Beisetzung in Papenburg Mehrere Hundert Trauergäste nehmen Abschied von Walter Remmers

Die Verdienste von Walter Remmers würdigten auf der Trauerfeier Georg Khevenhüller (links), Barbara Havliza und Rainer Robra. Foto: Gerd SchadeDie Verdienste von Walter Remmers würdigten auf der Trauerfeier Georg Khevenhüller (links), Barbara Havliza und Rainer Robra. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Mehrere Hundert Trauergäste haben am Freitag in Papenburg Abschied von dem langjährigen Landesminister Walter Remmers genommen. Der Jurist war vor einer Woche im Alter von 84 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.

Im Anschluss an die Beisetzung im Schatten der St.-Antonius-Kirche und dem Requiem würdigten hochrangige Vertreter der Landesregierungen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie des Malteser-Hilfsdienstes die Verdienste des Verstorbenen. Bereits die heilige Messe, zelebriert von Dechant Pfarrer Franz-Bernhard Lanvermeyer, war durch persönliche Worte geprägt.

Enkel tragen Fürbitten vor

Besonders deutlich wurde dies bei den Fürbitten, die von den Enkeln des früheren Ministers vorgetragen wurden, sowie in einer würdevollen Ansprache des Geschäftsführers der Meyer Werft, Bernard Meyer, der als Freund von Remmers an den Ambo getreten war. Für die niedersächsische Staatskanzlei und das Justizministerium hatte das Land für den Tag der Beisetzung Trauerbeflaggung angeordnet.

Ein leidenschaftlicher Parlamentarier

Justizministerin Barbara Havliza (CDU) machte kein Hehl daraus, dass sie den Verstorbenen nicht besonders gut gekannt habe. Gleichwohl beschrieb sie Remmers – von 1982 bis 1990 einer ihrer Amtsvorgänger, der das Justizressort so lange führte wie weder davor und danach jemand anderes – als einen leidenschaftlichen Parlamentarier und allseits geschätzten Menschen. Der gebürtige Papenburger habe so gar nicht dem Klischee des gestressten, gehetzten und mitunter überheblichen Politikers entsprochen, im Gegenteil. Remmers sei auch nach seiner Zeit als Minister ein hellwacher und humorvoller Mensch geblieben, mit einem großen Interesse an allem, was mit dem Land zu tun hat. „Ich verneige mich in großer Dankbarkeit vor einem großen Niedersachsen“, sagte Havliza.

Mahnung und Ansporn zugleich

Jeden Morgen auf dem Weg ins Büro komme sie an der „Ahnengalerie“ mit den Porträts sämtlicher Amtsvorgänger vorbei, berichtete die 60-Jährige. Das Bild von Walter Remmers sei ihr Mahnung und Ansporn zugleich, betonte die Ministerin. Der Papenburger sei ein „waschechter Emsländer“ gewesen, der die Landespolitik über Jahrzehnte mitgeprägt habe, „aber nie seine Wurzeln vergessen hat“. In diesem Zusammenhang hob Havliza hervor, dass viele Eigenschaften, die den Emsländern gemeinhin nachgesagt würden, einen guten Klang hätten. Fleißig, bescheiden, ausdauernd – diese drei Attribute beispielsweise würden auch auf Remmers voll zutreffen. Überdies sei er ein unbeugsamer, streitbarer Vertreter des Rechtsstaates gewesen – und das in einer politisch nicht einfachen Zeit, betonte Havliza im Hinblick auf die Umtriebe der dritten RAF-Generation. Remmers sei für die RAF-Terroristen einer der am meisten verhassten Repräsentanten eines vermeintlich totalitären Systems gewesen.

Mit natürlicher Autorität

Rainer Robra, unter anderem Chef der Staatskanzlei und Kulturminister in Sachsen-Anhalt, beklagte den Verlust eines „wahrhaft großen und lebensklugen Menschen“. Er erinnerte daran, dass Remmers nach der Wiedervereinigung unter schwierigsten Bedingungen maßgeblich dazu beigetraben habe, als Justizminister (1990–1993) in dem ostdeutschen Bundesland eine unabhängige Justiz aufzubauen. „Alles musste neu geschaffen werden“, sagte Robra. Das sei nicht zuletzt auch deshalb gelungen, weil es Remmers dank seines ausgleichenden Wesens, Einfühlungsvermögens und mit natürlicher Autorität gelungen sei, auf die Menschen zuzugehen und sie mitzunehmen. Dadurch habe er viel Unterstützung erfahren. „Ein Besser-Wessi war Walter Remmers ganz gewiss nicht“, betonte Robra. „Ich verneige mein Haupt vor ihm und seinem Lebenswerk“, so der Minister.

Ein „großer Malteser“

Der ehrenamtliche Präsident des Malteser-Hilfsdienstes Deutschland, Georg Khevenhüller würdigte Remmers indes als einen „großen Malteser“. Fast 50 Jahre habe sich der Verstorbene für den Hilfsdienst engagiert. Das sei ihm trotz aller Verpflichtungen als Politiker und Jurist stets eine Herzensangelegenheit gewesen. „Er war immer ansprechbar und da, wo er gebraucht wurde“, betonte Khevenhüller. Unter anderem habe Remmers in den 1970er-Jahren den Kranken- und Rettungstransport im Emsland aufgebaut. Ihm habe stets die besonders menschliche und aufrichtige Art des Verstorbenen imponiert. Hinzugekommen sei die Gabe, auch in schwierigen Situation rasch Probleme lösen zu können.


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