Interaktion wirkt beklemmend Grand Voyage Díner in Aschendorf nicht überzeugend

Von Katharina Preuth

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Papenburg. Die interaktive Zeitreise des „Grand Voyage Díner“ durch das Gut Altenkamp in Aschendorf ist beklemmend und wenig informativ gewesen. Es gab an dem Abend der Generalprobe herausragende Momente, die Aufführung zählte nicht dazu.

Masken- und Kostümbildner, Requisiten, eine Lichtershow und professionelle Schauspieler: Kulturreferent Angsar Ahlers hat viel Aufwand um das Grand Voyage Díner betrieben. Im Mittelpunkt des Spektakels steht eine Reise durch das Gut Altenkamp von seiner Erbauung 1728 bis zur Zeit der Familie Behnes, den späteren Besitzern des Gebäudes. Schauspieler führen die Zuschauer durch verschiedene Räume, die jeweils eine für das Gut wichtige Zeit markieren.

Kaum Reaktionen

Die große Reise beginnt beim Bau. Architekt Peter Pictorius, gespielt von Falko Glomm, und Vorarbeiter Conradt Stemberg (Kai Kurgan) stellen bauliche Besonderheiten vor, wobei das Publikum helfen soll, einen Segmentbogen zu bauen. Stemberg beschwert sich – als Teil seiner Rolle – dass die Freiwilligen zu langsam arbeiten würden. Interaktives Theater lebt von den Reaktionen des Publikums. Bleiben diese aus, bereitet sich mit der Stille ein beklemmendes Gefühl aus. So auch hier. Die Teilnehmer drängen sich an die Wände und in die Ecken, um ja nicht angesprochen zu werden. Das ist jedoch keineswegs die Schuld des Publikums. Laut Drehbuch ist es die Aufgabe des Vorarbeiters, die Zuschauer zu beleidigen und ihnen mitzuteilen, dass sie nicht in der Lage sind eine gerade Wand zu zimmern. Das mag womöglich in die Zeit passen und auch dem Jargon eines Vorarbeiters dieser Epoche entsprechen, doch tragen Beschimpfungen wenig dazu bei, die Interaktivität der Zuschauer zu steigern. Ganz im Gegenteil.

Professionelle Schauspieler überzeugen

Dies gelingt kurz vor dem Ende der Aufführungen dem Ehepaar Anna Theresia (Christiane Leuchtmann) und Clemens August von Landsberg (Hans Peter Korff) deutlich besser. Hier zeigt sich vor allem die Professionalität und die Erfahrung der beiden Berufsschauspieler. Erfolgreich verwickelt Leuchtmann ihre Gäste, die an einer Mahlzeit der Familie teilnehmen, in ein Gespräch über moderne Frauen. Überhaupt ist es eine Freude, die beiden bei ihrem Spiel zu beobachten. Und selbst die fehlende Distanz zur Bühne – schließlich ist der Zuschauer Teil der Inszenierung – wirkt einzig in diesem Raum nicht beklemmend.

Die Aufführung allein lässt historische Zusammenhänge rund um die Familie Landsberg offen. Es ist nicht einfach, der Handlung zu folgen, ohne über Vorwissen über das Gut und die Geschichte Papenburgs zu verfügen. Dass die großen Themen von der Aufklärung über die napoleanischen Kriege mit einfließen, vereinfacht das Verstehen nicht. Mitunter sorgt so der Auftritt des italienischen Malers eher für Verwirrung. Welche Rolle er in der Geschichte des Gutes spielt, löst sich nicht auf.

Fassade als Leinwand

Im Anschluss an das Theater fassen die Veranstalter von Papenburg Kultur in einem Projektionsmapping die Geschichte des Gutes erneut zusammen. Dafür erstellte die Gestaltungsagentur Grenzfarben aus Berlin einen animierten Film, den ein Beamer auf das Gebäude projiziert. „Sie haben dafür jeden Zentimeter der Fassade abgemessen“, erklärt Marco Köttker von Papenburg Kultur. Fenster und Türen fügen sich somit auf beeindruckende Weise in die Darbietung ein, die einen Eindruck vermittelt, wie sich der Besitz im Laufe der Jahre verändert hat.

Außerdem erwartet die Besucher ein barockes Drei-Gänge-Menü. Für die Aufführung am Sonntag, 16. September, gibt es ab 17.30 Uhr noch Karten an der Abendkasse. Das Ticket kostet 96 Euro. Die Vorstellung am Samstag ist bereits ausverkauft.


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