Aufrütteln und sensibilisieren Ausstellung über Unfalltod wandert durch Papenburger Schulen

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Die Bedeutung der Ausstellung unterstreichen (von links) Stefan Sürken (BBS-Brandschutzbeauftragter), Gerd Müßing, Michael Walker, Peter Peters, Dieter Rothlübbers und BBS-Verkehrssicherheitsberater Wilhelm Hinrichs Foto: Gerd SchadeDie Bedeutung der Ausstellung unterstreichen (von links) Stefan Sürken (BBS-Brandschutzbeauftragter), Gerd Müßing, Michael Walker, Peter Peters, Dieter Rothlübbers und BBS-Verkehrssicherheitsberater Wilhelm Hinrichs Foto: Gerd Schade

Papenburg. Acht Unfälle im Emsland und der Grafschaft Bentheim, davon sieben von Fahranfängern verursacht, und 14 Tote: So ist eine Wanderausstellung aufgebaut, die das Verkehrspräventionsprojekt „Abgefahren – wie krass ist das denn?“ verstärkt. Die Ausstellung zog am Montag von den Berufsbildenden Schulen (BBS) Papenburg weiter ins Mariengymnasium.

Der Appell ist eindeutig. „Ihr sollt leben!“, ist die Ausstellung überschrieben, die in den vergangenen 14 Tagen im Forum der BBS (Technik und Wirtschaft) aufgebaut war. Als Pappkameraden zeigt sie Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Notfallseelsorger, Polizeibeamte, Unfallverursacher, Opfer und Angehörige. Sie offenbaren ihre persönlichen Erlebnisse an schweren Verkehrsunfällen mit Fahranfängern. Die Ausstellung bietet eine Vertiefung des Präventionsprojektes. Dessen Kern ist die schonungslose Konfrontation von Schülern der Jahrgangsstufen 11 mit emotionalen Bildern und Schilderungen des Grauens von Einsätzen bei tödlichen Verkehrsunfällen in der Region. Das geht jedes Mal mehreren Hundert Schülern unter die Haut.

(Weiterlesen: Mehr als 750 Schüler hören schockierende Unfallberichte in Papenburg)

Mit Bewertungen über den Erfolg von „Abgefahren – wie krass ist das denn?“ müsse man vorsichtig sein, mahnt Dieter Rothlübbers von der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Wermeling leitet. Fakt ist nach seinen Worten aber, dass die Zahl der schweren Verkehrsunfälle mit jungen Fahranfängern (18 bis 24 Jahre) seit dem Start vor fünf Jahren zurückgegangen sei. „Abgefahren“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notfallseelsorge, Unfallverursachern und Opfern.

Angenommen und wahrgenommen

Wie BBS-Schulleiter Peter Peters berichtet, ist die Ausstellung durch die Schüler angenommen und wahrgenommen worden. „Das konnte man während der Pausen beobachten“, sagt Peters. Die BBS legen nach seinen Worten großen Wert auf die Nachhaltigkeit des Projektes und begleiteten es entsprechend intensiv. Ähnlich sieht es an den benachbarten BBS für Hauswirtschaft und Soziales aus, wie deren Schulleiter Michael Walker betont.

Auf Trauerarbeit eingestellt

„Die Polizei ist darauf angewiesen, dass sich die Schulen den Präventionsprojekten annimmt“, sagt der Verkehrssicherheitsberater der Polizei in Papenburg, Gerd Müßing. Dazu gehören beispielsweise auch Verkehrssicherheitswochen mit der Präsentation von Unfallwagen oder Vorträge von Richtern und Rechtsanwälten.

Peters hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass sich die BBS inzwischen auch auf Formen der Trauerarbeit eingestellt habe. Sichtbar werde dies unter anderem in einem eigens hergerichteten Raum. Als Schule müsse man reagieren, wenn eines Morgens plötzlich ein Platz in der Klasse für immer frei bleibt.

Leid nicht zu ermessen

Auch die Ausstellung macht deutlich, dass ein Unfalltod große Löcher in das Leben der Angehörigen des Opfers und das seiner Freunde reißt. „Kein Mensch kann ermessen, wie viel Leid in eine Familie getragen wird, wenn ein junger Mensch aus dem Haus geht und nicht zurückkehrt“, heißt es im Begleitblatt zur Ausstellung.

Sie will aufrütteln, sensibilisieren sowie ein Bewusstsein für Leid und Trauer schaffen. In 14 Tagen wandert sie vom Mariengymnasium weiter zum Gymnasium Papenburg.


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