Unfall beim Hafenfest nicht gemeldet Seenotretter hätte nicht nach Papenburg fahren dürfen

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Der Seenot-Rettungskreuzer „Georg Breusing“ lag während des Hafenfestes in Papenburg im Turmkanal. Auf der Fahrt dorthin war das Schiff wegen eines Motorschadens gegen die Kaimauer im Papenburger Sielkanal geprallt. Foto: Daniel Gonzalez-TepperDer Seenot-Rettungskreuzer „Georg Breusing“ lag während des Hafenfestes in Papenburg im Turmkanal. Auf der Fahrt dorthin war das Schiff wegen eines Motorschadens gegen die Kaimauer im Papenburger Sielkanal geprallt. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. Der Unfall des Seenot-Rettungskreuzers „Georg Breusing“ im Rahmen des Hafenfestes in Papenburg zieht Kreise. Das Schiff hatte nach Angaben der Wasserschutzpolizei keine Erlaubnis für die Fahrt in die Fehnstadt. Zudem sei der Unfall zu spät gemeldet worden.

Die „Georg Breusing“ war am Freitag, 7. September 2018 der bei der Fahrt vom Heimathafen in Emden zum Hafenfest in Papenburg wegen des Ausfalls der Maschinen hinter der Schleuse gegen eine Kaimauer geprallt. Dabei wurde die Heckklappe beschädigt. Der Rettungskreuzer musste bis in den Turmkanal, wo er an den beiden Hafenfesttagen lag, geschleppt werden.

Doch die Fahrt hätte die „Georg Breusing“ gar nicht antreten dürfen, sagt zumindest die Wasserschutzpolizei (WSP). „Die Inverkehrbringung eines alten Seenotrettungsschiffes ist seit 1998 zulassungspflichtig, diese Zulassung ist vor der Fahrt nach Papenburg nicht erwirkt worden“, teilte ein Sprecher der WSP in Emden auf Anfrage mit. Zugelassen sei das Schiff ausschließlich als Museumsschiff am Emder Ratsdelft, die nicht zur Teilnahme am regulären Schiffsverkehr berechtige. Für eine Zulassung hätte das Schiff vorgeführt und besichtigt werden müssen, was nach jetzigem Kenntnisstand nicht erfolgt sei, so der Sprecher. Daher sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den Schiffseigner, der Förderkreis Rettungskreuzer „Georg Breusing“ e.V., und den Kapitän, der das Schiff am Freitag, 7. September gesteuert hatte, eingeleitet worden. Die Rückfahrt am Montag nach dem Hafenfest hatte der Rettungskreuzer mithilfe eines Schleppers angetreten.

Unfall hätte umgehend gemeldet werden müssen

Aber damit nicht genug: Gegen die Beteiligten wurde ein zweites, derartiges Verfahren eingeleitet, weil der Unfall nicht gemeldet worden war, wie der WSP-Sprecher bestätigte. „Eine Kollision eines Schiffes mit einem anderen Schiff oder etwa einer Kaimauer ist nach dem Seesicherheits-Untersuchungs-Gesetz meldepflichtig, und zwar im nächsten Hafen, der angefahren wird. Das ist nach jetzigem Kenntnisstand nicht erfolgt“, so der WSP-Sprecher. Die Meldung beinhalte im Regelfall ein Weiterfahrverbot, bis ein Fachmann sich den Schaden angesehen habe. „Schiffe als Schwimmkörper sind fragile Bauwerke. Kleinste Schäden können dazu führen, dass es voll läuft oder ein Umkippen droht“, erklärte der Sprecher.

Ob der Kapitän überhaupt die Befähigung hatte, den Seenot-Rettungskreuzer zu führen, wird ebenfalls geprüft. „Diese Prüfung hängt davon ab, in welcher Kategorie die ,Georg Breusing‘ bei einer Anmeldung eingeordnet worden wäre“, so der Sprecher. Er geht davon aus, dass die eingeleiteten Verfahren ein Bußgeld zur Folge haben. Die Höhe legt gegebenenfalls die Generaldirektion für Wasserstraße und Schifffahrt in Kiel fest.

Grund für Maschinenausfall noch unklar

Der Förderverein bleibt bei seiner Auffassung, dass eine Anmeldung für die Fahrt nicht notwendig war, wie der Vorsitzende Wedig von dem Knesebeck auf Anfrage mitteilte. „Das Schiff war immer als Vereinsschiff in Betrieb. Solange es ausschließlich als solches und mit Mitgliedern betrieben wird, gilt es unserer Auffassung nach als Sportboot, für das keine Anmeldung notwendig ist“, sagte von dem Knesebeck. Er sei ebenso der Meinung, dass bei Sportbooten Unfälle nicht unmittelbar gemeldet werden müssten, wie die WSP meint. Der Vorsitzende machte kein Geheimnis daraus, dass er sehr verwundert darüber sei, dass die WSP ausführlich mit Medien kommuniziere, der Verein bisher aber nicht über die Ermittlungen informiert wurde oder um Stellungnahme gebeten wurde.

Der Verein geht im übrigen weiterhin davon aus, dass der Schaden durch die Versicherung übernommen wird. Ein Gutachter habe die Schäden am Heck inzwischen aufgenommen, genau beziffert seien sie noch nicht, so von dem Knesebeck. Die konkreten Ursachen für den Ausfall des Motors, der für den Zusammenstoß mit der Kaimauer Schuld sein soll, seien ebenfalls noch nicht ermittelt. Dafür soll das Schiff im Dezember oder Januar in eine Werft geschleppt werden. Die „Georg Breusing“ ist 55 Jahre alt und war von 1963 bis Juli 1988 vor Borkum im Seenot-Einsatz. Dabei wurden dem Verein zufolge 1672 Menschen aus kritischen Situationen auf der Nordsee befreit.


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