Willi Grote geht von Bord Ende einer Ära bei CDU Aschendorf-Hümmling

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Papenburg. Ende einer Ära: Seit 1980 stand er als hauptamtlicher Kreisgeschäftsführer in Diensten der CDU Aschendorf-Hümmling. Nach mehr als 38 Jahren ist Willi Grote am Freitagabend in Papenburg feierlich und mit stehenden Ovationen in den Ruhestand verabschiedet worden.

Willi Grote überlässt nichts dem Zufall. Der 66-jährige Surwolder mit der Devise „Wahlkampf ist immer“, der 35 Schlachten im Werben um Stimmen für Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen geschlagen hat, organisiert auch seine Abschiedsfeier im Hotel Hilling am Obenende selbst. 120 Gäste sind geladen, viele davon langjährige Weggefährten. Es gibt nur wenige Absagen, dafür umso mehr lobende Worte, dass es Grote „des Guten zu viel“ wird, wie er später selbst sagen wird.

Kein Tisch, kein Stuhl, kein Telefon

Als Grote, der nach einer Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Surwold zwischenzeitlich als kaufmännischer Angestellter beim Surwolder Ableger der Emsländer Baustoffwerke (Haren) tätig ist, hauptamtlicher CDU-Kreisgeschäftsführer des Verbandes Aschendorf-Hümmling wird, steht er in Sachen Büroausstattung vor dem Nichts. Es existiert weder Tisch, Stuhl noch Telefon in dem Zimmer der Kanzlei des damaligen Juristen Rudolf Sievers an der Friederikenstraße. Dabei gibt es gleich viel zu tun. Die Verwaltungsstruktur der Partei (Mitglieder, Finanzen) muss neu organisiert werden. Bis dato waren die Verbände Aschendorf-Hümmling und Meppen gemeinsam geführt worden – mit Sitz in Meppen.

Walter Remmers ist der Erste

Grotes erster Wahlkreisabgeordneter, für den er tätig wird, ist der vor gut zwei Wochen im Alter von 84 Jahren verstorbene frühere Landesminister Walter Remmers. Ihm wird zu Beginn der Verabschiedung gedacht.

Wahlkreisgeschäftsführer ist Grote zudem für Rudolf Seiters und später für Gitta Connemann (beide Bundestag) sowie für Bernd Busemann (Landtag).

Sagen, was Sache ist

Der amtierende CDU-Kreisvorsitzende Günter Wigbers erinnert an große Wahlkampfveranstaltungen unter anderem mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl in den 90er-Jahren. Grote sei ein Perfektionist in Organisation, Umsetzung und Durchführung – mit klarer Ordnung und klaren Zielen. „Er sagt, was Sache ist“, so Wigbers. Dass die Büromitarbeiter aber täglich zum Morgenappell hätten antreten und strammstehen mussten, um sie auf das Tagwerk für die CDU einzuschwören, sei aber nur Gerücht.

Ein einziges Mal geflunkert

Connemann, seit 2002 im Bundestag, wartet mit einem Grote-Zitat aus der Zeit unmittelbar vor ihrer ersten Kandidatur auf. „Mach Dir keine Sorgen! Du musst nur gut aussehen. Den Rest mache ich“, habe er versucht, ihr die Anspannung zu nehmen. „Ich glaube, das war das einzige Mal, dass er mich ein wenig angeflunkert hat“, sagt Connemann. Mit gut aussehen allein sei es schließlich nicht getan. Connemann beschreibt „meinen CDU-Willi“ als schonungslos offen und ehrlich. Sie habe gelernt, ihm blind zu vertrauen.

Wie der Sechser beim Fußball

Busemann bezeichnet Grote als einen „absoluten Glücksfall mit viel Herzblut“ und Stehvermögen gerade auch in schwierigen Phasen. Sein Landtagskollege und Vorsitzende der Emsland-CDU, Bernd-Carsten Hiebing, zieht einen Vergleich zum Fußball. „Dort wäre Willi Grote der Sechser im defensiven Mittelfeld, der den eigenen Stürmern den Rücken freihält und Gegenangriffe frühzeitig unterbindet“.

Belastbar und besonnen

Für den früheren Kanzleramts- und Innenminister Seiters, der den Blick auf die großen bundespolitischen Ereignisse in den 80er- und 90er-Jahren lenkt, ist Grote „einer der besten Geschäftsführer, die ich je hatte – stets präsent, einsatzbereit, belastbar und besonnen; einer meiner verlässlichsten und sympathischsten Wegbegleiter.“

Grote selbst betont, dass er jeden Morgen gut gelaunt ins Büro gegangen sei. Er verhehlt nicht, Perfektionist zu sein. Auch deshalb habe er, falls nötig, morgens auch selbst zum Besen gegriffen, um den Eingangsbereich des Wahlkreisbüros zu fegen. Mit dem Einzug in eine eigene Geschäftsstelle (2008) am Hauptkanal sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen.

Seit 2012 Ehrenbürgermeister

Ausdrücklich dankt Grote seiner Ehefrau Christiane Tangen, die ihm stets den Rücken freigehalten habe – auch bei der Ausübung seiner politischen Ehrenämter. Allein 20 Jahre war Grote ehrenamtlicher Bürgermeister und Gemeindedirektor in Surwold. Seit 2012 ist er Ehrenbürgermeister.

Seinen Nachfolger als Kreisgeschäftsführer, Antonius Pohlmann, hat er in den vergangenen zwei Monaten eingearbeitet. Grote hat ein gutes Gefühl und volles Vertrauen: „Er ist die beste Wahl.“ Grote selbst geht von Bord und hat ab sofort anderes vor. „Ich bin dann mal weg“, sagt er.


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