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125 Jahre Führerschein Reporter aus Papenburg fällt gnadenlos durch Führerscheinprüfung

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Papenburg. Am 14. August vor genau 125 Jahren hat in Paris die erste Führerscheinprüfung stattgefunden. Grund genug für Reporter Daniel Gonzalez-Tepper, mit Fahrlehrerin Carmen Hentrup in Papenburg eine solche Prüfung nachzustellen. Um es vorwegzunehmen: Er wäre gnadenlos durchgefallen.

Als Rüpel im Straßenverkehr sehe ich mich keineswegs: Seit etwas mehr als 20 Jahren besitze ich einen Führerschein, und bis auf einen kleinen Auffahrunfall mit 19 Jahren fahre ich seitdem unfallfrei, habe obendrein seitdem so gut wie keine „Knöllchen“ wegen zu schnellem Fahrens oder anderer Vergehen kassiert, obwohl ich Vielfahrer bin.

Ein Autofahrer, der keine Fehler macht im Straßenverkehr, bin ich damit noch lange nicht. Zu dieser Erkenntnis muss ich jedenfalls kommen, nachdem ich mit Fahrlehrerin Carmen Hentrup von der Fahrschule Schomaker aus Papenburg 45 Minuten durch Papenburg und Aschendorf gefahren bin und wir dabei eine Führerscheinprüfung simuliert haben. Einen gravierenden Fehler, der zur sofortigen Beendigung geführt hätte, habe ich dabei nicht begangen. Dazu gehören zum Beispiel das Übersehen einer roten Ampel, das Überfahren eines Stoppschildes oder das Missachten der Vorfahrt eines anderen Fahrzeugs. Doch es waren mehrere „kleinere“ Fehler, deren Summe – so meint zumindest die erfahrene Fahrlehrerin – den Prüfer am Ende dazu bewogen hätten, mich durchfallen zu lassen.

(Weiterlesen: Warum die Führerscheinprüfung so schwer ist)

Den ersten Fehler begehe ich bereits, als ich das Fahrschulfahrzeug noch keinen Meter bewegt habe. Obwohl wir auf der Einfahrt der Fahrschule und direkt neben der Hauswand stehen, hätte ich einen Schulterblick machen müssen, schließlich könnte ein Fußgänger sich um das Auto herumgeschlichen haben, den ich beim Anfahren übersehen könnte. Der zweite Fehler folgt nach geschätzt 100 Metern Fahrt: Am „Ovalkreisel“ Hauptkanal / Russellstraße / Hermann-Lange-Straße müssen sich Autofahrer, die nicht gleich die erste Ausfahrt nehmen wollen, die linke Hälfte der Fahrbahn benutzen. Der Kreisel darf nämlich zweispurig benutzt werden. Ich mache natürlich den gleichen Fehler, den fast alle Autofahrer dort machen: Ich fahre mittig auf der Fahrbahn, was ein Minuspunkt bei der Prüfung wäre.

Umwelt- und materialschonendes Fahren zählt

Was Carmen Hentrup obendrein nach wenigen Metern auffällt: Ich fahre nicht umweltbewusst und materialschonend, weil ich beim Abstoppen des Fahrzeugs sofort das Brems- und Kupplungspedal gleichzeitig trete. Richtig wäre, erst das Gas wegzunehmen, dann die Bremse zu betätigen und die Kupplung erst dann zu treten, wenn die Drehzahlanzeige bei 1 (also 1000 Umdrehungen) angekommen ist. „Erst dann nutzt du die natürliche Bremswirkung des Motors richtig und Brems- und Kupplungssystem werden geschont“, belehrt mich die 39-Jährige. Und obwohl mich die Fahrlehrerin während der 45 Minuten mindestens ein Dutzend Mal an den empfohlenen Ablauf erinnert, mache ich es immer wieder falsch und trete beide Pedale gleichzeitig.

Natürlich mache ich als erfahrener Autofahrer nicht alles falsch. Mit der Technik des Fahrzeugs kenne ich mich aus, obwohl ich das Modell privat nicht fahre, kann die Funktion sämtlicher Schalter, Hebel oder Knöpfe benennen und den Ölstand kontrollieren. Während der Fahrt sind das Einparken oder das „Wenden in drei Zügen“ in einer Sackgasse ein Leichtes für mich. Lob bekomme ich für das Erkennen der „Rechts-vor-links“-Regelung am Park-Inn-Hotel vom Ölmühlenweg kommend, und für das zügige Beschleunigen auf Tempo 100 außerhalb geschlossener Ortschaften.

Beschleunigungsstreifen nicht vollständig genutzt

Auf der B70 mache ich wiederum zwei Fehler. Ich benutze, von der Rheiderlandstraße kommend und in Richtung Meppen fahrend, den Beschleunigungsstreifen nicht bis zum Ende. Auch wäre ein Minuspunkt bei einer Prüfung, belehrt mich Carmen Hentrup. Und auch bei der Rückfahrt auf der B70 aus Aschendorf kommend und in Richtung Kirchstraße fahrend mache ich einen Fehler: Ich verbleibe zu lange auf der linken Fahrspur, als die B70 zweispurig wird. Das Rechtsfahrgebot gilt unmittelbar dann, wenn die durchgezogene Linie endet.

(Weiterlesen: Fahrschüler fallen immer öfter durch)

Nicht fehlerfrei überstehe ich auch die Fahrt durch Aschendorf. Bei der Fahrt von der Hüntestraße ins Wohngebiet „Zum weißen Bild“ erkenne ich an der ersten Kreuzung mit der Münsterstraße nicht, dass es sich um eine „Rechts-vor-links-“Kreuzung handelt. Mich irritieren die Markierungen auf der Straße, die aber nichts an der Regelung ändern, weil es sich um eine Tempo-30-Zone handelt, in der (ohne klare Beschilderung einer geänderten Vorfahrtsregelung) immer „rechts vor links“ gilt. Und wie schwierig es ist, auf der Großen Straße, auf der Tempo 20 gilt, zwei Fahrradfahrer zu überholen, erlebe ich ebenfalls: Weil sich kurz vor der Kreuzung Bokeler Straße Gegenverkehr ankündigt, drücke ich kurzzeitig zu stark aufs Gaspedal, beschleunige auf 30 Kilometer pro Stunde – zu viel bei einer Prüfung. Ich lerne: Ich hätte also hinter den Fahrradfahrern bleiben müssen.

Zurück in der Fahrschule versucht Carmen Hentrup, mich zu trösten: „Eigentlich bist du ein sehr ruhiger und guter Autofahrer. Mit einigen wenigen Fahrstunden zur Vorbereitung hättest du die Prüfung vermutlich bestanden.“

(Weiterlesen: Quiz: Können Sie diese Fragen der Führerscheinprüfung beantworten?)


Erste Führerscheinprüfung

Nach Angaben des Automobilclbs Automobile Club Association – eine Art französischer ADAC – hat am 14. August 1893 die weltweit erste Führerscheinprüfung stattgefunden. Genauere Angaben, wer damals der erste Prüfling war, gibt es allerdings nicht. Es war jedenfalls ein Mann, denn Führerschein-Aspiranten mussten damals männlich und mindestens 21 Jahre alt sein. Frauen waren erst vier Jahre später zur Prüfung zugelassen. Mit der heutigen Führerscheinprüfung hatte dieser Test vor 125 Jahren allerdings nicht viel gemeinsam. Es ging vielmehr um die Beherrschung des Fahrzeugs, also starten, lenken und stoppen. Wobei bereits das Starten der ersten Fahrzeuge damals eine Wissenschaft für sich war. Abgenommen hat die ersten Prüfungen in Paris das Bergamt, das für alle motorischen Geräte zuständig war. In Paris bekamen erfolgreiche Prüflinge damals ein Zertifikat ausgestellt und durften mit maximal zwölf Kilometern pro Stunde durch die Stadt fahren. Bis in die 1970er Jahre blieben in ganz Europa die Prüfung rein praktisch. Der theoretische Teil wurde zum Beispiel in Frankreich erst im Jahr 1970 eingeführt. (mit dpa)

Aktuelles zum Führerschein

Etwa 37,5 Millionen Menschen haben nach Angaben des TÜV Nord 2017 einen Kartenführerschein für Krafräder, Pkw, Lkw, Busse oder andere Kraftfahrzeuge besessen, die vor 1999 ausgestellten Papierführerscheine nicht mitgezählt. Neulinge können beim Straßenverkehrsamt einen Führerschein beantragen, oft übernehmen dies aber auch die Fahrschulen. Notwendig ist ein gültiger Personalausweis, die Teilnahmebestätigung für einen Erste-Hilfe-Kurs, ein aktuelles biometrisches Passbild und eine Sehtest-Bescheinigung. Die Prüfung kann frühestens drei Monate vor dem 17. Geburtstag („begleitetes Fahren“) oder dem 18. Geburtstag abgelegt werden. Ist die Prüfung bestanden, gibt es den Führerschein für zwei Monate auf Probe, in der unter anderem ein absolutes Alkoholverbot und verschärfte Bestrafungen bei schweren Verkehrsverstößen.

Bei Reisen ins EU-Ausland gilt laut TÜV: Wer noch einen alten grauen oder rosafarbenen Papier-Führerschein besitzt, muss diesen gegen den scheckkartenförmigen EU-Führerschein umtauschen. Er kann für eine Gebühr von 24 Euro beim örtlichen Straßenverkehrsamt beantragt werden. Bei Reisen ins Nicht-EU-Ausland ist zusätzlich ein „internationaler Führerschein“ zu empfehlen, der in vielen Ländern beispielsweise in Asien, Afrika oder Südamerika verpflichtend ist. Das amtliche Dokument ist letztlich eine amtliche Übersetzung der nationalen Fahrlizenz und auch nur in Kombination mit dieser gültig. Auch er kann beim Straßenverkehrsamt beantragt werden, zusätzliche Prüfungen sind nicht notwendig. Die Gebühren liegen zwischen 15 und 20 Euro.

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