Schubladen voller Schmerzmittel Lieferprobleme von Ibuprofen im nördlichen Emsland

Von Katharina Preuth

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Einen kleinen Vorrat an Ibuprofen hat Anne Jahn in der Löwen-Apotheke angelegt. Foto: Katharina PreuthEinen kleinen Vorrat an Ibuprofen hat Anne Jahn in der Löwen-Apotheke angelegt. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Die Apotheken im nördlichen Emsland haben unterschiedlich auf die Lieferschwierigkeiten beim Schmerzmittel Ibuprofen reagiert: Einige haben vorgesorgt, bei anderen wird der Vorrat knapp. Als sehr ärgerlich beschreiben sie hingegen alle die Situation.

Seit einem Dreivierteljahr etwa ist bekannt, dass es zu Engpässen bei den Nachbestellungen von Ibuprofen kommen wird. Jetzt ist es soweit. Die Filialleiterin der Papenburger Löwen-Apotheke Anne Jahn tippt verschiedene Packungsgrößen des verschreibungspflichtigen 600-Milligramm-Wirkstoffes in den Computer ein. Sowohl bei den 20-, 50- und 100-Stück-Packungen bekommt sie das gleiche Ergebnis: nicht lieferbar, sagt das System. Wie viele Apotheken im nördlichen Emsland erhält die Löwen-Apotheke ihre Waren vom Großhandel in Rastede bei Oldenburg, doch auch die Händler tauschen sich aus. „Es sieht überall ähnlich aus“, so Jahn. 23 verschiedene Firmen ruft die Apothekerin mit einer Sucheingabe auf, keine kann aktuell liefern. „Heute Morgen konnte eine Kollegin noch bestellen und hat dann direkt zugegriffen“, berichtet sie. Ansonsten haben sie einen Vorrat von allen Packungsgrößen, der etwa dem durchschnittlichen Wochenverbrauch entspricht. Wie viele Packungen die Löwen-Apotheke konkret lagert, will Jahn nicht sagen.

Auf andere Medikamente ausweichen

Sollte eine verschriebene Größe nicht vorhanden sein, müssen sie mit dem Arzt des Patienten Rücksprache halten. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder der behandelnde Arzt stimmt einer anderen Packungsgröße zu oder, wenn es die auch nicht mehr gibt, muss der Patient auf ein anderes Medikament ausweichen. Ibuprofen lindert nicht nur Schmerzen, sondern senkt auch Fieber und hilft bei Entzündungen. Ähnliche Eigenschaften hat auch Diclofenac. Ansonsten könne als Schmerzmittel Paracetamol oder Aspirin eingesetzt werden, doch nur in Rücksprache mit dem Arzt und dem Patienten. Zur Zeit herrschen die Engpässe nur beim verschreibungspflichtigen Ibuprofen, der 400-Milligramm-Wirkstoff ist nach wie vor problemlos erhältlich. Doch würden die Krankenkassen dieses Medikament nicht bezahlen, so Jahn.

Großer Vorrat in Sögel

Einen großen Vorrat hat die Apotheke am Amtsbrunnen in Sögel angelegt. „Wenn wir ab jetzt nichts mehr bekommen würden, könnten wir unsere Patienten bestimmt sechs Monate noch versorgen“, erklärt Inhaberin Eva Kohnen. In ihrer Apotheke gebe es mehrere Schubladen voller Ibuprofen-Packungen. Als das Problem erstmalig diskutiert worden sei, habe Kohnen fast einen ganzen Jahresbestand bestellt. Die meisten Schwierigkeiten gebe es mit der Nachbestellung der 20er-Packung, diese sei manchmal über mehrere Tage nicht zu bekommen.

Bislang haben Kohnen und ihre Kollegen zwar noch jedem Patienten helfen können, aber die Hermes-Apotheke in Dörpen hat Ibuprofen kaum bevorratet, sagt Leiterin Ingrid Schmitz-Lammers. „Es ist sehr ärgerlich, die Lieferschwierigkeiten halten schon zu lange an.“ Vereinzelt mussten Patienten medikamentös bereits umgestellt werden, andere die Hersteller-Firma wechseln, so die Apothekerin.

Der Grund für die Knappheit ist, dass nur sechs Fabriken den Weltmarkt beliefern und das BASF-Werk im US-Bundesstaat Texas seine Produktion zur Zeit komplett eingestellt hat. Das Unternehmen gibt technische Probleme an, die bis Juli hätten gelöst sein sollen. Doch noch immer hat das Werk den Betrieb nicht wieder aufgenommen.


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