Was Tropen-Helmut noch wusste Kolumne: Keine Dürrehilfen für Bad Papenburg

Von Helmut Tropen

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Helmut Tropen. Screenshot: Christian BellingHelmut Tropen. Screenshot: Christian Belling

Papenburg. Beim Fußballgucken in Papenburg kann Bini Pötter richtig Dampf ablassen; weniger über das Spiel, sondern über ausbleibende Dürrehilfen trotz Ernteausfällen, die Not von Kleintierzüchtern und den Reiz von Steingärten:

Wenn Bini Pötter viel Spaß für wenig Geld hat, trifft man sie regelmäßig zu Heimspielen der Blau-Weißen im Bad Papenburger Sportpark. Man hört sie meistens schon von Weitem. Entweder fachsimpelt Bini lautstark mit den emsigen, ehrenamtlichen Helfern, kritisiert den Schiedsrichter mit haltlosen Beschimpfungen oder brüllt die Kugel förmlich selbst in des Gegners Gehäuse.

Nicht so am letzten Sonntag. Zwar siegt die begeisternde Elf um Marek Janssen und Daniel Lass einmal mehr in mitreißender Manier, doch Bini bleibt stumm und ist bedrückt. Grund für ihren Missmut, so lässt sie mich wissen, sei die Verweigerungshaltung von Landkreis und Kommune. „Kien Penning willt se doon. De Bröörkes sitten up us Stüürgeld!“, keift Bini. Sie spielt damit auf die abgelehnten Dürrehilfen für die Schrebergarten-Siedlung „De Maihüüskes e. V.“ am Hardy-Loppmann-Ring an. Bini selbst habe massive Ernteausfälle insbesondere beim Kohlrabi, den Zucchini und sogar beim robusten Wirsing zu beklagen. „Na över 20 Jahren gifft dat för’d eerste Maal kien Krüüsbejen-Marmelaad. Dat Gejösel van d’ Harvst sall mi’t wunnern!“ Ihre Forderung in Höhe von 76,30 Euro für Dürreschäden und Ernteausfälle wurde als maßlos und unverhältnismäßig zurückgewiesen. Zudem bleibe sie auf den Kosten für fünf Flaschen Mariacron sitzen, die sie der Freiwilligen Feuerwehr für das Spülen eines Grundwasserbrunnens spendierte.

Noch schlimmer dran als die Laubenkolonie sei der benachbarte Kaninchenzucht-Verein. Weil Rasen- und Grünflächen seit Wochen nicht mehr wachsen, herrsche eine nie da gewesene Futtermittelknappheit, die die Kleintierzüchter zu drastischen Maßnahmen zwinge: „Siet Dagen bün se an’t Notslachten. De Fröstkast sitt bit boven hen vull Knienen“, berichtet Bini in der Halbzeitpause. Während einerseits weder für Meister Lampe noch für verdorrte Dicke Bohnen Geld zur Verfügung stehe, wird der Zaster andererseits mit vollen Händen für allerlei unnützen Schnickschnack ausgegeben, schafutert Bini weiter. Ihr Augenmerk richtet sich dabei auf das mehr als 100 000 Euro teure Hightech-Straßen-Messfahrzeug – das neueste Verwaltungsspielzeug.

Um letztlich mehr Zeit für den Support der Blau-Weißen zu erübrigen, plant Bini, ihr Grundstück in einen hübschen Steingarten zu verwandeln. Eine solche Schotterwüste lade zu Müßiggang ein, beinhalte weder Geist noch Leben und finde sich in Bad Papenburg dutzendfach in jeder Neubausiedlung. Da müsse sie eben auch mal mit der Zeit gehen und dürfe sich neuen Trends nicht verschließen, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Kurz vor dem Schlusspfiff bietet Bini mir für schmales Geld sogar ihre Parzelle in der Laubenkolonie an. Dankend lehne ich ab. Denn so eine Schrebergartensiedlung ist in meinen Augen ein bisschen wie ein Zoo, in dem sich die Tiere selbst verwalten. Und fürs Verwalten sind in unserer Stadt andere zuständig.


Helmut Tropen, eine Facebook-Kunstfigur des Papenburgers Achim Goldenstein, nimmt für unsere Zeitung an jedem ersten Samstag im Monat die Geschehnisse seiner geliebten Heimatstadt mit satirisch-spitzer Feder aufs Korn.

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