„Ohne Ditib kein Imam“ Moschee-Bau in Papenburg: Kein Geld aus der Türkei


Papenburg. Lieber heute als morgen würde der Türkisch-Islamische Kulturverein in Papenburg mit dem Neubau seiner Moschee am Mittelkanal beginnen. Wann es losgeht, steht nach Angaben des Vorstandes allerdings ebenso wenig fest wie das Gesamtfinanzierungsvolumen.

Zurzeit fänden letzte Statikberechnungen statt, erklärte Nasuh Bellikli am Donnerstagabend vor knapp 50 Zuhörern bei einer Gesprächsrunde im Niels-Stensen-Haus der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius. Dazu hatten die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Aschendorf-Hümmling und das Dekanat Emsland-Nord unter der Fragestellung „Eine Moschee in Papenburg? – Beweggründe, Fragen, Perspektiven“ eingeladen.

Mitgliedsfamilien finanzieren

Im Gespräch mit unserer Redaktion am Rande der Veranstaltung teilten der Vorsitzende des Kulturvereins, Ercan Örnek, und sein Vertreter Ismail Özdamar mit, dass der Zeitpunkt des Baubeginns für Moschee und Vereinsheim mit Gästehaus, Versammlungsräumen und Lebensmittelmarkt nach wie vor noch nicht fixiert werden könne. Auch das Gesamtfinanzierungsvolumen, das vom Verein bislang mit rund 1,5 Millionen Euro angegeben wurde, stehe nicht fest. Örnek rechnet mit einer Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren.

Bellikli versicherte, dass die Finanzierung ausschließlich von den 90 Mitgliedsfamilien sowie durch Spenden getragen werde. „Aus der Türkei wird kein Geld fließen“, sagte der 25-jährige Lehramts- und Islam-Theologiestudent.

(Weiterlesen: Papenburger Kulturverein speckt Plan für Moschee-Bau ab)

Kritische Nachfragen aus den Reihen der Zuhörer kamen insbesondere von Heinz Hartkens und Ewald Mescher. Beide bezogen sich auf die Rolle der umstrittenen islamischen Dachorganisation Ditib und die des Imams, dem Vorbeter der Muslime. „Die Ditib ist der Juckepunkt der ganzen Sache“, meinte Hartkens. Auch für Mescher sei es „die Preisfrage“, inwieweit die Ditib die Fäden bei der Papenburger Moscheegemeinde in der Hand halte.

(Weiterlesen: Pläne für Moschee-Bau in Papenburg überarbeitet)

Bellikli räumte daraufhin ein, dass die Fatih-Gemeinde derzeit durchaus mit ihrem Namen zu kämpfen habe – auch vor dem Hintergrund der Einweihung der Zentralmoschee in Köln mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Ende September. Bellikli zeigte sich über das Vorgehen von Ditib dort massiv enttäuscht. Er versprach, dass es bei der Eröffnung in Papenburg definitiv anders ablaufen werde „und alle schon jetzt herzlich eingeladen sind“. Zudem betonte er, dass die Papenburger Gemeinde dem Ditib-Landesverband Niedersachsen/Bremen eine komplett andere Linie fahre als der Bundesverband. Bellikli selbst arbeite im Landesverband unter anderem als Landesjugendvorsitzender der 90 Gemeinden aktiv. „Ich bitte darum, uns in Papenburg weiterhin zu vertrauen“, sagte der 25-Jährige. Der Verein wolle ein positives Aushängeschild mit offenen Türen bleiben. „Viele, die uns kritisieren, wissen aber nicht, dass wir hierher gehören und verwurzelt sind“, so der gebürtige Papenburger.

Keine Imam-Ausbildung in Deutschland

Dass der Imam als Beamter aus der Türkei entsandt und finanziert werde, ist Bellikli nach auch deshalb nicht anders möglich, weil es in Deutschland keine Imam-Ausbildung gebe. Auch könne der Verein vor Ort die monatliche Entlohnung nicht tragen. „Ohne Ditib kein Imam“, sagte Bellikli.

St.-Antonius-Pfarrer und Dechant Franz Bernhard Lanvermeyer zog eine Parallele zu katholischen deutschen Geistlichen im Ausland. Sie würden von der Deutschen Bischofskonferenz bezahlt.

Dechant warnt vor Vergleich mit „Scharfmachern“

Lanvermeyer warnte davor, die Mitglieder des Kulturvereins mit islamistischen „Scharfmachern“ gleichzusetzen und eine „allgemeine Sorge vor dem Islam“ dafür zu nutzen, um ein Feindbild aufzubauen. Der Verein übernehme eine wichtige Integrationsaufgabe.

Bellikli betonte, dass sich der Verein nicht als politische Institution sehe. „Wer bei uns Politik machen will, wird hochkant rausgeschmissen“, sagte er.

Für ein vertieftes Verständnis von Religion

Die Gesamtkosten für die Neubauten, die bislang mit rund 1,5 Millionen Euro angegeben waren, stehen nach Darstellung des Vereins noch nicht fest. Grafik: Bauunternehmen Bohse

Pastor Gerrit Weusthof wertete den Moscheebau als eine positive Chance, gemeinsam zu einem vertieften Verständnis für Religion zu kommen. Dafür erntete er Applaus. Weusthof regte zudem die Bildung eines interreligiösen Gesprächskreises an. KEB-Geschäftsführer Stefan Varel hielt abschließend fest: „Die Moschee gehört zu Papenburg.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN