Nachgefragt bei den Behörden Kann das Niedrigwasser die Ems-Passage der AIDAnova gefährden?

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Papenburg. Wegen der lang anhaltenden Dürreperiode herrschen in vielen Flüssen und Seen niedrige Pegelstände, das ist in der Ems derzeit nicht anders. Kann das Niedrigwasser sogar die Überführung der AIDAnova Ende September von Papenburg über die Ems in der Nordsee gefährden?

Diese Frage stellte unsere Redaktion dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Aurich. Die Behörde ist für den Aufstau der Ems zuständig, der für die Überführung eines Meyer-Schiffes notwendig ist. Ein Sprecher des NLWKN erklärte, dass für den Aufstau der Zufluss von Wasser aus dem Oberlauf der Ems weniger von Bedeutung ist. Zum Oberlauf gehören beispielsweise das Emsland, das Münsterland oder der Raum Schloß Holte-Stukenbrock, wo die Emsquellen liegen. Dem NLWKN ist mehr oder weniger egal, welchen Wasserstand die Nebenflüsse der Ems oberhalb des Emssperrwerkes bei Gandersum in Ostfriesland haben.

(Weiterlesen: Wann wird die AIDAnova von Papenburg über die Ems überführt?)

Viel wichtiger, so der Sprecher, ist die mit dem Emssperrwerk „eingefangene“ Tide, also Ebbe und Flut in der Nordsee. „Ist diese hoch genug, sind die Zuflüsse aus dem Oberlauf der Ems – wie gesagt – weniger wichtig. Zumal die leistungsstarken Pumpen des Emssperrwerkes bei Bedarf zusätzlich Wasser aus dem Bereich außerhalb der Stauhaltung, also aus dem Raum Emden, in die Stauhaltung befördern können, um den erforderlichen Wasserstand herzustellen“, erklärt der Sprecher. Die Pumpen können bis zu 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bewegen.

Emssperrwerk ab dem 22. September in Bereitschaft

Vor der Stadt Emden liegt der Dollart (im Niederländischen Dollard geschrieben), eine etwa 90 Quadratkilometer große Meeresbucht der Nordsee und Mündungsbereich der Ems. Dort mischt sich im nördlichen Bereich quasi das Salzwasser der Nordsee und das Süßwasser der Ems. Innerhalb des Dollarts verläuft die deutsch-niederländische Grenze, etwa 70 Prozent gehören zu den Niederlanden, etwa 30 Prozent zu Deutschland, dieser wiederum gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Auch deshalb ist das NLWKN für den Emsaufstau zuständig.

Dem NLWKN-Sprecher zufolge kann jetzt noch nicht vorhergesagt werden, welche Höhe die auflaufende Tide ab Samstag, 22. September 2018, ab dem das Emssperrwerk in Bereitschaft steht für die Überführung der AIDAnova, erreicht.

Zu niedriger Sauerstoffgehalt kann Probleme machen

Während die Wassermenge also kaum ein Problem ist, könnte ein anderer Faktor, der mit der Hitzewelle zu tun hat, dafür sorgen, dass sich die Emspassage verzögert: der Sauerstoffgehalt im Wasser. Das NLWKN ist nämlich, wie der Sprecher betont, bestrebt, die „Eingriffe in die natürlichen Abläufe der Ems, die mit einem Staufall verbunden sind, so gering wie möglich zu halten“. Dazu gehöre unter anderem, dass laut Planfeststellungsbeschluss, der den Einstau genehmigt, nur begonnen werden dürfe, wenn zuvor „über eine Tide ein Sauerstoffgehalt von mindestens sechs Milligramm je Liter zu verzeichnen war“. Der Sauerstoffgehalt in Gewässern und Flüssen sinkt, je wärmer das Wasser ist. Denn vereinfacht gesagt kann Wasser weniger Sauerstoff aus der Atmosphäre speichern, je wärmer es ist. Ein zu niedriger Sauerstoffgehalt kann zu Fischesterben führen, hat aber auch Nachteile für das Pflanzenwachstum im und am Gewässer.

Aktuell (Stand 2. August, 12 Uhr) liegt dem NLWKN zufolge der aktuelle Wert an der Schleuse in Herbrum (Stadt Papenburg) bei 7,5 Milligramm Sauerstoff je Liter Wasser bei einer Wassertemperatur von 25,7 Grad Celsius.

(Weiterlesen: Projektleiter stellt vor: So sieht die neue AIDAnova in Papenburg aus)


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