„AIDAnova“ vor erster Probefahrt Papenburger Kreuzfahrtschiff zum ersten Mal mit LNG betankt

Brachte die erste Ladung LNG für die „AIDAnova“: Das niederländische Tankschiff „Cardissa“. Foto: Frank BehlingBrachte die erste Ladung LNG für die „AIDAnova“: Das niederländische Tankschiff „Cardissa“. Foto: Frank Behling

Papenburg/Eemshaven. Das neueste Kreuzfahrtschiff der Papenburger Meyer Werft, die „AIDAnova“, ist in dieser Woche im niederländischen Eemshaven als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff mit Flüssigerdgas (LNG) betankt worden. In der kommenden Woche soll der Neubau zu seiner ersten Probefahrt in See stechen.

Die 119 Meter lange „Cardissa“, ein Tankschiff des Mineralölkonzerns Shell mit Heimathafen Rotterdam, hatte am neuen Ozeanriesen aus dem Emsland festgemacht und befüllte die drei Tanks mit insgesamt 3500 Kubikmetern LNG. Eine Tankfüllung reicht später nach Angaben der Rostocker Reederei AIDA Cruises für zwei Wochen.

Auf minus 162 Grad gekühlt

Der in Südkorea gebaute Tanker „Cardissa“ ist ein wichtiges Transportmittel für die Versorgung von LNG-Schiffen in Nordeuropa. Das Schiff versorgt unter anderem die mit LNG betriebene Fähre „Viking Grace“, die bereits seit dem Jahr 2013 auf ihrer Strecke zwischen Stockholm (Schweden) und dem finnischen Turku verkehrt.

Flüssigerdgas ist ein auf 162 Grad Minus gekühlter Treibstoff und führt dazu, dass Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig vermieden werden. Der Ausstoß von CO² verringert sich nach Angaben des AIDA-Mutterkonzerns Carnival Corporation um 25 Prozent.

Fünftägige Probefahrt

Nachdem Abläufe und das Befüllen der Tanks an Bord der „AIDAnova“ geprobt wurden, soll das neue Kreuzfahrtschiff nach Angaben von Werftsprecher Peter Hackmann am kommenden Freitag, 26. Oktober, Eemshaven für eine erste fünftägige Probefahrt auf der Nordsee verlassen. Einstellungen der nautischen Instrumente hatte das Team um Werftkapitän Wolfgang Thos nach Angaben der Schiffbauer bereits unmittelbar nach der Emsüberführung in der vergangenen Woche vorgenommen.

Zwei Tanks eingebaut

Bei der Fahrt über die Ems wurde das 337 Meter lange und 42 Meter breite Kreuzfahrtschiff noch mit Marine-Diesel angetrieben, da im Inneren auch zwei Tanks für den bisher herkömmlichen Schiffskraftstoff eingebaut sind. Sie sind nötig, damit auch dann ein reibungsloser Schiffsbetrieb gesichert ist, wenn kein LNG getankt werden kann. Das sogenannte Bunkern mit LNG, von Schiff zu Schiff, ist nämlich bisher in Deutschland nicht möglich - die Behörden haben dafür bisher keine Genehmigung erteilt.

Die gasbetriebenen Systeme an Bord für die Kessel- und Maschinenanlagen wurden zuvor in Papenburg mit gasförmigem Erdgas in Betrieb genommen.

Terminal-Bau in Rostock

Kleinere Schiffe, die hierzulande mit LNG angetrieben werden, bekommen das verflüssigte Gas von Lkw-Tankwagen, die wiederum LNG aus Rotterdam über die Autobahn anliefern.

Während in Rotterdam bereits ein LNG-Terminal für Schiffe im Einsatz ist, wurde erst in dieser Woche der Bau eines Flüssigerdgas-Terminals in Rostock beschlossen. Der russische Gaskonzern Novatek und das belgische Infrastrukturunternehmen Fluxys haben ein entsprechendes Gemeinschaftsunternehmen für die Errichtung bis zum zweiten Halbjahr 2022 gegründet. Die Firma soll das Terminal mit einer Kapazität von 300.000 Tonnen einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge planen, bauen, finanzieren und betreiben.

Neben Rostock wird aktuell auch in Brunsbüttel bei Hamburg ein großes LNG-Terminal geplant.

Die Meyer Werft baut unterdessen auf ihren Werften in Papenburg und im finnischen Turku weiter LNG-Kreuzfahrtschiffe, vorwiegend für den Carnival-Konzern, dem weltweiten Marktführer bei Kreuzfahrten. Bei Meyer Turku ist derzeit die „Costa Smeralda“ für die Carnival-Marke Costa Crociere im Bau, in Papenburg wird im Frühjahr 2020 die „Iona“ für die britische Carnival-Marke P&O Cruises fertig.

Weitere LNG-Schiffe

Weitere Kreuzfahrtschiffe mit LNG-Antrieb entstehen für die Hamburger Reederei TUI Cruises zwischen 2024 und 2026 auf der italienischen Fincantieri-Werft und auf der französischen STX-Werft. Dort hatte die Reederei MSC Cruises mit der MSC-World-Class-Baureihe die bisher größten Kreuzfahrtschiffe mit LNG für bis zu 6800 Passagiere bestellt. Sie sollen 2022, 2024, 2025 und 2026 abgeliefert werden. Ein etwas kleineres Kreuzfahrtschiff der „Meraviglia-Plus“-Baureihe wird 2023 von den französischen Konkurrenzen der Papenburger Schiffbauer abgeliefert.


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