„Immer ehrlich zueinander“ Ehe in Papenburg hält seit 60 Jahren: So geht’s

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Papenburg. Kennengelernt haben sie sich auf einem Schützenfest, und zumindest bei einem hat es sofort gefunkt. Am Dienstag, 4. September 2018, blicken Wilhelmine und Jakob Kossenjans aus Papenburg auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück. Jakob Kossenjans bereut nichts. „Ich würde es sofort wieder tun“, sagt der 81-Jährige.

1958. Rock-’n’-Roll-Legende Elvis Presley wird als US-Soldat in Deutschland stationiert, Brasilien Fußballweltmeister in Schweden durch einen 5:2-Sieg gegen die Gastgeber, bei dem ein 17-Jähriger namens Pelé zwei Tore beisteuert, und Artur Fischer erfindet den S-Dübel, der auch heute noch unter dem Namen Fischerdübel bekannt ist. Am 4. September 1958 liefen Wilhelmine und Jakob Kossenjans in den Hafen der Ehe ein. Seitdem sind sie gemeinsam auf Kurs. Das abgegriffene maritime Bild zum Bund fürs Leben passt in diesem Fall. Schließlich ist Jakob Kossenjans jahrelang zur See gefahren. Später begleiteten ihn auch seine Frau und zeitweise auch die ältesten Kinder.

Kein Zuckerschlecken

Jakob Kossenjans ist 19 Jahre jung, als ihm die damals 16-jährige Wilhelmine Tramontin in einem Schützenfestzelt in Emden über den Weg läuft. „Als ich sie gesehen habe, hat es gleich gefunkt“, sagt Jakob Kossenjans. „Das ist bis zum Tage so geblieben“, schwärmt der Papenburger im Gespräch mit unserer Redaktion anlässlich der diamantenen Hochzeit.

Bis die beiden tatsächlich ein Paar werden, vergeht allerdings mehr als ein Jahr. Das liegt auch daran, dass sich der junge Jakob Kossenjans als Heizer auf Seeschiffen verdingt. Auf Erzfrachtern pendelt er zwischen Narvik (Norwegen, nördlich des Polarkreises) und Emden. Die Fahrten führen ihn aber beispielsweise auch nach Japan (Kobe) und in die USA (San Francisco). Das Leben auf den Steamschiffen ist aber kein Zuckerschlecken. Geheizt wird mit Kohle. Das bedeutet harte Arbeit. Jakob Kossenjans ist gelernter Binnenschiffer und nach eigenem Bekunden mit 40-Tonnern durch die Papenburger Kanäle gefahren.

Wilhelmine Tramontin arbeitete derweil als Haushaltshilfe und in einer Emder Fischerei. Ihr Vater war ein Italiener mit 40 Dienstjahren bei der Bahn, die Mutter Niederländerin.

Verlobung Weihnachten

Bevor sich Wilhelmine und Jakob Kossenjans am 2. Weihnachtstag 1957 verloben dürfen, muss der Papenburger seinen Schwiegervater in spe um Erlaubnis fragen. „Er war streng katholisch“, erinnert sich Kossenjans.

Nach der Hochzeit wechselt der Papenburger zurück zur Binnenschifffahrt. Wilhelmine ist mit an Bord. Später auch die ältesten drei der insgesamt neun Kinder, die aus der Ehe hervorgehen. Transportiert werden Massengüter wie Kohle, Koks und Erz – mal nach Dortmund, mal nach Hannover und mal ins seinerzeit geteilte Berlin.

Sesshaft wird die Familie in Papenburg, als das älteste Kind schulpflichtig wird. Jakob Kossenjans schult zum Schiffbauer um und fängt bei der Sürken-Werft an. Nach einigen Jahren nimmt er wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten eine Stelle als Schweißer auf einer Bohrinsel an. Seine Frau hält den Laden zu Hause zusammen und kümmert sich um die wachsende Familie – nicht nur, weil Jakob Kossenjans beruflich mitunter wochenlang nicht daheim sein kann. „Ich habe viel von der Welt gesehen“, sagt er. „Vor allem viel Wasser und Eisen.“ Der Papenburger vertritt im Übrigen die Auffassung, noch nicht wirklich seit 60 Jahren verheiratet zu sein. „Ich muss doch zusammengerechnet die Jahre abziehen, in denen ich nicht zu Hause war“, sagt er schmunzelnd.

Das Geheimnis des langen Ehelebens ist für das Paar aber ein anderes. „Wir waren immer ehrlich zueinander“, sagt Jakob Kossenjans. „Es war zwar nicht immer Sonnenschein, aber wir haben uns immer wieder zusammengerauft. Liebe schweißt zusammen“. Seine Frau nickt vielsagend.

Zusammen genießt das Paar seinen Lebensabend, in dem nicht nur die Kinder, sondern auch die 24 Enkel und 33 Urenkel eine große Rolle spielen. Allein drei sind in diesem Jahr zur Welt gekommen, das jüngste ist vier Wochen alt.


Im Emsland wurden im vergangenen Jahr 142 Diamanthochzeiten gefeiert. 692 Paare waren seit 50 Jahren verheiratet, 30 durften auf das eher seltene Fest der Eisernen Hochzeit (65) zurückblicken, drei Ehepaar sogar auf 70 gemeinsame Ehejahre (Gnadenhochzeit).

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