Beweise reichen nicht aus Sexueller Missbrauch: Angeklagter in Papenburg freigesprochen

Von Katharina Preuth

Vor dem Amtsgericht Papenburg wurde der Prozess um sexuellen Missbrauch verhandelt. Foto: Maike PlaggenborgVor dem Amtsgericht Papenburg wurde der Prozess um sexuellen Missbrauch verhandelt. Foto: Maike Plaggenborg

Papenburg. Nach sechs Verhandlungstagen ist gestern ein 56-jähriger Mann aus dem nördlichen Emsland im Prozess um den sexuellen Missbrauch einer geistig behinderten Minderjährigen freigesprochen worden. Die Aussage der heute 19-Jährigen vor dem Amtsgericht Papenburg sei nicht detailliert genug, so die Urteilsbegründung. Dennoch schließt der Vorsitzende „gewisse Probleme in pädophiler Hinsicht“ nicht aus.

Während die im großen Gerichtssaal Anwesenden darauf warten, dass der Richter mit dem Urteilsspruch zurückkehrt, herrscht Stille. Nur die Geräusche des Hauptkanals dringen durch die geöffneten Fenster in den ersten Stock. Kurz spricht der Beschuldigte mit seinem Verteidiger und weist auf den gerade beginnenden Regen. Dann ist es wieder ruhig. In Gedanken vertieft stützt der Angeklagte sein Kinn in die Handfläche. Er wirkt entspannt. Das ist kein Wunder, denn selbst der Staatsanwalt fordert in seinem Plädoyer, ihn freizusprechen. Und genau darauf läuft es hinaus. Der Vorsitzende und die beiden Schöffen verurteilen ihn nicht. Doch für komplett frei von Schuld halten sie ihn ebenso wenig.

Geschädigte entlastet Angeklagten

Ausgerechnet die Aussage der 19-Jährigen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, habe ihn entlastet, begründet der Vorsitzende sein Urteil. Durch ihren frühkindlichen Autismus sei es ihr nicht möglich gewesen, sich klar und deutlich zu artikulieren und Details zu schildern, die für eine Verurteilung nötig gewesen wären. Auch wenn nach seinen Worten ein psychologisches Gutachten heraus stellt, dass die junge Frau nicht gelogen haben kann, was ihre Aussagen betreffe. Aufgrund ihres geistigen Entwicklungsstandes hätte sie sich in den vielen Befragungen sonst in Widersprüche verwickeln müssen, so der Vorsitzende.

„Es ist mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Sie sexuellen Kontakt hatten, aber wir können das nicht für eine Verurteilung ausreichend begründen“, sagt der Vorsitzende in Richtung des Angeklagten.

Pädophile Probleme

Dem 56-Jährigen wurde vorgeworfen, im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 die Nachbarstochter mehrfach an den Brüsten berührt zu haben, ihr außerdem sein Geschlechtsteil gezeigt zu haben und sie aufgefordert zu haben, es anzufassen. In einem weiteren Vorfall soll der Angeklagte mit ihr pornografische Filme geschaut und später mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt haben. Auch Oralverkehr zählte zu den Anklagepunkten.

Zum Schluss dieses letzten Verhandlungstages führt der Vorsitzende aus, dass der Beschuldigte „möglicherweise Schuld auf sich geladen hat“ auf „eine Art und Weise die ihresgleichen sucht“. „Es gibt viele Hinweise, dass Sie gewisse Probleme in pädophiler Hinsicht haben können“, attestiert er dem Angeklagten. Der Vorsitzende rät dem Mann eindringlich, sich in eine Therapie zu begeben. Die Kosten für das Verfahren übernimmt die Landeskasse.


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