Kalkstelzen in Strickstrümpfen Tropen-Helmut über Touristen-Outfits in Papenburg

Von Helmut Tropen*

Helmut Tropen. Screenshot: Christian BellingHelmut Tropen. Screenshot: Christian Belling

Papenburg In kurzer Buxe in den Petersdom, bierbauchfrei an die Riviera, oder in den berüchtigten weißen Tennissocken ins schicke Strandrestaurant: Bei der Wahl ihres Outfits am Urlaubsort sind Menschen mitunter wenig wählerisch. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Phänomen liegt so nah? Tropen-Helmut jedenfalls hat in Bad Papenburg ganz ähnliche Beobachtungen gemacht.

Wie neulich in der emsländischen Ausgabe der „Vogue“ zu lesen war, ist es um unseren Landkreis gut bestellt. Die renommierte Fachzeitschrift verlieh dem Emsland das Prädikat „ordentlich“. Danach macht der Emskopp modisch was her und darf sich öffentlich zeigen. Allerdings wird die Regel von Ausnahmen bestätigt.

Bierfest verlegt?

Und zu Letzteren gehört zweifelsohne Bad Papenburg samt seinen Touristen – insbesondere bei sommerlicher Witterung. Zu diesem Ergebnis gelangte ich auf meinem Beobachtungsposten auf der Außenterrasse einer am altehrwürdigen Hauptkanal gelegenen Gaststätte. Ursprünglich wollte ich das Bierfest heimsuchen, doch dies schien kurzerhand in eine andere Stadt verlegt worden zu sein. Sei’s drum.

War ich bis dato der Meinung, dass die Bad Papenburger ihre Leiber zwar nicht in die Haute Couture hüllen, es aber für die Kleidermode Prêt-à-porter allemal langt, wurde ich eines Besseren belehrt. Den Blick auf die klebrige – gewiefte Geister sprechen vom Touristenleim – Flaniermeile gerichtet, bekam ich Menschen zu Gesicht, denen man in so manchem Fall die Tageslichttauglichkeit absprechen muss. Eben Menschen wie du und ich.

Bluse erinnert an Warnweste

Da stiefelte eng umschlungen ein Paar mittleren Alters über die Pflasterklinker. Während Mutti eine leuchtend gelbe, an eine Warnweste erinnernde Bluse mit einer offensichtlich sehr strapazierfähigen Leggins kombinierte, trug Vati eine kurze Lederhose von unpassender Konfektionsgröße. Man weiß ja, dass zu viel UV-Strahlung der Haut nicht zuträglich ist. Allerdings sind wenig bis gar nicht pigmentierte Kalkstelzen in grauen Strickstrümpfen und Sandalen aus dem Niedrigpreissegment nicht wirklich ein Fest fürs Auge.

Kurz darauf hörte ich zunächst eine laut nörgelnde Touristin mit Ruhrpott-Dialekt, bevor ich sie erblickte. Getrost darf ich behaupten, die Dame verfügte über mehr Unter- als Oberweite. Der Minirock, den sie trug, kann am ehesten noch als Gesäßmanschette beschrieben werden. Ihr Gatte, der pfeifend einige Meter hinter ihr her schlurfte, trug Bermudashorts, die ihm etwas Entwürdigendes verliehen.

Energieverbrauch in Watt

Neben den Fußgängern waren zahlreiche Elektro-Radler unterwegs. Die meisten von ihnen sehen und hören nicht mehr sonderlich, machen zunehmend die Innenstädte mit Geschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse unsicher und warten nur darauf, endlich der Seniorengruppe der „Hells Angels“ beizutreten. Liebe Bad Papenburger: Der Energieverbrauch wird auf E-Bikes in Watt und keineswegs in Kalorien gemessen. Die vermaledeiten Biester sind zur Erhaltung körperlicher Wohlgestalt in keiner Weise geeignet! Und schon mal gar nicht in einer Stadt, deren Radwege jede Buckelpiste vor Neid platzen lassen.

Abschließend bleibt augenzwinkernd festzuhalten, dass man sich des Eindrucks, dass es in manch Bad Papenburger Haushalt an einem Spiegel mangelt, nicht erwehren kann. Nur gut, dass die Entente-Florale-Jury die Stadt zu dem Zeitpunkt bereits wieder verlassen hatte. Das hätte sonst ein böses Erwachen geben können.


*Helmut Tropen, eine Facebook-Kunstfigur des Papenburgers Achim Goldenstein, nimmt für unsere Zeitung an jedem ersten Samstag im Monat die Geschehnisse seiner Heimatstadt mit satirisch-spitzer Feder aufs Korn.

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