt die Menschen“, sagte Moderator Holger Hartwig nach der Diskussion. „Es freut mich, wie interessiert die Gäste waren“, resümierte Eva-Maria Samsen von der VHS.


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