Geschichten hinter Müllbergen Papenburger Firma räumt immer mehr Messie-Häuser

Von Jennifer Kemker


Hinter den Müll- und Kleidungsbergen verstecken sich die Geschichten von Menschen. So erlebt es Andrea Lindemann, Geschäftsführerin von Picobello. Die Reinigungsfirma wird immer mehr auch zu sogenannten Messie-Häusern gerufen, die entrümpelt werden müssen.

Oft schämen sich die Angehörigen oder die Betroffenen für die Situation, wie Lindemann erzählt. Manchmal ist krankhaftes Zwangsverhalten schuld daran. Dabei verwahrlosen die Wohnungen oder Häuser der Bewohner nicht ausschließlich, sondern die Menschen sammeln bestimmte Dinge, wie Lindemann aus ihrer Erfahrung berichtet. Dies ist dann dem Messie-Syndrom zuzuordnen, das als zwanghaftes Verhalten definiert wird, bei dem mehr oder weniger wertlose Gegenständen angehäuft werden.

Auch junge Menschen sind betroffen

Die Zustände aber könnten auch andere Gründe haben. Manchmal etwa hätten ältere Menschen, die erkrankt sind und alleine leben, die Kontrolle über die Sauberkeit verloren. Auch junge Menschen gebe es, die etwa von Haus aus nicht gelernt hätten, wie man eine eigene Wohnung sauber hält, sodass sich der Müll irgendwann stapele. „Es spielt keine Rolle, welcher Schicht oder Klasse man angehört, es kann jedem passieren“, sagt Lindemann. Irgendwann finden sich die Menschen in einer Spirale wieder, aus der sie alleine nicht wieder herausfinden. „Dann kommen wir ins Spiel“, so Lindemann.

In den vergangenen fünf Jahren haben die Einsätze in „Messie-Häusern“ nach den Worten von Lindemann stetig zugenommen. „In den ersten Jahren waren es mal zwei oder drei.“ Jetzt seien es ein bis zwei Häuser oder Wohnungen im Monat. Dabei ist der Grat zwischen einer Entrümpelung und einer „Messie-Wohnung“ oft schmal. Interessant werde die Arbeit, wenn man alte Fotos, Urkunden oder Ähnliches findet. „Dann sieht man erst den Menschen dahinter, der in dem Haus gelebt hat“, so Lindemann. Bei einem skurrilen Fall waren die Wände mit tief psychologischen Sprüchen beschrieben, wie sie sich erinnerte.

Schon mal fünf Sieben-Kubikmeter-Container gebraucht

Ein immer größer werdendes Thema in diesem Zusammenhang sind auch die Tatortreinigungen oder Reinigungen nach Todesfällen. Wenn Leichen in solchen Wohnungen länger liegen, bekommt man es laut Lindemann auch oft mit kleinen Tieren zu tun. „Das ist für unsere Mitarbeiter dann auch eine doppelte Belastung.“ Bei so einer Reinigung sei es wichtig, sich vorher kopfmäßig schon darauf einzustellen. Wenn Insekten und Tiere ins Spiel kommen, spielt der Schutz davor auch eine wichtige Rolle.

Innerhalb von zwei Tagen ist ein „Messie-Haus“ in der Regel ausgeräumt. „Wir versuchen bei einem solchen Auftrag immer so viele Mitarbeiter wie möglich einzusetzen. Das Wichtigste jedoch ist absolute Diskretion“, sagt Lindemann. Am Ende kommen meistens ein bis zwei rund sieben Kubikmeter große Container zum Einsatz, die gefüllt werden. Im schlimmsten Fall setzte die Firma bereits fünf Container ein.


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