Kuppel und Minarett sollen kleiner werden Papenburger Kulturverein speckt Plan für Moschee-Bau ab

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Papenburg. Kuppel und symbolisches Minarett fallen kleiner aus als ursprünglich geplant – und ein zum Mittelkanal vorgesetzter Giebel: Das sind die wesentlichen Änderungen der überarbeiteten Pläne für den Moschee-Neubau in Papenburg.

Zusammen mit Vertretern des türkisch-islamischen Kulturvereins stellte der Papenburger Bauingenieur und Entwurfsverfasser Alfons Bohse die modifizierten Planungen am Donnerstagabend im Foyer der Heinrich-von-Kleist-Oberschule vor. Rund 150 Zuhörer waren der Einladung zur Info-Veranstaltung gefolgt. Moderiert wurde sie vom Leiter der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte Papenburg, Thomas Südbeck.

Zentrale Fragestellung

„Was können wir tun, um das Ganze nicht so protzig und gewaltig dastehen zu lassen?“, formulierte Bohse die zentrale Fragestellung für einen Konsens in der Debatte, die nach Veröffentlichung der Ursprungsplanung in Teilen der Stadt entbrannt war. Die bisherige Planung hatte unter anderem eine zwölf Meter hohe Kuppel und ein 13 Meter hohes, frei stehendes symbolisches Minarett vorgesehen. Nun sollen Kuppel und Minarett nur noch acht beziehungsweise maximal zehn Meter hoch sein. Zudem werde das Minarett in die Fassade integriert, erklärte Bohse. Wie der Bauingenieur weiter ausführte, sieht die überarbeitete Planung im Sinne der Kanalbausatzung beziehungsweise einer Integration in das Stadtbild einen etwa zehn Meter hohen Giebel zwischen Mittelkanal und Moschee vor. Errichtet werden soll sie 21 Meter von der Straße entfernt.

„Ein bisschen wie ein Zirkus“

Nasuh Bellikli und Ruhi Atalay vom türkisch-islamischen Kulturverein machten keinen Hehl daraus, dass ihnen die Ursprungsplanung besser gefallen habe als die nun abgespeckte Version mit aus Sicht der Gemeinde vielen Zugeständnissen. „Mit Giebel sieht es ein bisschen aus wie ein Zirkus. Aber wir wollen keinen Ärger haben“, sagte Atalay. Wie mehrfach berichtet, will die Gemeinde auf ihrem bisherigen Vereinsgelände für 1,5 Millionen Euro außer der Moschee direkt nebenan ein Vereinsheim mit Lebensmittelmarkt und Gästehaus errichten. Gebaut werden solle abschnittsweise, sagte Atalay. Finanziert werde das Vorhaben von den 90 Mitgliedsfamilien. Seit 2001 nutzt die Gemeinde die ehemalige Gaststätte „Zum Goldenen Anker“ als Domizil. Das Gebäude, Baujahr 1930, sei inzwischen baufällig, sagte Bellikli.

Lebhafte Diskussion

Im Anschluss an die Präsentation der überarbeiteten Pläne – eine Baugenehmigung liegt bislang nicht vor – entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Mehrere Zuhörer, darunter Bernd Tegeder, warfen die Frage auf, warum sich die Moschee plötzlich hinter einem Giebel „verstecken“ müsse. Es seien zu viele Zugeständnisse gemacht worden, hieß es. Dem entgegnete Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU), dass der Konsens keine Frage mangelndes Selbstbewusstseins sei. Vielmehr sei es nach der intensiven Debatte der vergangenen Monate auch unter Berücksichtigung der Kanalbausatzung gelungen, einen Kompromiss zu finden, „mit dem große Teile der Bevölkerung gut leben können“.

(Weiterlesen: Kundgebungen in Papenburg – 100 gegen Moschee, 700 gegen die AfD)

AfD-Einzelratsherr Jens Schmitz warf Fragen nach der Finanzierung womöglich aus dem Ausland und Unterbringung von Werkvertragsarbeitern im Gästehaus auf. Letzteres verneinte Atalay. Es werde lediglich eine Wohnung für den Vorbeter geben. Und die Finanzierung werde ausschließlich von den Mitgliedsfamilien bestritten, versicherte er. Von Anwohnern vorgebrachte Bedenken drehten sich vornehmlich um die Zahl von Parkplätzen und die Anzahl der Moscheebesucher. Bohse zufolge wird die Moschee Platz für 250 bis 300 Gläubige bieten.

Mit 1,5 Millionen Euro sind die Kosten für die Neubauten veranschlagt. Grafik: Bauunternehmen Bohse

Kulturverein stellt überarbeitete Pläne vor – der Info-Abend im Liveticker zum Nachlesen


Türkisch-islamischer Verein: Kultur ja –Politik nein

Kultur ja, Politik nein – mit vier Worten skizzierte Nasuh Bellikli, Sprecher des türkisch-islamischen Kulturvereins Papenburg, die Grundsatzausrichtung seiner Gemeinde.

Zu Beginn des Info-Abends zum geplanten Moschee- und Vereinsheim-Neubau am Mittelkanal nahm Bellikli die rund 150 Zuhörer mit auf eine kleine Zeitreise. Nach seinen Worten wurde die Gemeinde 1984 von Gastarbeitern gegründet, „die in Papenburg Fuß gefasst haben“. Erstes Domizil sei ein leer stehendes Schulgebäude an der Ersten Wiek gewesen. Nach zwischenzeitlicher Unterbringung in einem Gebäude der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB, 1990–1995) habe ein „aufreibendes Nomaden-Dasein“ begonnen. „Jede Woche haben wir unsere Gebetsteppiche geschleppt, weil wir andere Räume suchen mussten“, sagte Bellikli. In dieser Zeit sei ein strukturiertes Gemeindeleben undenkbar gewesen. Für umgerechnet rund 300000 Euro habe der Verein dank zehn Mitgliedsfamilien als Bürgen die ehemalige Gaststätte „Zum Goldenen Anker“ gekauft. Inzwischen sei das 1930 errichtete Gebäude völlig marode. Allein die Energiekosten schlagen Bellikli zufolge mit 1500 Euro pro Monat zu Buche.

Der Verein sei mehr als eine Moscheegemeinde und beispielsweise in der Arbeit mit Kindern und Frauen sozial stark engagiert und integriert. „Wir wurden hier sesshaft und sind Papenburger“, betonte Bellikli. Eine Moschee ist nach seiner Auffassung „die beste Medizin gegen Radikalisierung und Ressentiments“. Auch der Moderator des Info-Abends, HÖB-Leiter Thomas Südbeck, bezeichnete den Verein als „aktiv und hoch angesehen“, mit dessen Hilfe die Integration in Papenburg voranschreite.

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