Wer hat wen provoziert? Tod nach Marktbesuch in Werlte: Zeuginnen widersprechen Angeklagtem

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Vor dem Landgericht Osnabrück muss sich ein 34-jähriger Mann aus dem Landkreis Cloppenburg wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaVor dem Landgericht Osnabrück muss sich ein 34-jähriger Mann aus dem Landkreis Cloppenburg wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Osnabrück/Werlte. Hat das spätere Opfer den Angeklagten provoziert oder war es umgekehrt? Im Prozess um den Tod eines Besuchers des Herbstmarktes in Werlte 2017 haben Zeuginnen vor dem Landgericht Osnabrück eine andere Darstellung des Geschehens geliefert, als es der Angeklagte getan hat. Der 34-Jährige aus dem Landkreis Cloppenburg will mit einem Bierglas geschlagen worden sein und seinem Widersacher deshalb später aufgelauert haben, wobei es zu den tödlich verlaufenden Verletzungen gekommen sein soll.

Die drei befreundeten Frauen hatten den Herbstmarkt besucht und waren Zeuginnen des ersten Aufeinandertreffens zwischen dem 31-jährigen späteren Opfer und dem Angeklagten geworden. Obwohl sie das Geschehen alle nicht genau gesehen, sondern höchstens aus den Augenwinkeln mitbekommen haben wollen, waren sich die drei in ihren Aussagen in einem Punkt einig: „Ich habe gesehen, wie der Angeklagte seinen Bierkrug von der linken in die rechte Hand genommen und den anderen damit an den Kopf geschlagen hat“, bestätigte eine von ihnen die Angaben der beiden zuvor vom Gericht gehörten Zeuginnen.

Aus Rache aufgelauert

Von denen hatte eine ausgesagt, sie habe in dem vom Krug Getroffenen den Mann erkannt, der später in Internetforen als das Todesopfer bezeichnet worden war. Nach dem Schlag an den Kopf hätten ihn zwei Bekannte fortgezogen, sodass alles Weitere nicht mehr von der Zeugin habe beobachtet werden können.

Im Gegensatz dazu hatte der Angeklagte angegeben, von dem späteren Opfer mit einem Glas ins Gesicht geschlagen worden zu sein. Aus Rache habe er ihm später auf einem in der Nähe befindlichen Parkplatz aufgelauert und ihn mit Schlägen niedergestreckt. Dabei soll er, so wirft es ihm die Staatsanwaltschaft vor, dem auf den Boden Liegenden gegen den Kopf getreten zu haben. Der später von Passanten leblos aufgefundene 31-Jährige war drei Tage später an den Folgen der erlittenen Verletzungen verstorben.

Zuerst als Unfall eingestuft

Zuerst war der Tod des Mannes von den Behörden als ein Unfall ohne Fremdverschulden eingestuft worden. Untersuchungen des Leichnams in der Gerichtsmedizin in Oldenburg waren als Folgen eines früher erlittenen Unfalls oder denen eines akuten Krankheitsfalles diagnostiziert worden. Im Nachhinein war in Internetforen intensiv über eine Gewalttat diskutiert worden, woraufhin Ermittlungen aufgenommen wurden.

Vier Monate später war der jetzt auf der Anklagebank sitzende 34-Jährige festgenommen worden. Zu Prozessbeginn hat er die Tat in Teilen eingeräumt. Die Anklage gegen ihn lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Das Verfahren wird fortgesetzt.


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