Diamantene Hochzeit Gesehen, geliebt: Zwei Papenburger seit 60 Jahren verheiratet

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Nach einem leicht holprigen Anfang ihrer Beziehung wurden Ingeborg und Hans-Joachim Obermüller ein Paar. Nun feiern sie die Diamantenhochzeit. Ihre Ehe begann vor 60 Jahren, und das feiern sie am Samstag mit der Familie. Foto: Maike PlaggenborgNach einem leicht holprigen Anfang ihrer Beziehung wurden Ingeborg und Hans-Joachim Obermüller ein Paar. Nun feiern sie die Diamantenhochzeit. Ihre Ehe begann vor 60 Jahren, und das feiern sie am Samstag mit der Familie. Foto: Maike Plaggenborg

Papenburg. Dass Ingeborg und Hans-Joachim Obermöller ein Ehepaar wurden, ist das Ergebnis eines geglückten Verkuppelungsversuchs vor 61 Jahren und sieben Monaten in Brandenburg. Nach mehr als sechs Jahrzehnten bestehender Liebe und Zuneigung feiern sie nun ihre Diamantene Hochzeit.

Ingeborg Obermöller hat ein zartes und beseeltes Lächeln im Gesicht, als ihr Ehemann von ihrer ersten gemeinsamen Begegnung erzählt. Es war bei einer Hochzeit. Hans-Joachim Obermöller war Gast des Bräutigams. Sie waren Kameraden bei der Nationalen Volksarmee (NVA). Sie kannte die Braut und wurde ihrem künftigen Ehemann als Tischdame zugewiesen, wie Hans-Joachim Obermöller berichtet. „Sie kam die Treppe hoch, und ich war weg“, sagt er heute über den für ihn alles entscheidenden Moment. „Es war Liebe auf den ersten Blick – bei mir und bei ihm“, sagt auch Ingeborg Obermöller. Damit war der Fall klar – fast. Denn sie hatte noch Vorbehalte. „Das ist ein ganz schöner Casanova“, hatte man der damaligen Sportstudentin gesagt. Außerdem war er Soldat. „Sie wollte keinen Armisten“, sagt der 82-Jährige. Ingeborg Obermöller aber gefiel das Auftreten von Männern in Uniform nicht. Außerdem war ihr Vater 1942 in Stalingrad gefallen. Hans-Joachim aber interessierte an seinem Posten in der NVA der Sport, die Disziplin und das Geldverdienen. „Das war für mich wichtig.“ Das System der DDR war ihm egal. Und Kommunist sei er auch nicht gewesen.

Angebetete versteckte sich hinter der Gardine

Am Tag nach der Hochzeit also bemühte sich der Zehdenicker weiter und sinnte auf einen gemeinsamen Kaffee mit seiner Angebeteten, die er auf dem Bahnsteig und im Zug suchte, während sie sich hinter einer Gardine im Haus der frisch vermählten Bekannten versteckte. Letztlich klärte ein Brief mit den Bedenken der 80-Jährigen alles. Er erreichte ihren späteren Ehemann über Umwege. Von da an gab es für beide nur ein Ziel: Das gemeinsame Leben. Hans-Joachim Obermüller, der eigentlich zur Offiziersschule wollte, um sich fortzubilden, sattelte um auf seinen gelernten Waldfacharbeiter. Ingeborg Obermüller brach ihr Studium ab und arbeitete als Erzieherin in einem Heim. Beide konnten so in Himmelpfort leben. Im Februar 1957 hatten sie sich kennengelernt, im September verlobt, im Jahr darauf geheiratet. Nach sieben Monaten wurde das erste Kind geboren: eine Tochter. „Sie war ein Siebenmonatskind“, scherzt Hans-Joachim Obermüller. Nach einem Leben in einem drei mal drei Meter großen Zimmer zu dritt bezog die kleine Familie ein Forsthaus in Zechlinerhütte und betreibt Enten- und Gänsezucht mit mehr als 5000 Tieren, bis aus dem Anwesen ein Stasi-Erholungsheim wurde, erinnert sich Hans-Joachim Obermöller, der dann zur Steingutfabrik nach Rheinsberg und Frau Ingeborg zur Post wechselte.

Von Brandenburg bis nach Papenburg

„Die Mecklenburger Seenplatte ist immer unsere Heimat gewesen“, sagt der Brandenburger. Drei Jahre nach dem Mauerfall – im Jahr 1992 – verkaufen die Obermüllers ihr Haus und kommen nach Kluse. Dorthin sind sie ihrem Sohn gefolgt. Auch dort aber strichen sie nach einer Weile die Segel und kamen schließlich nach Papenburg. Immer mit dabei: Liebe und Zuneigung und „einstecken, einstecken, einstecken“, macht sich Hans-Joachim Obermüller über das vermeintliche Geheimnis einer langen Ehe lustig und korrigiert, dass gegenseitige Rücksichtnahme wichtig sei, aber auch, zu „verstehen, was der andere will“. Auch Ingeborg Obermüller bestätigt ein gutes Team. „Gezankt haben wir uns nie“, sagt sie und findet ganz grundsätzlich, dass man in Beziehungen einfach nicht so früh aufgeben dürfe, wenn es mal schwierig wird. Heute leben sie einer Wohnung, in der der Pflegedienst regelmäßig vorbei schaut. Sie haben drei Kinder, sieben Enkel und neun Urenkel. Die frühere Stendalerin muss täglich Spritzen bekommen. „Sie ist aber noch immer eine süße Frau“, sagt ihr Mann und lacht schon wieder.


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