Zwei Emsländer vor Gericht Versuchter Totschlag: Zwei Versionen des Tathergangs

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Osnabrück. Versuchten Totschlag wirft die Anklage zwei im nördlichen Emsland lebenden Männern vor. Zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Osnabrück haben beide Angeklagten bestritten, im April vorgehabt zu haben, einen Mann mit einer Schusswaffe zu töten.

Der 43-jährige Angeklagte hat einen kleinen Handwerksbetrieb mit drei Beschäftigten. Anfang April war es mit einem der Arbeitnehmer zu Streitigkeiten gekommen, weil dieser sich geweigert haben soll, die Schlüssel eines der Firmenwagen zurückzugeben. Der Angeklagte will, nachdem er die Forderung ausgesprochen hatte, von diesem in seinem Büro zusammengeschlagen worden sein. Stunden später habe er noch einmal die Herausgabe des Schlüssels gefordert, dieses Mal in der Firmenwohnung, und Gleiches sei geschehen. „Ich habe ihm gesagt, er bekomme die 400 Euro ausstehenden Lohn nur, wenn ich im Gegenzug den Schlüssel erhalte. Da bin ich wieder geschlagen worden.“

Zwei Vorfälle bei der Polizei angezeigt

Der Firmeninhaber hat nach eigenem Bekunden beide Vorfälle bei der Polizei angezeigt, wo er jedoch nicht das Maß an Unterstützung erhalten habe, das er sich erhofft hatte. Frustriert habe er abends einen Klub aufgesucht. Dort habe er den Mitangeklagten kennengelernt. Nachdem er ihm von seinem Problem erzählt habe, habe dieser ihm zugesichert, ihm dabei helfen zu wollen.

Am nächsten Morgen war der 48-Jährige, der in der Sicherheitsbranche und auch als Türsteher tätig ist, zu ihm in die Wohnung gekommen. Beide verabredeten, am frühen Abend zusammen in die Wohnung des Arbeiters zu gehen und dort die Herausgabe des Schlüssels zu verlangen.

Zwei verschiedene Darstellungen zum Tathergang

Was dann dort geschah, darüber herrschen zwei verschiedene Darstellungen. Die Anklageschrift geht davon aus, der 48-Jährige habe mit einer scharfen Pistole auf den Kopf des 43-jährigen Mitarbeiters gezielt und abgedrückt. Es hatte sich jedoch kein Schuss gelöst. Der so Bedrohte sei auf den Schützen losgestürmt und habe ihm eine schwere Kopfverletzung zugefügt, der 43-Jährige sei geflüchtet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Unternehmer den 48-Jährigen beauftragt hat, seinen Mitarbeiter zu töten. Ein Indiz dafür soll die Geldabhebung von 500 Euro sein, die er am Tattag von einer Bank getätigt hat und die als Belohnung dienen sollte.

Nur mit Körperstatur Eindruck machen

Die Version des Schützen lautet jedoch anders. Er will dem Firmenchef nur einen Gefallen getan haben und mit ihm zur Wohnung gegangen sein, um dort wegen seiner Körperstatur Eindruck zu machen. Nach dem Öffnen der Tür habe er einen Mann vor sich gesehen, der eine bedrohliche Haltung eingenommen hatte. „Ich bin seit 1991 in der Sicherheitsbranche beschäftigt, bin auch im Umgang mit Waffen vertraut. Der Mann, der die Tür aufgemacht hatte, sah aus, als ob er eine Waffe ziehen wollte.“

Darauf sei er auf diesen zugestürzt, der drehte sich um und lief durch den Flur in ein dunkles Zimmer. „Als ich eintrat, schlug mir jemand mit einem Gegenstand fest auf den Kopf. Da habe ich das Bewusstsein verloren. Ich kam erst eine Weile später zu mir, als ich vor meinem Auto stand. Ich blutete, was in der Zwischenzeit gewesen ist, weiß ich nicht“.

Mehrere Tage auf der Intensivstation

Als er zu seiner Frau nach Hause gefahren war, brachte sie ihn gleich ins Krankenhaus. Er hatte bei dem Geschehen einen Schädelbruch davongetragen, lag mehrere Tage auf der Intensivstation. Nach seiner Entlassung wurde er wie der 43-Jährige in Untersuchungshaft genommen.

Das Verfahren hat noch mehrere Fortsetzungstermine.


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