Aufrichtig, besonnen, ausgleichend Zum Tod von Walter Remmers: Das Emsland verliert einen großen Politiker

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Im Alter von 84 Jahren verstorben: Walter Remmers. Foto: dpaIm Alter von 84 Jahren verstorben: Walter Remmers. Foto: dpa

Papenburg. Trauer um Walter Remmers: Der langjährige Landesminister aus Papenburg ist am Freitag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren verstorben, wie die Familie bestätigte. Mit Remmers verliert das Emsland einen seiner großen Politiker, der die alles andere als unumstritten gewesene Entstehung und Entwicklung des Landkreises zusammen mit seinem Bruder Werner (1930–2011), einst ebenfalls Minister, maßgeblich mitgeprägt hat.

Im Jahr 1970 zog der studierte Jurist, der auch lange dem Kreistag angehörte, für die CDU als direkt gewählter Abgeordneter aus dem Wahlkreis Papenburg erstmals in den Landtag ein und entwickelte sich zu einem Urgestein der Christdemokraten in Niedersachsen. Nach dem Abitur 1954 studierte der Vater von vier Kindern in Berlin und absolvierte seine Referendarausbildung in Niedersachsen. Über die Staatsanwaltschaft Hannover und das Landgericht Aurich kam Remmers als Amtsgerichtsrat nach Papenburg.

Wirtschaftlich durchgestartet

Ein Großteil seines politischen Wirkens fiel in die Ära, in der Papenburg mit Heinrich Hövelmann einen einflussreichen Bürgermeister und in der mit Rudolf Seiters ein weiterer Papenburger als Bundestagsabgeordneter und später als Minister in Berlin wirkte. Das Emsland startete in dieser Zeit wirtschaftlich durch.

Dauer der Amtszeit unerreicht

Remmers selbst war von 1982 bis 1990 Justizminister in der Landesregierung von Ministerpräsident Ernst Albrecht, dem Vater der amtierenden Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die Dauer Amtszeit an der Spitze des Justizressorts wurde weder davor noch danach je wieder erreicht. In die Amtszeit des Papenburgers fielen unter anderem die Aufdeckung der Affäre um das „Celler Loch“, als 1978 der Verfassungsschutz ein Loch in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt (JVA) Celle sprengte, um V-Männer in die RAF einzuschleusen und der Hungerstreik der in der JVA einsitzenden RAF-Terroristen.

Ruhige, ausgleichende Art

Aber auch in den neuen Bundesländern erarbeitete sich Remmers – wegen seiner ruhigen, ausgleichenden Art – hohes Ansehen. Nach der Wiedervereinigung wurde er im November 1990 zum Justizminister Sachsen-Anhalts ernannt. Dort baute Remmers die Justiz, die sich zu DDR-Zeiten fest in der Hand der SED befunden hatte, neu auf. Im Dezember 1993 übernahm der Papenburger für acht Monate das Amt des Innenministers. Remmers gehörte dem Magdeburger Landtag bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2002 an. Danach war der Jurist weiter als Rechtsanwalt in Papenburg und Magdeburg tätig.

Remmers ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, des Verdienstordens des Landes Sachsen-Anhalt sowie Ehrendoktor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Ehrenamtlich für Malteser aktiv

Darüber hinaus war der gebürtige Papenburger Mitglied des Malteserordens und prägte die Diözese Osnabrück als deren Leiter für viele Jahre. Zudem war er als Landesbeauftragter der Malteser für Niedersachsen und einige Jahre auf Bundesebene als Vize-Präsident des Malteser Hilfsdienstes ehrenamtlich aktiv.

Nach den Worten der niedersächsischen Justizministerin Barbara Havliza hat sich Remmers um die Justiz des Landes „mehr als verdient gemacht. Durch seine fachliche Kompetenz und menschliche Wärme konnte er sich inner- und außerhalb der Justiz große Anerkennung erwerben. Er hat das Ministerium auch in bewegten Zeiten souverän geführt.“ Im Landtag in Hannover war Remmers mehrere Jahre gemeinsam mit seinem älteren Bruder Werner tätig. Als Werner Remmers 1986 Umweltminister wurde, saßen die Brüder sogar gemeinsam am Kabinettstisch.

„Im Dienst des Gemeinwohls“

Der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann würdigte Remmers als einen Mann, der die Landespolitik in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt „über Jahrzehnte maßgeblich geprägt“ habe. Remmers sei ein aufrichtiger und besonnener Mensch und Politiker gewesen. „Sein Wirken aus seiner Heimat Papenburg hinaus hat uns alle bereichert“, so Althusmann. In Erinnerung bleibe seine verbindliche und freundschaftliche Art. Remmers habe sein Leben in den Dienst des Gemeinwohls gestellt. Mit seiner großen Erfahrung habe er der Demokratie in Sachsen-Anhalt zum Erfolg verholfen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hob die großen Verdienste hervor, die sich Remmers um den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen erworben habe.

Remmers verstarb in einem Krankenhaus in Oldenburg. Im Oktober wäre er 85 Jahre alt geworden.


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