Kostenlose Haarschnitte beim SKFM Syrischer Frisör stylt Bedürftige in Papenburg

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Einen neuen Haarschnitt bekommt Marcel Anasch von Frisör Adib Yazgy. Foto: Katharina PreuthEinen neuen Haarschnitt bekommt Marcel Anasch von Frisör Adib Yazgy. Foto: Katharina Preuth

Papenburg. Papenburg. Der syrische Frisör Adib Yazgy schneidet den Wohnungslosen beim Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) Papenburg kostenlos die Haare. Als Flüchtling kam er nach Deutschland und hat viel Unterstützung erhalten. Diese Hilfe möchte er zurückgeben.

Ein Spiegel mit goldenem Rahmen thront provisorisch auf einer Holztruhe, davor steht ein Stuhl. Auf einem Esstisch daneben hat Yazgy Föhn, Scheren, Kämme, Pinsel, Haarspray und Gel ausgebreitet. Das Equipment hat er selbst mitgebracht. Sein nächster Kunde ist Marcel Anasch, ihm legt der Frisör den obligatorischen schwarzen Kittel um. "Wie immer?", fragt Yazgy. "Oben gerne etwas kürzer als beim letzten Mal", bekommt er als Antwort. 

Bis zu 15 Kunden

Obwohl der Syrer erst seit April den Klienten des SKFM die Haare schneidet, sitzen einige von ihnen bereits zum zweiten oder dritten auf dem Stuhl vor dem Spiegel. "Normalerweise brauchen neue Projekte länger, bis sie angenommen werden. Viele gehen erst einmal auf Distanz", erklärt Sozialarbeiterin Veronika Wegmann. "Dass daraus so schnell ein Selbstläufer wird, kennen wir so gar nicht." Doch fast von Beginn an sitzen zehn bis 15 Gäste im umfunktionierten Kaminzimmer der Einrichtung und warten auf einen neuen Schnitt. 

Drei Salons in Syrien

Zwei Stunden jeden letzten Dienstag im Monat nimmt sich Yazgy Zeit für die ehrenamtliche Arbeit. Normalerweise ist er im Oriental Hair Salon in Papenburg angestellt. Vor zweieinhalb Jahren kam der 36-Jährige mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Deutschland. In seinem Heimatland hat er drei Frisörsalons betrieben und gemeinsam mit seiner Frau, auch gelernte Frisöse, möchte er gerne auch hier, am  liebsten schon bald, seinen eigenen Laden betreiben.

Offizielles OK

"Ich habe von der deutschen Regierung viel Hilfe bekommen und möchte sie zurückgeben", so Yazgy. Als er mit seiner Familie in dem fremden Land ankam, hätte er finanzielle Unterstützung erhalten, aber auch einen Schulplatz für die Kinder oder ärztliche Behandlung. 

Normalerweise sind die Berührungspunkte zwischen dem SKFM und der Integrationsarbeit gering, sagt Geschäftsführer Holger Gerdes. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hätte ihnen Yazgy vermittelt. Dadurch dass er die Wohnungslosen frisiert, würde er auch anderen Frisören nicht die Kunden wegnehmen, da die meisten Umherziehenden sich entweder selbst die Haare schneiden würden oder sie wachsen lassen, "Ich habe mit der Innungsmeisterin gesprochen und ein offizielles Ok bekommen", so Gerdes. 

Ein echtes Zusatzangebot

Nebenbei hilft der Syrer Vorurteile abzubauen. Es gebe hin und wieder Missgunst gegenüber Flüchtlingen, gespeist aus Unwissenheit. "Unsere Klienten lernen ein persönliches Schicksal hinter den Schlagzeilen kennen", sagt der Geschäftsführer. "Es ist schön zu sehen, wie eine Idee perfekt funktioniert. Wir haben ein echtes Zusatzangebot geschaffen." In der Wohnungslosenhilfe im Emsland ist der kostenlose Friseurbesuch einmalig. 

Marcel Anasch hat mittlerweile einen neuen Schnitt bekommen. Die Haare an den Seiten sind kürzer, oben jedoch hat sich kaum etwas verändert. "Adib sagt, ich soll die wachsen lassen und beim nächsten Mal macht er dann was neues", erzählt er. 


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