Kontrollverlust auf nasser Fahrbahn Auf Papenburger Teststrecke Schleudertrauma knapp entkommen

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Papenburg. In der Serie „Kathi traut sich“ geht EZ-Volontärin Katharina Preuth an ihre Grenzen. Heute absolviert sie ein Fahrtraining auf der ATP-Teststrecke in Papenburg. Besonders das Oval hat es in sich.

Die Geschwindigkeitsanzeige des BMW zeigt 240 Km/h, die Kurve neigt sich in einem 49-Grad-Winkel. Der Asphalt der Straße kommt der Beifahrerin, in diesem Fall mir, gefährlich nah. Genau jetzt sei der Moment, da der Fahrer theoretisch die Hände vom Steuer nehmen könne und das Auto bleibe in der Spur, sagt Jan Assies, Erprobungsingenieur bei ATP, während er fährt. Er gibt noch etwas mehr Gas und lässt dann tatsächlich das Lenkrad los.

Glaube an physikalische Gesetze

Vermutlich gibt es physikalische Gesetze, die erklären, warum wir gerade nicht gegen die Leitplanke donnern, nur kann ich in diesem Moment das dafür nötige Wissen irgendwie nicht abrufen. Ich bin damit beschäftigt, den Fahrer nicht aus den Augen zu lassen. Solange er weiß, was er tut, ist wohl alles in Ordnung, denke ich mir. Assies ist bei diesem Manöver die Ruhe selbst. Dieses Vertrauen in den Experten erweist sich als richtig, denn wir haben die Fahrt überlebt.

Nur leider habe ich dank des nervenaufreibenden Moments vergessen, die Strecke selbst zu genießen. Dabei ist der 12,3 Kilometer lange Ovalkurs sicherlich etwas Besonderes. Obwohl am Rande Papenburgs gelegen, werden die wenigsten hier bereits die eine oder andere Runde gedreht haben. Zum einen ist dafür nämlich ein spezieller Führerschein notwendig, andererseits herrschen auf der Teststrecke hohe Sicherheitsvorkehrungen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Am Eingang muss ich zunächst ein Dokument unterschreiben. Hier bestätige ich zum einen, dass ich über die Prototypen, die ich sehe, kein Wort verliere. Das amüsiert mich kurz, weil ich ehrlicherweise kaum einen 3er von einem 1er BMW unterscheiden kann, geschweige denn die neue Mercedes C-Klasse erkennen würde. „Das macht es für uns einfacher“, sagt Sabine Everding, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Teststrecke. Zudem wird ein Foto von mir gemacht, für den Ausweis, den ich für den Zutritt benötige. Meine Handykameras bekommen Aufkleber verpasst, der fotografieren und filmen unmöglich macht.

Mit dem Auto, das Assies für die heutige Tour ausgewählt hat (ein BMW 320 D mit 190 PS), fahren wir auf dem Weg zur Strecke tatsächlich an einigen in bunten Farben abgeklebten „Erlkönigen“, also neuen Autos, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, vorbei. Die interessieren mich jedoch weniger als die Strecke, auf die Assies jetzt das Auto lenkt. Auch wenn ich den Ovalkurs nicht selbst fahren durfte – jetzt muss ich doch ran.

Bremstest ungewohnt

Meine Übungen beginnen mit einem Bremstest. Es ist tatsächlich sehr ungewöhnlich, von Tempo 90 voll in die Bremse zu steigen. Die meisten Hütchen, denen ich dabei ausweichen sollte, umschiffe ich irgendwie, nur einer fällt. Auf poliertem Granit simulieren wir die Vollbremsung bei spiegelglatter Straße. Das Auto reagiert kaum auf meine Anstrengungen und dabei habe ich mein ganzes Gewicht auf Bremse und Kupplung gelegt.

Auch wenn diese Einheit ganz interessant war, richtig Nervenkitzel, Schweiß- und Adrenalinausbrüche hat der „Nasshandling-Kurs“ bei mir verursacht. Ein Parcours, ähnlich einem Kreisverkehr, wird durch eine Sprenkelanlage nass gehalten. Im zweiten Gang bei ungefähr 30 Km/h soll ich dem Gaspedal einen Stoß versetzen, während ich im Kreis herum fahre. Ziel ist die Kontrolle über das Auto zu behalten und gegenzulenken. Doch direkt bricht das Heck aus und in einem Anfall von totalem Kontrollverlust drehen wir uns zweimal um die eigene Achse. Bremsen hilft wenig – und Steuern war für einen Moment unmöglich.

Herz rast wie wild

Als wir zum Stehen kommen, muss ich tief Luft holen, mein Herz rast wie wild und mein Rücken klebt samt Oberteil am Sitz. Das war heftig. Immerhin sitzen wir in einem echten Auto. Das hätte schief gehen können. Aber auch jetzt ist Assies entspannt. „Das passiert allen am Anfang“, sagt er beruhigend. Mir gelingt es nach etwa einer halben Stunde Übung letztendlich kurz, die Oberhand über den Wagen zu gewinnen. Aber nach dem ersten Schreck fängt das Drehen auf rutschigem Untergrund an, Spaß zu machen: Besser als jede Achterbahn.

Zum Abschluss jagt mich Assies noch über den „kleinen Hockenheimring“. Auf dieser Rennstrecke muss ich die Ideallinie fahren. Mein Adrenalinpegel lässt allerdings gerade wieder nach und ich schleiche eher um die Kurven, als dass ich ein Rennen fahre. Klar ist am Ende: Die Nasshandling-Strecke und den Ovalkurs mit der Steilkurve kann hier sowieso nichts toppen.


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