Heinz Schulte geht in den Ruhestand Rente nach 50 Jahren: So war das Arbeitsleben eines Papenburger Heizungsbauers

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Tipps zum richtigen Schweißen gibt Heinz Schulte dem Auszubildenden Mirco Ibelings. Auch Vater und Großvater des 18-Jährigen waren schon bei Kuhr beschäftigt. Foto: Gerd SchadeTipps zum richtigen Schweißen gibt Heinz Schulte dem Auszubildenden Mirco Ibelings. Auch Vater und Großvater des 18-Jährigen waren schon bei Kuhr beschäftigt. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Das ist selten: Ein halbes Jahrhundert hat der Heizungsbauer Heinz Schulte aus Papenburg für das Unternehmen Kuhr aus der Fehnstadt gearbeitet. Nun wechselte er in den Ruhestand und hat sich ein Hobby zugelegt: Kamerunschafe. Hochzufrieden blickt der 69-Jährige auf ein Arbeitsleben mit mancher Anekdote zurück.

„Es war schön auf dem Bau. Ich bin immer mit Spaß zur Arbeit gegangen, auch wenn es mal stressig war“, sagt Schulte im Gespräch mit unserer Redaktion. In dem Jahr, in dem er in den Dienst des Familienunternehmens eintritt, ist Deutschland von der Bürgerrechts- und Studentenbewegung geprägt. In den USA wird der Baptistenprediger Martin Luther King ermordet und in der damaligen Tschechoslowakei wird der „Prager Frühling“ vom Ostblock-Militär niedergeschlagen.

Schweißen gehörte zum Arbeitsalltag

Schulte beginnt bei Kuhr als Rohrschlosser. Sein erster Einsatz führt ihn zur Hauptschule Esterwegen. Dort mussten Isolierungsarbeiten erledigt und Heizungsrohre verlegt werden. Die sind seinerzeit noch aus Stahl. Schweißen gehört zum Arbeitsalltag. Schulte bringt es sich nach Feierabend selbst bei. Dabei vergisst er manchmal die Zeit, sodass ihn der damalige Chef Josef „Job“ Kuhr, oft selbst bis spätabends im Büro, mehr als einmal ermahnen muss, für heute endlich Schluss zu machen. Später belegt Schulte mehrere Schweißlehrgänge. „Das Schweißen musste man schon beherrschen“, sagt er.

Der Papenburger hat mit insgesamt drei Chefs zusammengearbeitet und den Betrieb wachsen sehen. Außer „Job“ waren es dessen Vater Bernhard und der Sohn Michael, der das 1930 aus einer Schmiede hervorgegangene Unternehmen heute führt. An allen Dreien schätzt der 69-Jährige, dass man mit jedem Problem zu ihnen kommen kann, beziehungsweise konnte. „Es gab immer ein offenes Ohr“.

Heute mehr Zeitdruck

Was Schulte an seiner Arbeit besonders mochte, war, dass am Ende des Tages sichtbar war, was er geschafft hatte. Dabei kam es nach seinen Worten früher mehr auf Handarbeit an als heute. „Man musste mehr Gefühl fürs Material haben.“ Heutzutage würde vieles vorgefertigt aus der Industrie geliefert. „Es wird weniger geschweißt, sondern mehr gepresst. Das geht schneller“, sagt Schulte. „Früher war die Arbeit körperlich schwerer, heute ist sie es mental. Der zeitliche Druck ist höher.“

Die Arbeitsbedingungen seien im Vergleich zur Gegenwart schwieriger gewesen. Ein Beispiel: Während sich die Heizungsbauer einst mit Hammer und Meißel durch Betondecken kämpfen mussten, werden heute Kernbohrungen gemacht. Zudem mussten schwere Heizkörper aus einzelnen Sektionen montiert werden. „Zusammennippeln“ nennen die Fachleute das.

Kessel aus schweren Bauteilen

Aus schweren Bauteilen bestanden einst auch die Heizkessel – so wie der im damaligen Krankenhaus in Aschendorf. Wie sich Schulte erinnert, hatte der Kessel drei Jahre nacheinander, jedes Mal kurz vor Weihnachten, ein Leck. „Da konnte man die Uhr nach stellen.“ Und ausgerechnet war dieses Leck stets in der Mitte des Kessels. Das bedeutete, dass das defekte Kesselglied ausgebaut und durch ein neues ersetzt werden musste. „Das war Millimeterarbeit.“ Dies zu justieren, sei schon eine Kunst gewesen.

Nach dem Essen verschlafen

Ein einziges Mal in 50 Jahren hat Heinz Schulte verschlafen – und zwar nicht morgens vor der Arbeit, sondern mittags. Es war auf einer Baustelle in Völlenerfehn. Dort wurden er und sein Lehrling von den Hausherren, ein älteres Ehepaar, bestens mit Essen und Getränken versorgt. „Und wie es damals üblich war, blieben nach dem Mittagessen alle am Tisch sitzen, um fünf Minuten Augenpflege zu machen“, erinnert sich Schulte. Aus fünf Minuten wurden 45. Der Papenburger erschrak. „Alle waren eingeschlafen. Und der Stift hat nichts gesagt.“ Als sich der Heizungsbauer die Augen rieb und zurück an die Arbeit wollte, bremste ihn die Dame das Hauses. „Nun könnt ihr zum Tee gleich sitzenbleiben“, habe sie gesagt.

„Flammenfest“ wie Schiffstaufe

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Schulte außerdem an ein „Flammenfest“ in Burlage. Das wurde früher auf einem Neubau gefeiert, wenn die Heizungsanlage fertig installiert war und zum ersten Mal angefeuert wurde. „Da haben wir wie bei einer Schiffstaufe eine Sektflasche am Kessel zerschellen lassen.“

Zuletzt aktiv Hand angelegt hat Heinz Schulte bei der Erneuerung der Heizungsanlagen in der Stadthalle Forum Alte Werft und im Klärwerk. Außerdem kümmerte er sich um die Auszubildenden in der Werkstatt sowie um Schüler im Rahmen des Projekts „Generationenwerkstatt“. Firmenchef Michael Kuhr, der aktuell knapp 90 Mitarbeiter beschäftigt, würdigt Schulte als einen absolut zuverlässigen Kollegen, „der immer gut drauf ist und von dem auch ich handwerklich einiges gelernt habe“.

Außer um seine derzeit sechs Kamerunschafe kümmert sich Heinz Schulte jetzt um Haus, Hütte und Garten. Und wenn das seinen Lebensabend nicht ausfüllt. „Dann komme ich vielleicht zurück“, sagt er.


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