Erinnerungen an die (Nach-)Kriegszeit Nach 65 Jahren: Klassentreffen in Papenburg

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Klassentreffen mit Gästen (von links): Hans Rosema, Gebina Hockmann (geb. Voskuhl), Gertrud Eichhorn (Gast), Bernhard Berlage, Änne Berlage-Appeldorn (Gast), Heinz Vogdt, Marianne Janßen (Belle), Theo Depping, Irmgard Sonntag (Lind), Agnes Vogdt (Gast), Jan Rosema (Splitting), Gisela Lind (Heyen) und Gastgeberin Leni Kassens (Röttgers). Foto: VogdtKlassentreffen mit Gästen (von links): Hans Rosema, Gebina Hockmann (geb. Voskuhl), Gertrud Eichhorn (Gast), Bernhard Berlage, Änne Berlage-Appeldorn (Gast), Heinz Vogdt, Marianne Janßen (Belle), Theo Depping, Irmgard Sonntag (Lind), Agnes Vogdt (Gast), Jan Rosema (Splitting), Gisela Lind (Heyen) und Gastgeberin Leni Kassens (Röttgers). Foto: Vogdt

Papenburg. 65 Jahre nach ihrer Entlassung aus der damaligen Mühlenschule am Vosseberg in Papenburg haben zehn Klassenkameraden von damals ein Wiedersehen gefeiert.

Wie einer der Schüler des Entlassungsjahrgangs 1953, Heinz Vogdt, berichtet, waren er und seine Mitschüler der letzte Jahrgang, der aus der anno 1798 erbauten katholischen Volksschule entlassen wurde. 1944, ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkrieges, waren sie eingeschult worden. Bei Fliegeralarm sei der Unterricht sofort abgebrochen worden, erinnert sich Vogdt. „Wir Kinder rannten dann nach Hause oder wurden von unseren Eltern mit dem Fahrrad auf halbem Wege abgeholt. Für den Notfall konnten wir entlang des weithin frei einsehbaren Schotterweges Mühlenstraße in eigens ausgehobene 50 Zentimeter tiefe Löcher springen.“

Auch an die Indoktrination durch die Nationalsozialisten in der Schule kann sich Vogdt noch gut erinnern. Wenn der Unterricht weiterging, sei den Schülern erklärt worden: „Deutschland ist autark, wir können alles selbst und wir brauchen das Ausland nicht. Frankreich ist unser Erzfeind.“

Nach Kriegsende im Mai 1945 seien etwa zehn Flüchtlingskinder in die Klasse aufgenommen worden. Der Vater seiner Mitschülerin Leni Röttgers, ein Bäckermeister, habe nach seiner Rückkehr aus dem Krieg keine Bäckerei in Papenburg eröffnen dürfen, weil die alliierte Militärregierung nur einen Bäcker pro 5000 Einwohner erlaubt habe. Der Bäckermeister sei daraufhin nach Oberlangen gezogen. Wie Vogdt weiter berichtet, wurde er mit einem Pferdegespann von Christoph Meyer von Meyers Mühle von Papenburg aus täglich mit Mehl beliefert. Da es in Oberlangen aber auch an Schulheften gemangelt habe, seien Exemplare aus Papenburg buchstäblich geteilt worden. „Auch jede Schultafel wurde in zwei Teile gebrochen, damit auch die Flüchtlingskinder am Unterricht teilhaben konnten“, so Vogdt.


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