Archäologische Ausgrabungen Neue Spuren vorchristlicher Siedlung in Aschendorf

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Aschendorf. Auf der Fläche für ein Neubaugebiet in Aschendorf sind archäologische Untersuchungen angelaufen. Eines lässt sich bereits nach wenigen Tagen sagen: Auf dem Gelände finden sich Spuren einer vorchristlichen Siedlung.

Für Fachleute ist die Erkenntnis wenig überraschend, wie der Archäologe Falk Näth am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich macht. Näth erinnert daran, dass bereits bekannt ist, dass auf dem Areal des angrenzenden Baugebietes „Am Rauhtopf“ Menschen in der vorrömischen Zeit gesiedelt haben. Das hatten Untersuchungen im Frühjahr 2011 ergeben (wir berichteten). Entsprechend ist das Baugebiet nach einem archäologischen Fund, dem Rauhtopf, benannt. Seinerzeit waren Scherben dieser für die Eisenzeit (750 bis 60 v. Chr.) typischen Keramikgefäße gefunden worden.

Weitere Spuren passen ins Bild

Ins erste Bild der Archäologen passt zudem eine Vielzahl von Funden und Befunden, die vor drei Jahren bei Ausgrabungen am Rande des Baugebietes „Habichtshorst“ gemacht worden waren. Dort waren sogar Überreste eines rund 2500 Jahre alten Brunnens entdeckt worden.

Von Suchgräben durchzogen

Die aktuelle, etwa 1,8 Hektar große Erweiterungsfläche an der Waldseestraße ist von vier Suchgräben durchzogen. Ein Bagger hat ganze Arbeit geleistet. Zumeist zwischen 60 und 80 Zentimeter tief sind die etwa 200 Meter langen Kanäle. Die daneben aufgeschütteten Erdhaufen wirken wie überdimensionierte Maulwurfshügel.

Wie Näth erklärt, sind die Gräben stellenweise noch etwas tiefer, um ein exaktes Geoprofil des Bodens zu bekommen. Deutlich sichtbar wird die Schicht aus Eschboden, die Näth zufolge etwa im 10. Jahrhundert „aufgeplackt“ worden ist. „Daher stammt übrigens das Wort Plackerei“, sagt der Archäologe von der Firma Denkmal 3D aus Vechta, die von der Stadt Papenburg im Rahmen denkmalschutzrechtlicher Bestimmungen mit der Untersuchung beauftragt worden ist.

Wie eine Isomatte

Etwa 60 Zentimeter unter der Eschbodenschicht, die nach Nähts Worten wie eine Isomatte wirkt, treten die Befunde zutage. Sicher nachweisen lassen sich dem Archäologen zufolge typische Siedlungsbefunde in Form von Spuren verrotteter Holzpfosten. „Im Boden sind sie als tellergroße Erdverfärbungen zu erkennen“, erklärt Näth. Idealerweise lassen sich aufgrund der Spuren komplette Grundrisse von Gebäuden nachzeichnen. Inwieweit diese wiederum Rückschlüsse auf die Größe der Siedlung zulassen, hängt davon ab, ob sich nachweisen lässt, dass es sich bei den Häusern um Bauten verschiedener Generationen handelt. „Womöglich hat ein Sohn seine Hofstelle neben der des Vaters errichtet“, erklärt Näth.

Über die nasskalte Witterung samt bedecktem Himmel ist der Archäologe im Übrigen erfreut. Dieses Wetter verhindere, dass die Suchgräben durch Sonneneinstrahlung rasch austrocknen.

Grell leuchtende Fähnchen

Wie ergiebig die Prospektion am Ende tatsächlich ist, muss sich aber erst noch zeigen. Für den Moment hat Näth etwa 70 Verdachtsstellen mit grell leuchtenden Fähnchen in Orange, Pink und Gelb markiert. Bis Donnerstagabend will der Archäologe alle begutachtet, dokumentiert und fotografiert haben. Dann erfolgt ein erster Kurzbericht an die Denkmalbehörden, eine ausführliche Version folgt. Letztlich setze das Landesamt für Denkmalpflege den weiteren Untersuchungsrahmen fest.

„Es ist ein bisschen wie Erbsenzählen oder die Suche nach den richtigen Puzzleteilen“, skizziert Näth seine Arbeit. Dazu zählen auch Funde von einigen Keramikstücken, die der Archäologe bereits gemacht hat. Auch bei den Scherben handele es sich um typisch eisenzeitliches Material – den Rauhtopf“, sagt Näth.


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