Treffen in Kesselschmiede VW-Fans kommen in Papenburg auf ihre Kosten

Von Hermann-Josef Tangen

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Papenburg. Mehr als 150 Teilnehmer und rund 80 Fahrzeuge kamen am Sonntag zur zweiten Auflage des „MK1-Treffens“ zur Papenburger Kesselschmiede. Zu bewundern gab es Erstserienfahrzeuge und diverse luftgekühlte Modelle des Herstellers Volkswagen.

Was dem Besucher beim Betreten des Geländes auffällt: Die gezeigten Automobile sind Relikte aus einer Zeit, in der sie noch in kräftigen, leuchtenden Farben um Aufmerksamkeit buhlen durften und sich nicht, wie heute üblich, hinter schwarz oder grau lackierter Monotonie in der Masse verstecken mussten.

Da stehen Golf- und Passat-Modelle der ersten Baureihe in zitronengelb, grasgrün und orange neben liebevoll restaurierten Sciroccos in türkisblau, bronze und feuerrot. Größtenteils so, wie sie damals in den 1970er bis 1980er Jahren werksseitig angeboten und verkauft wurden. Die meisten Besitzer der sogenannten MK1-Modelle geben sich aber nicht damit zufrieden, ihre Fahrzeuge im Originalzustand zu belassen, sondern verpassen ihnen durch Tuning-Kits und rennsportähnliche „Kriegsbemalungen“ ein ganz individuelles Erscheinungsbild.

Lebendig gehaltene Jugendkultur

Und so sind die ausgestellten Exponate nicht nur eine Reise in die automobile Vergangenheit, sondern auch ein Stück lebendig gehaltener Jugendkultur jener Tage, die sich neben Rundumspoilern, Breitreifen und Tieferlegungssätzen auch durch Fuchsschwänze, Wimpel-Leinen und Sonnenschutzrollos im Heckfenster, umhäkelte Klopapierrollen und Wackel-Dackel auf der Hutablage manifestiert. „Erlaubt ist, was gefällt und was den Kriterien entspricht“, sagen Christin und Uwe Michel, die Organisatoren von „Emscoastcustoms“, die dem Oldtimertreffen nach dem Erfolg im vergangenen Jahr zu einer Neuauflage am gleichen Standort verholfen haben.

Gezeigt wurden alle Golf-Modelle der ersten Serie als Zwei- und Viertürer sowie in der Cabrio-Version einschließlich Face-Liftings und Umbauten zu Pick-Ups, deren Ableger Scirocco, das Sportcoupé auf der gleichen Plattform, diverse Derby- und Jetta-Modelle, Käfer, Passat, Caddys und als luftgekühlte Brüder aus gleichem Hause mehrere VW Bullis als T1-Modelle, zum teil auch im „Gammel-Look“.

Schaltknauf in Kugeloptik

Für die Teilnehmer aus dem emsländischen und ostfriesischen Raum sowie aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und einzelnen VW-Freunden aus den Niederlanden stellen ihre „Mark-Ones“ indes etwas ganz Besonderes dar. „Das MK-1 eines Herstellers ist für einen Autoliebhaber das, was die Erstausgabe eines erfolgreichen Buches für den Sammler literarischer Werke darstellt“, bringt der 43-jährige Stefen Seidel aus Bremen die Leidenschaft der Erstserien-Enthusiasten auf den Punkt, während er ein junges Pärchen in seinem 40 Jahre alten Scirocco Platz nehmen lässt. Und die beiden staunen nicht schlecht, als sie von den braun und ockerfarben gestreifen Sportsitzen aus auf die für heutige Verhältnisse spartanisch anmutende Armaturentafel mit Kippschaltern, Radio-Cassettenspieler, Lenkrad mit gelochten Speichen und tiefem Pralltopf blicken und ihre Hand auf den an einem langem Gestänge befestigten Schaltknauf in Kugeloptik legen.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz und mit dem noch besseren Zulauf an Besuchern“, freuen sich die Organisatoren – und stellen eine Fortsetzung im nächsten Jahr in Aussicht.


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