Mann sitzt im Iran fest Neubörger: Afghanische Familie seit drei Jahren ohne Vater

Von Maike Plaggenborg

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Das Deutsche Rote Kreuz in der Geschäftsstelle Papenburg versucht, den Sahaks bei der Familienzusammenführung zu helfen. Foto: Archiv/Lea BeckerDas Deutsche Rote Kreuz in der Geschäftsstelle Papenburg versucht, den Sahaks bei der Familienzusammenführung zu helfen. Foto: Archiv/Lea Becker

mpl/pm Neubörger/Papenburg. Familie Sahak lebte in der afghanischen Stadt Kundus, als sie sich aufmachte, um zu fliehen. Zu groß war die Bedrohung durch die Taliban. Das war vor drei Jahren. Auf der Flucht kommt ihnen der Ehemann und Vater abhanden. Zwei Jahre lang wussten sie nicht, ob er überhaupt noch lebt. Inzwischen haben sie Kontakt, doch ein Zusammenleben ist nicht absehbar.

Manchmal ist der Vater wütend, wenn er mit ihr telefoniert, berichtet die Tochter Shabnam Sahak. Die Situation ist zermürbend. Die Ehefrau und Mutter Hanifa Sahak lebt mit der 20-Jährigen und der zweiten Tochter, der 19-jährigen Hina, seit zwei Jahren in Neubörger. Wegen der persönlichen Verfolgung in der afghanischen Stadt Kundus machten sie sich einst zu viert auf. Mutter und Töchter sind inzwischen als Flüchtlinge anerkannt. Sie dürfen in Deutschland bleiben, während der Mann und Vater im Iran festsitzt. „Das erhalten mittlerweile nur noch wenige Afghanen. Die Gründe für das Verlassen des Heimatlandes wurden damit als besonders schwerwiegend anerkannt“, sagt Marina Niesmann, Migrationsberaterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Papenburg. Die Hilfsorganisation versucht bei der Familienzusammenführung zu helfen, auch auf internationaler Ebene. So auch im Fall der Familie Sahak.

„Wir mussten machen, was die Männer gesagt haben“

Das war passiert: Im Herbst 2015 macht sich die Familie vom Norden Afghanistans in Richtung Westen auf. Im Nachbarland Iran gibt es einen Stopp. Es kommt zum Streit mit Iranern. Die bezahlten Schlepper weisen schließlich an, dass die Frauen und Männer fortan getrennt weiterreisen sollen. Sie wissen nicht, warum. „Wir mussten machen, was die Männer gesagt haben“, sagt Shabnam Sahak. Die Leute vertrösten die Frauen. Ihr Mann und Vater würde nachkommen, hatte es geheißen. Tut er aber nicht. Mutter und Töchter setzen die Flucht fort, teils zu Fuß, teils mit Autos. Der beschwerliche Weg mit langen Märschen und schlechter Verpflegung führt ab der Türkei auch mit dem Boot über das Mittelmeer bis nach Griechenland. Ihre erste Unterkunft im Emsland ist schließlich die dortige Turnhalle, dann die frühere ADO-Halle in Aschendorf. Am Ende der Flucht ist ein Monat vergangen, der Mann bleibt verschwunden.

Vater und Familie finden sich auf Webseite

Die Familie wandte sich an den Suchdienst des DRK. Sie stellte ein Foto von sich online. Im etwa fünfeinhalb Tausend Kilometer entfernten Iran stieß dann der Familienvater mithilfe eines jungen Mannes auf die internationale Webseite des Roten Kreuzes tracetheface.org. Das war 2017. Seitdem hat die Familie Telefontakt. Gegen Kost und Logis arbeitet der Ehemann und Vater als Gärtner. Seine Papiere sind weg. Ohne Reisepass kann er nicht folgen. Und den bekommt er nur in Afghanistan. Dorthin zurückzugehen sei keine Alternative, sagt Niesmann. „Das Risiko ist viel zu groß, er müsste vielleicht mit seinem Leben bezahlen.“ Die deutsche Botschaft in Afghanistan sei geschlossen, afghanische Papiere bekomme der Mann nicht im Iran. Zuständig seien die Botschaften im pakistanischen Islamabad oder im indischen Neu Delhi. Nur sei es, eben schwierig dorthin zu kommen, – ohne Papiere. Mithilfe eines Osnabrücker Anwaltes, einer Heiratsurkunde und der DNA der Töchter für einen Vaterschaftstest versucht die Familie, den Vater nach Deutschland zu holen – doch eine Ausnahme von der Passpflicht zu erreichen ist nicht einfach. Der Mann hängt im Iran fest, kann weder vor noch zurück. „Wir können im Moment nicht viel tun“, sagt Niesmann.


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